Marke der Woche: Kuriere der Krone

Spanische Kurier-Station in den AndenSpanien widmet am 16. Oktober seiner kolonialen Postgeschichte eine Sondermarke mit dem sch√∂nen Titel ‚ÄěPostalische Infrastruktur der Kolonialzeit‚Äú. Diese zeigt eine kleine Steinh√ľtte aus dem 18. Jahrhundert, hoch in den unwirtlichen Bergregionen der Anden-Kordilleren. Von diesen H√ľtten gab es vermutlich acht St√ľck, die allerdings nicht mehr s√§mtlich erhalten sind. Sie sollten den Kurieren der spanischen Krone Unterschlupf gew√§hren, wenn diese den langen und gef√§hrlichen Weg von Chile aus √ľber die s√ľdlichen Anden nach Argentinien nahmen. Gerade im Winter konnten heftige Schneef√§lle ein Weiterkommen unm√∂glich machen. Also stattete man die sogenannten ‚ÄěCasas del Rey‚Äú mit haltbaren Lebensmitteln und Brennstoff aus, sodass die Boten auch eine gewisse Zeit lang im Unwetter verharren konnten. Der Name weist diese kleinen H√ľtten eindeutig als Eigentum des K√∂nigs aus, was vermutlich die Hemmschwelle potenzieller Pl√ľnderer ein wenig h√∂her legen sollte. Denn wer den K√∂nig bestahl, der hatte in der Regel sein Leben verwirkt. Charakteristisch f√ľr die Zweckbauten war ein rundes oder halbrundes Steindach. Damit sollten, so hei√üt es, die aufget√ľrmten Schneemassen besser vom Dach rutschen. Genutzt wurde die Strecke f√ľr gew√∂hnlich einmal im Monat, um aus Europa eingetroffene Post in Buenos Aires abzuholen. Gangbar war der Weg allerdings nur in den Monaten November bis April/Mai, also im Sommer auf der S√ľdhalbkugel. (‚Ķweiter‚Ķ)

Mit der Anlage dieser Stationen haben die Spanier in S√ľdamerika erste postalische Spuren hinterlassen. Vor dem blutigen Einzug der Konquistatoren hatte es jedoch Vergleichbares l√§ngst gegeben, allerdings etwas weiter n√∂rdlich, in Peru. Die Inkas, diese Meister der Organisation, hatten nat√ľrlich auch ein ausgefeiltes Nachrichtensystem installiert. Ein Netz aus L√§uferstaffetten stellte die unmittelbare Weiterleitung von Informationen im Dienste des Gottk√∂nigs sicher, sodass die spanischen Eindringlinge sich manches Mal nur wundern konnten, wie schnell die Kunde ihres Vormarsches und ihrer Taten ihnen vorausgeeilt war. Doch mit der brutalen Vernichtung der indianischen Kultur und ihrer Errungenschaften gingen alle diese Einrichtungen verloren. Man musste wieder von vorne beginnen.

Rechts: Bernardo O-Higgins, Befreier ChilesIn einer dieser H√ľtten fand interessanterweise der chilenische Nationalheld Bernardo O‚ÄôHiggins Zuflucht, als sein erster Aufstand f√ľr die Unabh√§ngigkeit in der Schlacht von Rancagua gescheitert war. Gemeinsam mit seinem Freund Jos√© de San Mart√≠n kehrte er jedoch 1817 zur√ľck und erstritt schlie√ülich die Unabh√§ngigkeit seines Landes. Der ‚ÄěAndenmarsch‚Äú der beiden Heerf√ľhrer ist heute Legende, aber man kannte sich ja mit der √úberquerung der Berge bereits aus.


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Authored by: Jan Sperhake

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