Wegbereiter des Russischen Realismus

Alexander-Puschkin-Briefmarke1962

Zum 125. Todestag erschien dieses Porträt auf einer Gedenkmarke der Sowjetunion, MiNr. 2573.

Alexander Sergejewitsch Puschkin starb nach einem Duell. Es war im Jahr 1837, und er war keine 40 Jahre alt. Die Prosa, Poesie und Dramatik des hochverehrten russischen Dichters waren empfindsam und hellwach, aber in Fragen und vor allem in Streitigkeiten um die Ehre war er zumindest am Ende seines Lebens √§u√üerst angreifbar. ¬†Der am 6. Juni bzw. nach dem julianischen Kalender, der zu seiner Zeit in Russland noch galt, am 26. Mai geborene Moskauer kam aus einer adeligen Familie. Als privilegierter Sch√ľler lernte er nicht nur die franz√∂sische Sprache, sondern las auch europ√§ische Schriftsteller und Philosophen. Er selbst sollte freilich nicht unbedingt Literat werden. Vielmehr war eine Beamtenlaufbahn im zaristischen Staatswesen geplant.¬†Aber bereits Puschkins fr√ľhes, im jungm√§nnlichen Alter verfasstes, vor allem lyrisches Werk fand nicht nur Geh√∂r, es stie√ü wegen seiner liberalen Inhalte und T√∂ne sowie der Bekanntschaft seines Verfassers mit Kritikern der zaristischen Herrschaft auch gleich auf Ablehnung. Mit der Folge, dass der schreibende Geck nicht nur zeitweise aus St. Petersburg, wo er eine Eliteschule besucht hatte, und Moskau verbannt wurde. Sondern auch, dass Puschkin zuk√ľnftig, bei allem literarischen Erfolg und einiger Bewunderung auch von aristokratischer Seite, von den autorit√§ren M√§chtigen mindestens aufmerksam be√§ugt wurde. Aus den Jahren jener Verbannung stammt unter anderem das Gedicht ‚ÄěDer Gefangene im Kaukasus‚Äú.

Alexander Puschkin mit seiner Frau auf einem Gemälde von von Nikolaj Uljanow.

Der Schriftsteller mit Gemahlin auf einem Gemälde von Nikolaj Uljanow (1875-1949), MiNr. 4388.

Als die 1830er-Jahre begannen, heiratete Puschkin Natalja Gontscharowa. Mit ihr hatte er vier Kinder, sie stammte aus einer reichen Familie, und ‚Äď dies wom√∂glich der fatale Punkt ‚Äď sie wurde von den obersten Moskauer Kreisen gesch√§tzt, wenn nicht sogar umworben. Am Ende waren es n√§mlich kursierende Sp√∂ttereien √ľber angebliche Galane und Aff√§ren Nataljas, die den sich in einer paradoxen und nervenaufreibenden Situation zwischen Zensur und h√∂fischem Leben bewegenden Puschkin zum t√∂dlichen Duell ‚Äď das auch nicht sein erstes war ‚Äď trieben.¬†Puschkins ber√ľhmtestes Werk ist wohl der √ľber viele Jahre hinweg entstandene ‚ÄěRoman-in-Versen‚Äú ‚ÄěEugen Onegin‚Äú, den Peter Tschaikowski zu einer Oper verarbeitete. Sein bekanntestes B√ľhnenst√ľck d√ľrfte die Trag√∂die ‚ÄěBoris Godunow‚Äú sein. Und auch mit diesen Arbeiten inspirierte Puschkin nach seinem Tod diverse russische K√ľnstler unterschiedlicher Metiers: √úber 100 Jahre sp√§ter hielt ‚ÄěLolita‚Äú-Autor Vladimir Nabokov es f√ľr notwendig und lohnend, das erstgenannte Werk m√ľhevoll in englische Sprache zu √ľbersetzen.

Der Komponist Modest Mussorgsky wiederum arbeitete mit dem Zaren-Drama ‚ÄěGodunow‚Äú, das sich dem Leben des gleichnamigen Zaren und den dynastischen Auseinandersetzungen um die Macht im russischen Reich an der Wende zum 17. Jahrhundert widmete, schon im 19. Jahrhundert f√ľr seine gleichnamige Oper. Teilweise, zum Beispiel von Fjodor Dostojewski, regelrecht mythisch als ‚ÄěVolks-‚Äú oder auch ‚ÄěNationaldichter‚Äú √ľberh√∂ht, besch√§ftigte sich Puschkin in ‚ÄěEugen Onegin‚Äú auch mit dem allt√§glichen Leben der Menschen unterschiedlicher Schichten in Russland, und er bezog dabei zudem eine allt√§gliche russische Sprache mit ein. Damit gelten speziell dieses Werk und sein Autor Alexander Puschkin grunds√§tzlich als wegbereitend f√ľr die erwachende ‚Äěrealistische‚Äú russische Literatur des 19. Jahrhunderts mit ihren Protagonisten von Nikolai Gogol bis zu Dostojewski, Iwan Turgenew und Lew Tolstoi.

Alexender-Puschkin-Briefmarkenblock

Zum 175. Geburtstag erschien 1974 diese Blockausgabe der Sowjetunion, MiNr. 4243 (Block 96).

Authored by: Marius Prill

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