Der unbeugsame Medizinmann

Der unbeugsame Medizinmann

„Geronimo“, „Crazy Horse“ oder gar „Spotted Elk“– die Namen mancher HĂ€uptlinge von StĂ€mmen der „Amerikanischen Ureinwohner“, die in den jungen „Vereinigten Staaten von Amerika“ vor allem im 19. und frĂŒhen 20. Jahrhundert die althergebrachten LebensrĂ€ume und Traditionen ihres Volkes zu wahren und schĂŒtzen versuchten, sind durchaus gelĂ€ufig. Am bekanntesten ist jedoch der Name „Sitting Bull“. Der berĂŒhmte AnfĂŒhrer und Medizinmann aus der „Sioux“-Stammesgruppe der „Lakota“ ging vor 125 Jahren in die „Ewigen JagdgrĂŒnde“ ein.

Als Kind rief man „Tatanka Yotanka“, wie es in der Sprache der Lakota eigentlich lautet, noch „Jumping Badger“ („Springender Dachs“). Wie der Nachkomme höherrangiger Stammesmitglieder zu seinem zweiten Namen kam, ist nicht ganz klar: Der Junge stellte, so heißt es zumindest öfter, schon im zarten Alter seine frĂŒh und ausgeprĂ€gt entwickelte Tapferkeit in einem kĂ€mpferischen Konflikt mit einem anderen Stamm unter Beweis. Und in Anerkennung dessen wurde er – mehrere zeitlich aufeinanderfolgende Namen waren bei den „Lakota-Sioux“ ĂŒblich – bald schon Tatanka Yotanka genannt.

Sitting Bull auf amerikanischer BriefmarkeWegen seines Mutes und seiner AnfĂŒhrer-QualitĂ€ten wurde Sitting Bull spĂ€ter auch so bekannt: Als nĂ€mlich Mitte der 1870er-Jahre im heutigen „South Dakota“ Goldquellen gefunden und die ansĂ€ssigen Ureinwohner verstĂ€rkt zu einem Leben in „Reservaten“ gedrĂ€ngt wurden, war es zuvorderst er, dem es gelang, die KrĂ€fte mehrerer Stammesgruppen zu vereinen und als spiritueller AnfĂŒhrer zu bĂŒndeln. So konnte den Truppen des Generals George A. Custer in der berĂŒhmten Schlacht von Little Bighorn – gelegen im heutigen Bundesstaat „Montana“ – eine empfindliche Niederlage beigebracht werden. Schon davor hatte Sitting Bull wiederholt dafĂŒr gesorgt, dass sich Delegationen von StĂ€mmen insbesondere gegen Angriffe von US- MilitĂ€r zur Wehr gesetzt hatten. Das legendĂ€re Gefecht war jedoch im Ganzen nur ein kurzfristiger Triumph: Denn der VerdrĂ€ngung und der Übernahme des Landes durch den amerikanischen Staat und seine siedelnden BĂŒrger tat es letztlich keinen Abbruch. Sitting Bull wurde vielmehr wegen seiner WiderstĂ€ndigkeit von den amerikanischen Behörden verfolgt. Er floh nach Kanada und wurde als Kriegsgefangener festgenommen sowie fĂŒr zwei Jahre ins GefĂ€ngnis des „Fort Randall“ gesperrt, als er schließlich in seine Heimat zurĂŒckkehrte.

Auch wĂ€hrend seiner anschließenden Zeit in einem Reservat, der „Standing Rock Reservation“, zeigte sich Sitting Bull weiterhin als Streiter fĂŒr die Interessen von Amerikanischen Ureinwohnern. Und bei den Reservatsbewohnern genoss er nach wie vor großes Ansehen. Er versuchte, Kritik an der US- Regierung zu ĂŒben und wich nicht von bestimmten kulturellen Elementen seines Volkes ab. Allgemein war es zu dieser Zeit insbesondere die neu entstandene, auf eine beschworene Wiederkehr der SouverĂ€nitĂ€t der Lakota gerichtete religiöse Praxis des „Geistertanzes“, in der die amerikanische Regierung aufstĂ€ndisches Potential erkannte und die zu fördern sie auch Sitting Bull bezichtigte.

Sitting Bull und Buffalo Bill auf Briefmarke aus KanadaZeitweise war der rebellische Medizinmann ĂŒbrigens Teil von „Buffalo Bills‘ Wild West Show“, einer fahrenden Schau von nordamerikanischen „Indianern“, Tieren und Artefakten in großer Zahl sowie allerlei KunststĂŒcken, die auch – allerdings ohne Sitting Bull – nach Europa ĂŒbersetzte. Betrieben wurde diese vom ehemaligen Goldsucher, JĂ€ger und Soldaten „Buffalo Bill“, mit bĂŒrgerlichem Namen William Frederick Cody.
Unbeugsam- das ist das Wort, mit dem Sitting Bull meistens beschrieben wird. Der am 15. Dezember 1890 Verstorbene blieb es, obwohl die Enteignung und VerdrÀngung der Amerikanischen Ureinwohner unabwendbar schien, bis zum Schluss: Sitting Bull befand sich im sechsten Jahrzehnt seines Lebens, als es im Zuge einer versuchten Festnahme infolge seines entschiedenen Beharrens auf der UnabhÀngigkeit und dem Land der StÀmme eines Tages zu gewaltvollen Auseinandersetzungen kam. Er wurde von Regierungsmitarbeitern erschossen.

Authored by: Marius Prill

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