Strikt nationale Politik

Frankreich 1950 Raymond Poincare MiNr. 882

1950 ehrte Frankreich Raymond Poincaré mit einer Sondermarke, MiNr. 882.

In Deutschland ist Raymond Poincar√© vor allem als Leiter der alliierten Reparationskommission nach dem Ersten Weltkrieg bekannt. In dem Amt trat er strikt antideutsch auf, womit er zweifellos den Gef√ľhlen vieler Franzosen folgte. Erst langfristig zeigte sich, dass die Mahner, die vor zu harten Friedensbedingungen warnten, die Folgen der Politik Poincar√©s korrekt eingestuft hatten.
Poincar√© selbst erkannte dies wohl nicht einmal nach der Wahlniederlage von 1924. In Deutschland hatte die Rheinland-Besetzung die Inflation versch√§rft und zum Zusammenbruch der Wirtschaft gef√ľhrt. Doch profitierte Frankreich keineswegs von dem Einmarsch. Vielmehr sprengten die Kosten der Intervention die Staatskasse, und die W√§hler bestraften die daf√ľr verantwortliche Regierung. Auch innerhalb der Koalition der Sieger hatte sich Frankreich isoliert.
Raymond Poincar√© ging fr√ľh in die Politik. Am 20. August 1860 geboren, geh√∂rte er bereits 1887 der Abgeordnetenkammer an. Dort erwarb er sich als Wirtschafts- und Finanzexperte Meriten. Sein erstes Ministeramt trat er im April 1893 an. Bis Dezember leitete er das Ministerium f√ľr Bildung, Kunst und Religion. Zwischen Mai 1894 und Januar 1895 wirkte er als Finanzminister, ehe ins Kultusministerium zur√ľckkehrte, das er am 1. November 1895 verlie√ü. Die kommenden Jahre wirkte er als Anwalt. F√ľr kurze Zeit amtierte er 1906 erneut als Finanzminister.
1911 verst√§rkte er seine politischen Aktivit√§ten wieder und √ľbernahm zwischen Januar 1912 und Januar 1913 die √Ąmter des Ministerpr√§sidenten und des Au√üenministers. Im Rahmen seiner strikt nationalen Politik f√∂rderte er die Aufr√ľstung und st√§rkte das Dreierb√ľndnis mit Gro√übritannien und Russland. Am 17. Januar 1913, also heute vor 100 Jahren, wurde er sodann zum Staatspr√§sidenten gew√§hlt.
In seine vom 18. Februar 1913 bis 18. Februar 1920 w√§hrende Amtszeit fiel die durch den Mord von Sarajevo ausgel√∂ste Julikrise 1914. Gemeinsam mit Ministerpr√§sident Ren√© Viviani besuchte Poincar√© Russland und sicherte dem Zaren die Unterst√ľtzung Frankreichs zu. Russland hatte bereits zuvor die serbischen Nationalisten unterst√ľtzt und ordnete die Generalmobilmachung an, sowie die G√§ste abgereist waren. Mit Fug und Recht kann man sagen, dass auch Poincar√© am europ√§ischen Pulverfass gez√ľndelt hat. W√§hrend der Kriegsjahre forderte er, bis zum Sieg zu k√§mpfen. Um die politische Einheit Frankreichs zu sichern, berief er 1917 Georges Clemenceau zum Ministerpr√§sidenten, der 1920 vergeblich f√ľr Poincar√©s Nachfolge kandidierte.
Dieser kehrte nach 1924 noch einmal in die Politik zur√ľck und wirkte von Juli 1926 bis Juli 1929 als Ministerpr√§sident, bis November 1928 zugleich als Finanzminister. Aus gesundheitlichen Gr√ľnden zog er sich dann ins Privatleben zur√ľck. Raymond Poincar√©, ein Vetter des Mathematiker Henri Poincar√©, verstarb am 15. Oktober 1934.

Authored by: Torsten Berndt

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