Marke der Woche: The Man in Black

Johnny Cash: A Singer of Songs (Unearthed, Album 3 ‚ÄěRedemption Songs‚Äú)

‚ÄěIch bin kein Erl√∂ser, ich bin kein Heiliger,
Der Mann mit den Antworten bin ich ganz sicher auch nicht.
Ich w√ľrde Dir nie sagen, was richtig und was falsch ist,
Ich singe einfach nur Songs…“

Johnny Cash BriefmarkeTreffender kann man Johnny Cash kaum beschreiben, als es der Musiker in dem Lied ‚ÄěA Singer of Songs‚Äú selbst getan hat. Johnny Cash war ein Mensch, der sich selbst treu geblieben ist. Am 5. Juni erh√§lt Cash seine Sondermarke anl√§sslich des zehnten Todesjahres: unsere Marke der Woche. Aus bitterer Armut kommend, folgte er dem Traum eines besseren Lebens. Er arbeitete von Kindesbeinen hart, bis ihm die Musik eine neue Perspektive aufzeigte. In Deutschland trat Cash, der sich nach diversen Fabrik-Jobs zur US-Army gemeldet hatte, nach Feierabend mit einer Band auf, die sich den putzigen Namen ‚ÄěLandsberger Barbaren‚Äú zugelegt hatte.

Zur√ľck in den Staaten gr√ľndete er 1951 eine Familie, arbeitete tags√ľber als Handelsvertreter und versuchte nachts weiterhin sein Gl√ľck auf der B√ľhne. Mit gro√üem Erfolg, innerhalb von nur f√ľnf Jahren schaffte er es auf Platz 1 der Country-Charts.

‚ÄěIch kann Dich auf einen Spaziergang am Flussufer mitnehmen,
ich lasse Dich durch die Augen der Liebenden blicken und ihre Träume verstehen.
Ich kann Dich das Lachen eines Babys hören lassen, und die Freude darin,
Ja, das kann ich mit den Songs, die ich singe…“

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Johnny Cash verzauberte sein Publikum mit den Geschichten, die er erz√§hlte. Raue Typen, gescheiterte Tr√§ume, wahre Liebe ‚Äď alles dies vorgetragen mit Humor und Einf√ľhlungsverm√∂gen. Doch der Erfolg trug bereits das Scheitern in sich. Das Tourleben war hart und der gro√üe Star griff auf kleine Helfer zur√ľck, die es ihm ertr√§glicher machen sollten. Alkohol und Tabletten sind eine Mixtur, die auch den hoffnungslosesten Tr√§umer von seiner Wolke sto√üen. Dazu entwickelte sich auf den endlosen Konzertreisen eine ungl√ľckliche Liebe. Frau und Kinder vergessend, zog es ihn immer mehr zur Musiker-Kollegin June Carter hin. Auch sie war mit einem anderen Partner verheiratet, vermochte sich aber dem Charme des Country-Stars nicht zu entziehen. Aber der Mann war ein Wrack und June Carter wollte sich nicht auf einen Drogenabh√§ngigen einlassen. Also schrieb sie Songs f√ľr und √ľber ihn. Der wohl bekannteste ist ‚ÄěRing of Fire‚Äú.

‚ÄěIch bin kein Prophet und ich bin kein Priester,
ich bin auch kein Weiser aus dem Morgenland.
Ich w√ľrde Dir nie sagen, was richtig und was falsch ist,
Ich singe einfach nur Songs…“

Ein Prophet war Johnny Cash nicht, aber eines Tages, auf dem Tiefpunkt angelangt, glaubte er ein Gebot Gottes erkannt zu haben. 1967 legte er sich, so seine eigene Schilderung, in der Wildnis zum Sterben nieder. Sein Körper war von Drogen zerstört, die Stimme angegriffen und er wollte einfach Schluss machen. In dem Moment aber wäre ihm klar geworden, dass der Zeitpunkt seines Todes in Gottes Hand läge und nicht seiner eigenen.

Johnny Cash zog sich zur√ľck und schaffte den Entzug. Dabei halfen ihm seine Eltern und ‚Äď June Carter. Mit ihr startete er sein Comeback. Im Februar 1968 nahm sie schlie√ülich seinen Heiratsantrag an, auf einer B√ľhne in Kanada.

‚ÄěIch kann Dich mit in eine Stadt nehmen, in der ein Mann gekreuzigt wurde,
ich kann Dir erzählen, wie Er lebte und starb.
Ich kann den Glanz dieses K√∂nigs der K√∂nige verk√ľnden helfen.
Ja, das kann ich mit den Songs, die ich singe…“

Aus dem Comeback wurde seine ganz gro√üe Karriere. TV-Auftritte, Stadien f√ľllende Konzerte und unz√§hlige Schallplatten-Ver√∂ffentlichungen lie√üen ihn auf einer Welle des Erfolgs schwimmen. Doch wieder bahnte sich die Sucht ihren Weg in sein Leben. Johnny Cash musste erneut entziehen. Zeitgleich sank sein Stern und der gealterte Star litt an k√∂rperlichen Gebrechen. Wieder erfolgte ein R√ľckzug ins Private. Doch die letzte Strophe war noch nicht geschrieben. Rick Rubin, ein Produzent von Hip-Hop- und Heavy-Metal-Bands, besuchte Cash und √ľberredete ihn zu einem neuen Projekt: minimalistische Aufnahmen in kleinster Besetzung, produziert weitab von H√∂rgewohnheiten und Trends des Musikmarktes. Das Ergebnis waren die ‚ÄěAmerican Recordings‚Äú, ein Konvolut von f√ľnf offiziellen Alben, erg√§nzt durch etliche Kompilationen anfangs aussortierter Einspielungen. Rubin und Cash gelang so noch einmal ein Sp√§twerk, welches f√ľr ein ganzes Lebenswerk ausgereicht h√§tte. Doch nach dem Tod June Carters 2003 verlie√üen den S√§nger die Kr√§fte. Er starb vier Monate sp√§ter im Alter von 71 Jahren am 12. September 2003.

‚ÄěIch bin kein gro√üer Mann, das w√ľrde ich nicht von mir behaupten.
Aber wenn ich meinen Schöpfer treffe und er befragt mich,
dann werde ich nicht den Kopf hängen lassen, sondern stolz vor ihm stehen und sagen:
Ich war ein Sänger, Herr. Ich war ein Sänger.
Ich habe Songs gesungen…“


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Authored by: Jan Sperhake

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