Gewogen und zu schwer befunden…

Adolphe Quetelet auf belgischer Briefmarke von 1974

Zum 100. Todestag Quetelets erschien 1974 in Belgien die MiNr. 1794.

Kaum eine Frau hat ihn noch nie ausgerechnet. Man tippe in den Taschenrechner das eigene Gewicht in Kilogramm ein und teile es durch die K√∂rpergr√∂√üe in Metern zum Quadrat. Zeigt das Display eine Zahl zwischen 19 und 24 an, kann man beruhigt sein, denn man liegt im Bereich des Normalgewichts. Die Formel zur Berechnung des Body Mass-Index (BMI) hat die Nachwelt dem Mathematiker und Astronomen Adolphe Quetelet zu verdanken, an dessen 140. Todestag wir heute erinnern m√∂chten. In der alten Handelsstadt Gent wird Quetelet am 22. Februar 1796 geboren. Fr√ľh entdeckt er seinen Hang zur Mathematik. Bereits im Jugendalter erzielt er solch ausgezeichnete Ergebnisse auf diesem Gebiet, dass er im Alter von nur 18 Jahren als Lehrer am Gymnasium seiner Vaterstadt t√§tig sein darf. In den folgenden Jahren widmet sich der Wissenschaftler neben der Mathematik auch der Philosophie, sodass er 1819 den Doktorgrad in diesem Fach erwirbt. Quetelet wird an das Athen√§um zu Br√ľssel berufen und weitet seine Studienfelder nun auf die Physik und Astronomie aus. K√∂nig Wilhelm sendet ihn daher nach Paris aus, sodass er durch die anregenden Geister Frankreichs eine h√∂here Ausbildung in diesen Wissenschaftszweigen bekommen kann.

Ab 1825 ver√∂ffentlicht der Wissenschaftler eine Vielzahl von Schriften, darunter die Fachzeitschrift ‚ÄěCorrespondance math√©matique et physique‚Äú sowie einige Publikation zur Astronomie und Physik. Dar√ľber hinaus gelingt es ihm 1829, seine Pl√§ne f√ľr eine Sternwarte in Br√ľssel umzusetzen. Der mit Quetelet innig befreundete Naturforscher Alexander von Humboldt bezeichnet diese nach der Fertigstellung als vollkommenste Sternwarte seiner Zeit.
Nach einigen Studienreisen durch England, Schottland, die Schweiz, Italien und Deutschland nimmt der Astronom im Jahr 1832 seine Arbeit im Observatorium auf. Doch die T√§tigkeit bildet nur einen Teil seiner Aufgaben. Er √ľbernimmt au√üerdem die Lehrkanzlei der Astronomie und Geod√§sie in Br√ľssel und h√§lt eine Vielzahl von √∂ffentlichen Vortr√§gen im Bereich der Astronomie.
Insgesamt liegt das Hauptaugenmerk des Wissenschaftlers in den folgenden Jahren auf den astronomischen und meteorologischen Forschungsgebieten. An die Stelle der Fachzeitschriften im Bereich Mathematik und Physik treten die beiden Quellenwerke ‚ÄěAnnales de l‚Äôobservatoire‚Äú sowie ‚ÄěAnnuaire de l‚Äôobservatoire‚Äú. Die meteorologischen und ph√§nologischen Beobachtungen, die er √ľber die Jahre sammelt, publiziert er 1864 in seinem gro√üen Werk ‚ÄěSur le climat de la Belgique‚Äú, nachdem er der Wissenschaft seinen seit 1848 angelegten Sternenkatalog zur Verf√ľgung stellte.
Quetelet setzt sich in den letzten Jahren seines Lebens stark daf√ľr ein, einen Kongress f√ľr Meteorologie ins Leben zu rufen. Er strebt ein internationales Beobachtungsnetz f√ľr Wetterph√§nomene an, das durch einheitliche Prinzipien ausgewertet werden soll. Im Jahr 1873 wird sein Traum verwirklicht. Im Zuge der Wiener Weltausstellung wird im September ein Meteorologenkongress abgehalten. Sein Sohn, eine bereits anerkannte Pers√∂nlichkeit im Br√ľsseler Observatorium, vertritt den erkrankten Adolphe Quetelet.
Am 17. Februar 1874 stirbt der Vollblutwissenschaftler. Er hinterl√§sst der Nachwelt eine Vielzahl neuer Erkenntnisse und gro√üer Werke. Von den 65 Schriften, die Quetelet ver√∂ffentlichte, z√§hlen ‚ÄěSur l‚Äôhomme‚Äú und ‚ÄěSyst√®me social‚Äú zu den bekanntesten. Aufgrund seiner gro√üen Verdienste wird Adolphe Quetelet berechtigterweise von der Geschichte der Wissenschaften in eine Reihe mit Wissenschaftlern wie Gottfried Wilhelm Leibniz und Blaise Pascal gestellt.

Authored by: Stefanie Dieckmann

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