Nachruhm dank Hobby

Polen 1953 Briefmarke Kopernikus MiNr. 805

Jan Matejkos Gemälde zeigt Kopernikus in der Sternwarte beim Beobachten des Himmels, MiNr. 805.

‚ÄěDer Narr will mir die ganze Kunst Astronomie umkehren! Aber wie die Heilige Schrift zeigt, hie√ü Josua die Sonne still stehen und nicht die Erde!‚Äú

Wie man sich doch irren kann. Seit rund 1400 Jahren predigte die Kirche das geozentrische oder Ptolem√§ische Weltbild, das die Erde als Mittelpunkt des Kosmos sah. Nun kam ein Gelehrter aus Pommern daher und behauptete einfach, die Erde und andere Planeten w√ľrden um die Sonne kreisen. Das durfte nat√ľrlich nicht sein, und entsprechend wurde er angefeindet. Dass schon vor ihm Gelehrte wie Regiomontanus und Nikolaus von Kues heliozentrische Weltbilder vorgestellt hatten, st√∂rte die M√§chtigen wenig. Doch erst sehr viel sp√§ter gingen sie gegen die Bef√ľrworter der neuen Weltordnung gewaltsam vor. Zu Niklas Koppernigks Zeiten galt das heliozentrische Weltbild als Grille, √ľber die man eher spottete als sie zu verdammen.
Koppernigk, der vor 540 Jahren am 19. Februar 1473 das Licht der Welt erblickte, ist heute unter seinem latinisierten Namen Nikolaus Kopernikus bekannt, mitunter auch Nicolaus Copernicus oder Coppernicus geschrieben. Den Nachruhm verdankte er einem Hobby, der Astronomie. Seinen Lebensunterhalt verdiente er dagegen ganz und gar b√ľrgerlich.
Nach Studien der Theologie, des Kirchenrechts und der allgemeinen Jurisprudenz, der Astronomie und der Medizin trat er 1503 als Sekret√§r und Arzt in die Dienste des F√ľrstbischofs des Ermlandes, seines Onkels Lucas Watzenrode. 1506 wechselte er in das Domkapitel und arbeitete dort unter anderem die Stellungnahme der preu√üischen St√§dte zur geplanten M√ľnzreform aus. 1510, 1519, 1525 und 1528 setzte er sich bei den Wahlen zum Kanzler des Erml√§nder Domkapitels durch. Seine Bewerbung um das Amt des Erml√§nder Bischofs scheiterte indessen. Parallel zu seiner T√§tigkeit in Kirche und Verwaltung praktizierte er bis ins hohe Alter als Arzt.
Vermutlich 1509 legte er seine erste wichtige Schrift vor. Allerdings bekamen nur Vertraute die Ausarbeitung zum heliozentrischen Weltbild zu sehen, da Kopernikus zum einen f√ľrchtete, nicht ernst genommen zu werden, zum anderen selbst an den gewonnenen Erkenntnissen zweifelte. Der Grund daf√ľr lag in einer falschen Deutung der Planetenbahnen, ging Kopernikus doch davon aus, dass sie kreisf√∂rmig verlaufen. Im Kreis sah man seit Aristoteles‘ Tagen eine Art Ideal geometrischer Vollkommenheit, von dem sich Kopernikus nicht zu l√∂sen vermochte, obgleich seine Beobachtungen gegen Kreisbahnen sprachen. Erst kurz vor seinem Ableben ver√∂ffentlichte Kopernikus seine Thesen, die er mathematisch nur teilweise zu belegen wusste.

Polen 1953 Briefmarke Kopernikus MiNr. 806

Deutlich sind auf dem zweiten Wert von 1953 die Kreisbahnen zu erkennen, von denen sich Kopernikus nicht zu lösen vermochte, MiNr. 806.

Mathematisch einwandfrei fiel seine Geldtheorie aus, in der er zwei wichtige Grunds√§tze erstmals klar herausarbeitete. Zum einen definierte er den Charakter des Geldes, parallel den Wert eines Gutes √ľber den Preis zu bestimmen und Zirkulationsmittel zu sein. Zum anderen erkannte er eindeutig, dass schlechtes Geld stets gutes verdr√§nge. Letzteres bezog sich nat√ľrlich auf seine Zeit, als der Edelmetallgehalt, in seltenen F√§llen der Gehalt nichtedler Metalle, den Wert umlaufender M√ľnzen bestimmte. Heute betrachten Wirtschaftsgelehrte Kopernikus als einen der wichtigsten Denker zwischen Aristoteles und den Sch√∂pfern der liberalen Wirtschaftslehre des 18. und 19. Jahrhunderts.
Nikolaus Kopernikus starb am 24. Mai 1543. Sein astronomisches Werk f√ľhrten Wissenschaftler wie Galileo Galilei und Johannes Kepler fort. Galilei konnte dank des Fernrohres den Nachweis der Erdbewegung erbringen, Kepler die ellipsenf√∂rmigen Bahnen der Planeten astronomisch beweisen und mathematisch erkl√§ren. Damit war nicht nur das geozentrische Weltbild widerlegt, sondern auch Josua, auf den sich kein Geringerer als Martin Luther berief. Wenn √ľberhaupt, hielt Gott die Erde auf.

Authored by: Torsten Berndt

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.