Sondermarken nicht überall erhältlich

Sondermarken nicht überall erhältlich

Eine sogenannte „Anpassung“, die ein Unternehmen mitteilt, ist eher selten zum Vorteil für die Kunden. Gemeint mit dieser Umschreibung ist oft eine Preiserhöhung oder die Reduzierung einer Leistung − oder gar beides. Auch bei der Deutschen Post ist es nun wieder einmal zu einer solchen „Anpassung“ gekommen, die dieses Mal aber nicht eine Portoerhöhung bedeutet. Eine solche steht erst 2025 wieder ins Haus. Vielmehr geht es um die Belieferung von Postfilialen mit neuen Sondermarken.

Im Wortlaut

Hierzu ist in Ausgabe 2/2024 der Kundenzeitschrift „Postfrisch“ unter der Überschrift „Anpassungen im Sortiment der Postfilialen ab April 2024“ Folgendes im Wortlaut zu lesen: „Wirtschaftlichkeit ist in herausfordernden Zeiten ebenso wichtig, wie der achtsame Umgang mit der Umwelt und Ressourcen. Es gilt, Emissionen zu senken – etwa durch die Vermeidung von unnötigem Papierverbrauch oder die Einsparung von Logistik. Daher wird die Belieferung der Postfilialen mit Sonderpostwertzeichen angepasst. Es sind drei verschiedene Typen von Sortimenten geplant:

Vollsortiment: Ein großer Teil der Filialen wird weiterhin das volle Sortiment anbieten – hier sind alle Sonderpostwertzeichen wie gewohnt erhältlich.
Sortiment Basis Plus: Diese Filialen werden ausgewählte Sonderpostwertzeichen führen.
Basissortiment: Filialen, die in der Vergangenheit keine oder nur sehr wenige Sonderpostwertzeichen verkauft haben, werden fortan ausschließlich Marken aus Dauerserien anbieten“ (Ende des Zitats im Wortlaut; Hervorhebungen durch die Redaktion).

Suchhilfe online

Um eine Postfiliale am eigenen Wohnort zu finden, die noch mit Sondermarken beliefert wird, hat die Deutsche Post unter www.deutsche post.de/sonderbriefmarken online eine Suchmöglichkeit eingerichtet.
Stimmte man als Nutzer dem Wunsch der Website zu, dass der eigene Standort dorthin übermittelt werden darf, erscheint, auf dem Bildschirm ein virtueller Stadtplan mit den für Sammlerinnen und Sammler interessanten Postfilialen.
Das Ergebnis für den Redaktionsstandort Göttingen war ernüchternd: Von den zahlreichen (Kiosk-)Filialen wird im Innenstadtbereich noch eine mit Sondermarken beliefert, zusätzlich zur noch vorhanden Postbankfiliale. Im virtuellen Stadtplan war bei unserem Versuch nicht erkennbar, ob man dort das „Vollsortiment“ oder das „Sortiment Basis Plus“ erhält.

Doch nicht so neu?

So völlig neu ist diese jetzt offiziell umgesetzte Maßnahme übrigens nicht: Schon bisher wurden nicht alle Filialen der Deutschen Post gleichberechtigt mit aktuellen Sondermarken beliefert. Manche neu eingerichtete Filiale, so berichteten Betreiber gegenüber der Redaktion, hätte sich laut Auskunft von der Deutschen Post zunächst „bewähren“ müssen und wurde nur mit Dauermarken beliefert. Möglicherweise hat die Deutsche Post also eine bereits gängige Praxis mit der jetzigen Entscheidung nur verstetigt und erweitert.
Einige Leserinnen und Leser der DEUTSCHEN BRIEFMARKEN-ZEITUNG und unserer Schwesterzeitschrift BRIEFMARKEN SPIEGEL haben gegenüber der Redaktion schon ihre Enttäuschung über diese Entwicklung bekundet. Für viele kommt die von der Deutschen Post empfohlene Möglichkeit, neue Marken in deren Online-Shop zu kaufen und dafür eine zusätzliche Versandkostenpauschale zu bezahlen, nicht in Betracht.


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Authored by: Harald Kuhl

There are 8 comments for this article
  1. Stefan Cammerer at 15:36

    Das ist wirklich unmöglich! In unserer einzigen Poststelle am Ort („Deutsche Post –
    Postfiliale Trafik“) konnte man mir auch keine Sonderbriefmarken zum gestrigen Kant-Geburtstag verkaufen. Man verwies mich auf den Internetversand. Mit Extraporto natürlich! Eine Beschwerdeadresse suchte ich – nachdem es ja keinen „Bundespostminister“ mehr gibt – im Internet vergeblich. Auch das ist ein nettes „Sich-Verstecken“ vor dem Kunden. Kundennähe? Gar „König Kunde“? Wertschätzung?
    Angeblich ist die „letzte Adresse“ bei Beschwerden die Bundesnetzagentur … Mit der kann man aber auch nur schlechte Erfahrungen machen. Da kommt auf nichts eine Antwort.
    Gute Nacht Deutschland!
    Danke für Eure Info! Die einzige, die ich bisher dazu gefunden habe …

  2. Stefan Cammerer at 22:44

    Nachtrag zu obigem Kommentar:
    Ich fuhr gestern, 23.04., noch in die benachbarte Kreisstadt des Landkreises Weilheim. Schild an der Tür der Postfiliale am Bahnhof: Geschlossen ab 23.04., 13:30 Uhr. Wann wieder geöffnet war nicht ersichtlich. Es wurde auf die Poststell im fernen Peßenberg verwiesen.
    Heute dann der letzte Versuch in der Postfiliale der nächsten Kreisstadt Starnberg: „Gestern wurde die letzte Kant-Marke verkauft“??????????? Was soll man dazu noch sagen?

  3. Peter F. at 9:53

    Irgendwie gewinnt man den Eindruck, dass dies der Anfang vom Ende wird. Die normale Verwendung von Sondermarken wir immer unwahrscheinlicher.

  4. Wolfgang T. Bartenschlager at 13:13

    …..bleibt zu hoffen, daß AWO, Jugend-, Sporthilfe etc. den deutlichen Rückgang an verkauften Zuschlags-Briefmarken merken und intervenieren, als Sammler/Verbraucher sehe ich da keine Chance. Über die zahlreichen Filialschließungen (ersatzlos) wird gar nicht berichtet – ich muß schon über 10 km fahren um eine zu erreichen.
    Onlinebestellung – haah. wollte Marken die erst im JUNI !!! erscheinen bestellen -Fazit
    Die neuen Krypto-MH (Michel MH 128 a – d !! ) sind die bisher größte Anzocke der Post.
    Auflage nur 100.000 Stück, davon 2%, 10%, 25% und 63% je Farbe.
    500 Stück wurden als 4-er Set für den doppelten Preis angeboten (bereits ausverkauft !! )
    100 Stück vom seltenen MH als sog. Gold Edition ( noch schneller ausverkauft)
    ….das muß man nicht weiter kommentieren!

  5. Dr. Jürgen Franz at 13:37

    Deutschland wird zur Service-Wüste, das ist hinlänglich bekannt. Warum sollte die Post da eine Ausnahme machen ?? Sehr sehr traurig …

  6. Dr. Eberhard Haug-Adrion at 13:41

    Junge potentielle Sammler und viele leidenschaftliche weitere Philatelisten vergrault die Post schon seit Jahren mit unnötigen Markenausgaben zu allen möglichen und unmöglichen Anlässen, mit teuren Dauermarkeneditionen, die nicht mehr den Namen „Dauer“marken verdienen, mit kaum unterscheidbaren selbstklebenden und normalen Marken, mit lieblos angebrachten Abstempelungen usw. Spätestens jetzt wenn noch die Verteilung neuer Briefmarken eingeschränkt wird und oft lange Wege oder Bestellungen mit Mehrkosten drohen, sollten seriöse Philatelisten diese haarsträubende Politik der Post boykottieren und ihre Sammelleidenschaft auf die Zeit ausrichten, als das Sammeln noch Freude machte, z. B. auf die Jahre bis 2000.

  7. Olaf S. aus B. at 21:07

    Dieser profitgeile Laden will sich halt von den Geschäftsfeldern trennen, die nicht genug (d.h. mind. achtstellig) abwerfen. Der Kunde ist irrelvant, der Aktionär ist wichtig! Die Firma wird als Ganzes ausgequetscht und am Ende – wetten? – darf der Staat die Trümmer übernehmen, wenn er noch meint, das Wort „Post“ hätte etwas mit Dienstleitung zu tun und gehöre zur Daseinsvorsorge. Die Liegenschaften sind dann natürlich alle weg, motiviertes Personal muß erst neu gefunden werden, man kann also letztlich von Grund auf neu aufbauen.
    Das ist das Werk der Neoliberalen – alles privatisieren, Gewinne einstreichen, und stinkende Reste bzw. Verluste wieder vergesellschaften. Hat schon öfter funktioniert …
    Mein Rat: täglich eine Beschwere bei der BNetzA, wenn das 5000 Leute machen, bringt das was. Und wenn nach 3 Monaten keine Reaktion kommt – Untätigkeitsbeschwerde!

  8. Goetz Heermann at 12:32

    Dazu im Gegensatz unsere – leider immer noch sehr ausgabefreudige – Post in Japan!
    Jede Neuausgabe wird wochenlang im voraus angekuendigt, und jede Neuausgabe ist auch an jedem Postamt landesweit fuer ein paar Wochen erhaeltlich, auch an kleinen Postaemtern, die nur Mo ~ Fr 9 ~ 17 Uhr geoeffnet sind. Dass sauber gestempelt wird, brauche ich wohl nicht extra zu erwaehnen… 😉 Auch nach verpflichtender Einfuehrung einer Art „Warenpost“ fuer grossformatige Sendungen ins Ausland vor ein paar Wochen kann man auch diese nach wie vor mit Marken frankieren – ohne Mindestaufgabemengen und ohne ellenlange Vertragstexte… Kompetentes, freundliches und flinkes Schalterpersonal rundet das positive Gesamtbild ab.

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