Ein Schriftsteller unter Druck

Boris Pasternak auf Briefmarke aus MonacoVor 125 Jahren kam Boris Leonidowitsch Pasternak zur Welt. Sp√§testens mit ‚ÄěDr. Schiwago‚Äú gelangte er zu Weltruhm. Den Literaturnobelpreis lehnte er 1958 jedoch ab. Er musste. Denn Pasternak stand unter enormem politischen Druck.
In der Sowjetunion durfte der ber√ľhmte Roman des vor allem als Lyriker t√§tigen Autors jahrzehntelang gar nicht ver√∂ffentlicht werden. Zu kritisch, befanden die staatlichen Autorit√§ten, stellte die Geschichte √ľber den Arzt Juri Schiwago und seine Liebe zu der Krankenschwester Lara die ‚ÄěRussische Revolution‚Äú und die Geschehnisse im einst√ľrzenden Zarenreich ab 1905 dar. ‚ÄěKrankhaft individualistisch‚Äú sei dieses unsozialistische Machwerk. Erst 1987 rehabilitierte man den seinerzeit aus dem Schriftstellerverband ausgeschlossenen Verfasser Pasternak. Und sein Sohn nahm im Jahr 1988 nachtr√§glich noch den Nobelpreis an.
In der bekannten Verfilmung von ‚ÄěDr. Schiwago‚Äú aus dem Jahr 1965 spielen Omar Sharif und Julie Christie die Hauptrollen. Der monumentale Hollywoodstreifen erntete mehrere Oscars.
Dass der literaturhistorisch so prominente ‚ÄěArztroman‚Äú in den 1950er-Jahren im westlichen Ausland publiziert und positiv aufgenommen wurde, lag auch an Bem√ľhungen des CIA, der darin ein hilfreiches Instrument f√ľr die kalte Kriegsf√ľhrung erkannte.

Boris Pasternak auf Briefmarke der SowjetunionAuf sich aufmerksam machte Boris Pasternak zun√§chst mit Gedichten. Ab 1914 erschienen seine ersten Lyrikb√§nde. Sp√§ter gefiel dem Dichter sein fr√ľher, ausschweifenderer Stil nicht mehr. Da suchte Pasternak sehr selbstkritisch poetische Einfachheit und Verst√§ndlichkeit.
Der studierte Philosoph, ein Sohn renommierter K√ľnstler ‚Äď der Vater war Maler, die Mutter Pianistin ‚Äď bestritt seinen Lebensunterhalt im von Kriegen, Revolution, Hunger und Gewalt sowie speziell vom stalinistischen Terror gesch√ľttelten Russland unter anderem als Bibliothekar und √úbersetzer literarischer Werke. Er √ľbertrug zum Beispiel Shakespeare und Goethe in die russische Sprache.

Das ziemlich unmissverst√§ndlich daherkommende Gedicht ‚ÄěDer Nobelpreis‚Äú von 1959 bringt zum Ausdruck, dass Pasternak sich seiner verh√§ngnisvollen Situation angesichts der aggressiven sowjetischen Zensur nur zu bewusst war. ‚ÄěFreiheit‚Äú und ‚ÄěLicht‚Äú, hei√üt es darin, waren anderswo, nicht aber in seiner russischen Heimat zuhause, der er doch nie den R√ľcken kehren wollte. Die stalinistische Sowjetunion und auch noch die nach dem Tod des Diktators war ein Gef√§ngnis, in dem sich der Schriftsteller einer kontinuierlichen Bedrohung ausgesetzt sah. Pasternak f√ľrchtete immer wieder, ausgewiesen zu werden.

Boris Pasternak auf Briefmarke aus SchwedenStalin war in seinen Augen auch aus zutiefst pers√∂nlichen Gr√ľnden ein Monster: 1949 verschleppte man Pasternaks Geliebte, Olga Ivinskaya, die der verheiratete Familienvater wenige Jahre zuvor kennengelernt hatte und die bei einem Verlag arbeitete, in einen Gulag. Pasternak ging davon aus, dass sie seitwegen leiden musste und man Informationen √ľber ihn aus Olga herauspressen wollte. Sie kam im Jahr 1953 frei.
All dies und nicht zuletzt die erzwungene Ablehnung der Stockholmer Auszeichnung schw√§chte Boris Pasternak gesundheitlich schwer. Er starb, an Lungenkrebs erkrankt, am 30. Mai 1960. Die √∂ffentliche Anteilnahme an seinem Tod und zahlreiche Besucher bei der Beerdigung des widerst√§ndigen Literaten konnten die r√ľcksichtslosen Parteioberen nicht verhindern.

Authored by: Marius Prill

There is 1 comment for this article
  1. David M Kaufman at 11:55

    I think she is the first lady these days married to donald trump

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