Eine Ode an Finnland

Eine Ode an Finnland

Jean Sibelius ist der ber√ľhmteste finnische Komponist nicht nur des 20. Jahrhunderts. Speziell aufgrund seines bekannten symphonischen Werks ‚ÄěFinlandia‚Äú ‚Äď und insbesondere im Kontext des finnischen Wegs zu nationalstaatlicher Unabh√§ngigkeit ‚Äď erhielt er dar√ľber hinaus bereits zu Lebzeiten die Rolle eines verehrten nationalen Aush√§ngeschilds. Sein Geburtstag j√§hrt sich in diesem Jahr am 8. Dezember zum 150. Mal.

Jean Sibelius auf Briefmarke aus Finnland von 2015Eigentlich hie√ü der Komponist aus dem hohen Norden Johan Chistian Sibelius, und von seinen Eltern wurde er Janne genannt. Den Namen Jean gab er sich erst als junger Mann und angehender Komponist selbst. Angeregt wurde Sibelius dazu durch einen Onkel, der den seinen, auf einen modernen und internationalen Klang abzielend, einst ebenfalls ins Franz√∂sische √ľbersetzt hatte. Fr√ľhe musikalische Impulse erhielt Sibelius, dessen Vater Arzt war, im Kindesalter unter anderem von seiner Klavier spielenden Mutter sowie einer Tante. Des Sommers wiederholt bei seinen Gro√üeltern verweilend, war es ihm zudem verg√∂nnt, Konzerte zu h√∂ren und Liederabende mitzuerleben. Er √ľbte sich auch schon kreativ in ersten eigenen kompositorischen Versuchen, als er im Gymnasialalter vom Klavier auf die Geige umsattelte. Dabei musizierte er regelm√§√üig mit seinen Geschwistern und entwickelte einige K√∂nnerschaft.

Jean Sibelius auf Briefmarke aus PortugalObwohl Sibelius sich 1885 nach Helsinki begab, um Rechtswissenschaften zu studieren, war es seine Leidenschaft f√ľr die Musik, die den Gro√üteil seiner dort verbrachten Zeit bestimmte. Angeregt und unterst√ľtzt durch Kontakte mit anderen Musikern und Lehrern, die er am √∂rtlichen Musikinstitut kennenlernte, stellte sich dabei heraus, dass seine Laufbahn nicht die eines Instrumentalisten, schon gar nicht eines Juristen, sondern die eines Komponisten sein w√ľrde. Kurz bevor das letzte Jahrzehnt des 19. Jahrhunderts begann, lernte Sibelius nicht nur seine sp√§tere Ehefrau Aino J√§rnefelt kennen, die aus einer adeligen Familie kam. Es ergaben sich au√üerdem erste √∂ffentliche Auff√ľhrungen seiner Werke. Dies trug dazu bei, dass Sibelius als gro√üe Hoffnung der finnischen Musikwelt gehandelt und fachlich wie finanziell gef√∂rdert wurde.
So war seine n√§chste Station Berlin, nicht nur, um sich bei ausgesuchten K√∂nnern unterweisen zu lassen, sondern auch, um dort viele Konzerte und Opern besuchen zu k√∂nnen. Und auch w√§hrend seines ebenfalls kurzen Aufenthalts in Wien bewegte sich Sibelius danach zwischen privatem Unterricht, musikalischen Instituten und Ereignissen sowie kulturellen und gesellschaftlichen Vergn√ľgungen. Gerade letzteres strapazierte die finanziellen Mittel des aufbl√ľhenden und aufstrebenden K√ľnstlers immer wieder bis zur Grenze.

Jean Sibelius auf finnischer Briefmarke von 2015Zur√ľck in Helsinki kam es zur Heirat mit Aino ‚Äď die beiden sollten f√ľnf Kinder haben, von denen eines, die Tochter Kirsti, jedoch tragischerweise fr√ľh an Typhus starb ‚Äď und au√üerdem interessierte und setzte sich Sibelius, darin nicht untypisch f√ľr einen Komponisten der Phase zwischen ‚ÄěRomantik‚Äú und ‚ÄěModerne‚Äú, mit traditioneller Dichtung und Volksmusik seiner Heimat auseinander. Speziell lie√ü er sich vom aus mythologischen √úberlieferungen zusammengesetzten alten finnischen Epos der ‚ÄěKalevala‚Äú inspirieren.
Im Jahr 1900 war Jean Sibelius ein umtriebiger K√ľnstler, der u.a. mit ‚ÄěDer Schwan von Tuonela‚Äú, ‚ÄěFinlandia‚Äú und der ‚Äě1. Symphonie‚Äú bereits einige seiner bedeutenden Arbeiten abgeschlossen sowie in verschiedenen europ√§ischen St√§dten zur Auff√ľhrung und in gedruckter Form zur Ver√∂ffentlichung gebracht hatte. 1903 und 1904 folgten mit ‚ÄěValse triste‚Äú und der ‚Äě2. Symphonie‚Äú weitere bekannte Werke, und in den folgenden Jahren dirigierte Sibelius seine international rezipierten Arbeiten auch √∂fter.

Jean Sibelius auf BriefmarkeSeit 1904 lebte er mit seiner Familie auf einem Landsitz in der N√§he Helsinkis, der den Namen ‚ÄěAinola‚Äú (‚ÄěAinos Platz‚Äú) erhielt. Wenngleich sich k√ľnstlerischer und kommerzieller Erfolg trotz der von den beiden katastrophalen Weltkriegen √ľberschatteten Jahrzehnte in gewisser Weise einpendelten, war es insbesondere Sibelius‚Äė jahrelanger Kampf mit dem Alkohol, der in seinem Privatleben oft f√ľr eine unsichere und heikle finanzielle Lage sorgte.
Jean Sibelus starb, nachdem in den vorangegangenen Jahren Ruhe eingekehrt und sein Schaffen zu einem Ende gekommen war, 1957 im hohen Alter und an der der Seite seiner Ehefrau auf Ainola.

Authored by: Marius Prill

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