Papst verzichtet auf sein Bildnis

Papst verzichtet auf sein Bildnis

Der Vertrag von Maastricht (1992) er√∂ffnete dem Vatikanstaat die M√∂glichkeit, Eurom√ľnzen aus Gold und Silber sowie aus unedlen Metallen zu pr√§gen. Das garantierte dem nur 0,44 Quadratkilometer gro√üen Kirchenstaat mitten in Rom weiterhin eine wichtige Geldquelle. Vor Ort wird man selbst ganz neue Pr√§gungen der P√§pste nur schwerlich in die Hand bekommen. Die St√ľckzahlen der M√ľnzen sind vergleichsweise gering, und sie werden, wenn man sie rund um den Petersplatz ergattern sollte, gern als Andenken beiseite gelegt und nach Hause genommen. Das gilt sowohl f√ľr die aktuellen Kursm√ľnzen als auch f√ľr die vielen Sonderausgaben in h√∂heren Eurowerten zu herausragenden Ereignissen im Leben der katholischen Kirche und wichtigen Jubil√§en.


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M√ľnze ohne Papst Franziskus-Konterfei

Gegen√ľber den seltenen M√ľnzen des Vatikans sind die der italienischen Republik auch im Kirchenstaat und bei uns allgegenw√§rtig.

Anfang M√§rz wurde 2017 bekannt, dass Papst Franziskus auf sein Portr√§t auf den Eurom√ľnzen des Vatikans verzichtet. Diese Entscheidung des 2013 auf den Stuhl Petri erhobenen Kirchenoberhaupts hat eine l√§ngere Vorgeschichte. Seit einiger Zeit erscheint der Heilige Vater nicht mehr auf Medaillen, die anl√§sslich seiner Auslandsreisen gepr√§gt und an Gespr√§chsteilnehmer und andere Personen verteilt werden. An seinem Profil auf solchen Erinnerungsst√ľcken ist das Kirchenoberhaupt nicht interessiert, das sich auf Franz von Assisi beruft, sich als Anwalt der Armen versteht und den Standpunkt vertritt, mit Prunk und Pomp verschaffe man sich keinen Eintritt ins Paradies.
Der Bescheidenheit predigende und praktizierende Papst stellt nun auch die Umlaufm√ľnzen des Vatikans um. Als vor einem Jahr sein Wille auch der f√ľr Briefmarken zust√§ndigen Beh√∂rde im Kirchenstaat bekannt wurde, war es schon zu sp√§t, die Pr√§gung anzuhalten und M√ľnzen mit neuem Design auszugeben. So war die letzte vatikanische Euro-M√ľnze mit dem Papstbildnis ein goldener Wert zu 200 Euro mit der Jahreszahl 2016. Ab diesem Jahr schm√ľckt also nicht mehr der Kopf sondern nur noch das p√§pstliche Wappen die Euro-M√ľnzen des Vatikans. Sammler werden sich an diese Umstellung, die mit dem Charakter des katholischen Kirchenoberhaupts zu tun hat, gew√∂hnen m√ľssen. ‚ÄěVatikan‚Äú wird aber weiter ein weltweit begehrtes Sammelgebiet sein, auch wenn das Thema eine neue Wendung bekommen hat.

Tradition der M√ľnzpr√§gungen im Vatikan

Die neuen Eurost√ľcke von 2017 sind nicht die ersten M√ľnzen aus dem Vatikan, die ohne das Bildnis des Pontifex maximus auskommen. Schon Paul VI. lie√ü im Heiligen Jahr 1975 eine Vatikan-M√ľnze in Umlauf bringen, auf der sein Portr√§t durch das Wappen ersetzt ist. Auch lange davor haben die P√§pste M√ľnzen ohne ihr Bildnis herstellen lassen. Nach Auffassung von Papst Franziskus steht sein Wappen genauso sehr wie sein Portr√§t f√ľr das von ihm ausge√ľbte Pontifikat. Grunds√§tzlich gilt: Jeder Papst hat sein pers√∂nliches Wappen, das seine Person und sein Lehramt identifiziert, vielleicht sogar besser als ein Portr√§t es tun k√∂nnte. Denn ein Portr√§t kann dem Papst √§hnlich sein oder nicht, aber sein Wappen ist und bleibt sein Wappen.
Der Vatikan nutzt auch beim Euro sein aus dem fr√ľhen Mittelalter stammendes Recht, eigene Pr√§gungen auszugeben. Dargestellt werden auf ihnen die jeweils amtierenden P√§pste, die Umschrift um das Bildnis des Heiligen Vaters lautet ‚ÄěCITT√Ä DEL VATICANO‚Äú. Die M√ľnzen werden in der staatlichen Pr√§geanstalt in Rom gepr√§gt und sind mit einem R gezeichnet, das auch bei den italienischen Geldst√ľcken verwendet wird. Die Zahl der auf Euro und Cent lautenden M√ľnzen des Vatikans ist Legion, und wer sich nur auf die mit Bildnissen, Geb√§uden, biblischen Szenen, Heiligendarstellungen und anderen Motiven geschm√ľckten Geldst√ľcke aus der heutigen und aus fr√ľheren Zeiten konzentriert, wird manche M√ľhe haben und einiges Geld ausgeben m√ľssen, alle zusammen zu bekommen.
Wenn wir in die Vergangenheit blicken, dann lernen wir zahlreiche mehr oder weniger prunkvoll und spektakul√§r gestaltete M√ľnzen und Medaillen mit den Bildnissen und Wappen des jeweils herrschenden Heiligen Vaters kennen. Die Anf√§nge der Serie waren mit flachen Silberdenaren von Papst Hadrian I. bescheiden, der von 772 bis 795 regierte und ein Zeitgenosse von Kaiser Karl dem Gro√üen war, und weiteren mittelalterlichen Kirchenoberh√§uptern. Auf den Silberst√ľcken kann man nur Schriftzeichen erkennen, erst sp√§ter kamen Bildnisse, Wappen und Symbole hinzu.

Text/Fotos: Helmut Caspar


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Authored by: Stefan Liebig

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