Messe-Briefmarken in der DDR

Messe-Briefmarken in der DDR

Das Leipziger Messeamt war der Meinung, dass die Messe-Sonderpostwertzeichen sowohl in der Form als auch im Inhalt entscheidend zu verbessern seien. Deshalb legte es am 16. September 1974 eine ‚ÄěPerspektivische Konzeption f√ľr die Gestaltung und Herausgabe von Sonderpostwertzeichen anl√§sslich der Leipziger Messen‚Äú vor.¬†Das Leipziger Messeamt war der Meinung, dass die Messe-Sonderpostwertzeichen sowohl in der Form als auch im Inhalt entscheidend zu verbessern seien. Deshalb legte es am 16. September 1974 eine ‚ÄěPerspektivische Konzeption f√ľr die Gestaltung und Herausgabe von Sonderpostwertzeichen anl√§sslich der Leipziger Messen‚Äú vor.

Was nicht im Katalog steht ‚Äď Informationen aus den Akten
und der Entwurfssammlung des Postministeriums der DDR

Es sei davon auszugehen, ‚Äědass zwar handelspolitische Gesichtspunkte beachtet werden, jedoch nicht ausschlie√ülich Kriterium f√ľr die Motivauswahl darstellen. Es ist in jedem Fall sowohl auf Belange der √Ėffentlichkeitsarbeit f√ľr die Leipziger Messe als auch auf philatelistische Interessen zu achten.‚Äú Historische Motive wurden grunds√§tzlich nicht in Erw√§gung gezogen. Bei der Festlegung der Markenzahl je Messe sei eine Gleichstellung der Fr√ľhjahrs- mit der Herbstmesse notwendig. Zwei Motive je Messe erleichterten die beabsichtigte Qualit√§tsverbesserung. Vorgeschlagen wurden zwei Varianten, wobei f√ľr beide die f√ľr Leipzig und die Leipziger Messen typischen neuen und alten Bauwerke den Grundstock bilden. In Variante 1 sollte der zweite Wert der Darstellung optisch wirksamer und handelspolitisch interessanter Exponate dienen. In Variante 2 sei daf√ľr eine je Messe wechselnde symbolhafte Darstellung √ľber die Ziele und Aufgaben der Leipziger Messe zu verwenden. Erg√§nzt wurde die Konzeption mit Themenvorschl√§gen bis zum Jahr 1980.¬†Im MPF war man zwar ebenfalls h√∂chst unzufrieden mit den Messe-Ausgaben, doch konnte man sich mit den √úberlegungen des Messeamtes nicht so recht anfreunden.

Messe Leipzig: Eine Marke jährlich

Alle im Beitrag vorgestellten Entw√ľrfe sind von Manfred K√∂nig und (wahrscheinlich) Wolfram Bremer, Paul Rei√üm√ľller sowie Jochen Bertholdt. Die Vorlagen f√ľr die FDC stammen von Gerhard Stauf.

In einer Stellungnahme des Sektors Postwertzeichen wurde gleich einleitend betont, dass man entgegen dem Vorschlag aus Leipzig der Meinung sei, ab 1976 nur noch einmal im Jahr Messe-Marken herauszugeben. Durch die H√§ufigkeit der Erscheinungsweise gelinge es selten, Motive herauszusuchen, die f√ľr die grafische Umsetzung geeignet sind. Dadurch bestehe die Gefahr, dass das eigentliche Anliegen nicht in vollem Umfang erreicht wird. Im √ľbrigen gebe es keine Postverwaltung, die Messen in einem derartigen Umfang durch die Herausgabe von Sonderpostwertzeichen w√ľrdigt. Die Darstellung von Bauwerken der Messestadt k√∂nne, wie seit Jahren bereits praktiziert, f√ľr die Ersttagsbriefe vorgesehen werden. Zu dieser Haltung hatte das MPF die Meinung der zust√§ndigen Fachabteilung des Zentralkomitees der SED eingeholt. Von dort war Zustimmung signalisiert und vorgeschlagen worden, den Emissionsplan 1976 schon in dieser Hinsicht zu konzipieren. Was man im MPF sicher mit Genugtuung zur Kenntnis genommen hat. Doch es kam anders.¬†Die √úberlegungen zu den k√ľnftigen Messe-Ausgaben wurden in der Sitzung der Regierungskommission Leipziger Messen am 25. April 1975 nicht behandelt. Weil, so lautete die Begr√ľndung, diese Frage vom Ministerium f√ľr Au√üenhandel noch nicht zugeleitet worden war. In der Beratung am 20. Juni 1975 stand dann die Konzeption des Messeamtes auf der Tagesordnung. Nach der eingehenden Beratung wurde beschlossen, dass die bisherige Tradition der Herausgabe von zwei Sonderpostwertzeichen jeweils zur Fr√ľhjahrs- und Herbstmesse unbedingt fortzusetzen sei. Es werden jeweils zwei Werte mit Motiven eines Exponats und eines Bauwerks herausgegeben. Der Rat der Stadt Leipzig wurde beauftragt, bis zur n√§chsten Sitzung 20 Fotos von Bauwerken vorzulegen, unter denen die Auswahl f√ľr die n√§chsten f√ľnf Jahre getroffen wird.

23 Motive vorgeschlagen

Am 1. August 1975 unterbreitete Leipzig 23 Motivvorschl√§ge. Um Wiederholungen zu vermeiden, sollten sie mit dem MPF abgestimmt werden. F√ľr die Fr√ľhjahrsmesse 1976 sei das Motiv ‚ÄěIskra-Gedenkst√§tte‚Äú zu √ľberarbeiten. F√ľr den Zeitraum 1976 bis 1980 wurden die Industrieministerien benannt, die ein Exponat ihres Industriezweigs vorschlagen sollten.¬†Das Ministerium f√ľr Schwermaschinen- und Anlagenbau war demnach verpflichtet worden, bis zum 30. August 1975 seinen Vorschlag mit dem MPF abzustimmen. Also nahm die Post Kontakt mit diesem Ministerium auf und bat dringend darum, das f√ľr die Entwurfsgestaltung ben√∂tigte Material umgehend zur Verf√ľgung zu stellen. Gleichzeitig wurde der Rat der Stadt Leipzig gebeten, das Motiv ‚ÄěIskra-Gedenkst√§tte‚Äú zu √ľbermitteln und au√üerdem einen Termin mitzuteilen zur Abstimmung der weiteren Motive. Doch aus Leipzig kam kein Vorschlag, und es gab dort offensichtlich Verst√§ndigungsprobleme. Inzwischen war das Wohnhochhaus Wintergartenstra√üe als Motiv bestimmt worden. Im Auftrag des ausgew√§hlten Ministeriums meldete sich die VVB (= Vereinigung Volkseigener Betriebe) Schiffbau und stellte Unterlagen zum Fang- und Verarbeitungsschiff ‚ÄěAtlantik-Supertrawler‚Äú zur Verf√ľgung. So konnten am 3. Oktober 1975 Auftr√§ge zur Fertigung von Entw√ľrfen vergeben werden an Manfred K√∂nig, Paul Rei√üm√ľller und Wolfram Bremer.

Ausgew√§hlt wurden die Vorlagen von Rei√üm√ľller. Erschienen ist die Ausgabe (MiNr. 2119-2120) am 9. M√§rz 1976.¬†F√ľr die Herbstmesse 1976 √ľbertrug das Ministerium f√ľr chemische Industrie den Auftrag an die VVB Chemieanlagen. Sie entschied sich f√ľr eine Erd√∂ldestillationsanlage. Als Geb√§ude wurde die Deutsche B√ľcherei ausgew√§hlt. Ein Auftrag zur Fertigung von Entw√ľrfen erging an Jochen Bertholdt. Bei der Beratung der Kommission zur Beurteilung von Postwertzeichen am 27. April 1976 gab es gegen die grafische Ausf√ľhrung keine Einw√§nde. Es wurde vorgeschlagen, f√ľr die Chemieanlage ebenfalls Querformat zu verwenden. Erschienen ist die Ausgabe (MiNr. 2161-2162) am 1. September 1976.¬†Etwas holpriger ging es bei den Ausgaben f√ľr die Messen des Jahres 1977 zu. Die benannten Ministerien unterbreiteten relativ zeitgerecht ihre Motivvorschl√§ge. Schwieriger gestaltete sich weiterhin die Zusammenarbeit mit der Stadt Leipzig. F√ľr den Herbst wurde das Grassimuseum von der Bewertungskommission abgelehnt. Andere Vorschl√§ge konnten nicht akzeptiert werden, weil sie in unmittelbarem Zusammenhang mit kulturellen H√∂hepunkten standen. Eine direkte Verbindung zur Messe sollte m√∂glichst gewahrt bleiben. Die Entw√ľrfe wurden schlie√ülich gefertigt von Jochen Berholdt f√ľr das Fr√ľhjahr und Paul Rei√üm√ľller f√ľr den Herbst. Erschienen sind die Ausgaben (MiNr. 2208-2209 und 2250-2251) am 8. M√§rz beziehungsweise 30. August 1977.

Entw√ľrfe von Manfred K√∂nig und (wahrscheinlich) Wolfram Bremer sowie Jochen Bertholdt. Die Vorlagen f√ľr die FDC stammen von Gerhard Stauf.

Text: Alfred Peter /¬†Quellen: Bundesarchiv, DM 3 MPF, 12131, 12138, 12143, 12144¬†Entw√ľrfe: Museum f√ľr Kommunikation Berlin


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Authored by: Stefan Liebig

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