Leben im Wartezustand

Leben im Wartezustand

Im November 1914 ging nach monatelanger Belagerung die abenteuerliche Geschichte der deutschen Kolonie Kiautschou, unter militärischem Druck ab 1898 von China gepachtet, durch die japanische Besetzung zu Ende.

100 Jahre Lagerpost Bando ‚ÄstNur wenige Belege erhalten

Beleg Briefmarke Brief Lagerpost China (2)

Ludwig van Beethoven als Kultur-Botschafter zum Japanischen Deutschlandjahr 2005/2006 auf MiNr. 3917. Die Aktion war Ausgangspunkt der virtuellen Ausstellung √ľber das Lager Bando‚Äď, wo zum Waffenstillstand 1918 erstmals in Japan Beethovens ‚ÄěOde an die Freude‚Äú aufgef√ľhrt wurde, auch als Spielfilm thematisiert (Schwaneberger Verlag).

Am 23. August 1914 war mit dem Ablauf des Ultimatums zur R√§umung der von Deutschen ausgebauten Hauptstadt Tsingtau die Kriegserkl√§rung Japans gegen√ľber Deutschland erfolgt. Auch M√§nner der Zivilbev√∂lkerung in Kiautschou wurden als Reservisten eingezogen. Am 7. November 1914 bot der letzte deutsche Gouverneur, Kapit√§n zur See Alfred Meyer-Waldeck (1864‚Äď1928), die Kapitulation an, nachdem s√§mtliche Munition verschossen war. Etwa 4700 Angeh√∂rige von Armee, Marine sowie Kriegsfreiwillige deutscher und √∂sterreichischer Herkunft kamen in japanische Gefangenschaft und wurden teils bis 1920 in 17 verschiedenen Lagern untergebracht. Ihr Schicksal l√§sst sich in postalischen Belegen und zeitgeschichtlichen Dokumenten verfolgen.

Basis f√ľr Beziehungen

Die weitestgehend korrekte, respektvolle, in vielen Bereichen sogar gro√üz√ľgige Behandlung der Kriegsgefangenen durch die japanische Verwaltung und damals aufgebaute gute Kontakte zur Bev√∂lkerung gelten bis heute als ein St√ľtzpfeiler freundschaftlicher deutsch-japanischer Beziehungen. Das 1988 in Tokio gegr√ľndete Deutsche Institut f√ľr Japanstudien (DIJ) hat √ľber die Jahre eine bedeutende Sammlung mit insgesamt rund 5600 Seiten zum Lager Bando‚Äď sowie der Lager in Kurume, Marugame, Narashino und Tokushima aufgebaut. Sie wird seit der Initiative ‚ÄěDeutschland in Japan 2005/2006‚Äú in einer virtuellen Ausstellung mit zahlreichen Informationen, Abbildungen und einem Katalog der Materialien im Internet pr√§sentiert (https://bando.dijtokyo.org). Darunter finden sich in der Lagerdruckerei hergestellte Zeitschriften, Landkarten, Postkarten, Theater- und Konzertprogramme, Manuskripte zu Vortr√§gen und Fotos. Das DIJ erl√§utert zu diesem Feld seiner T√§tigkeit: ‚ÄěF√ľr die Entwicklung und F√∂rderung der deutsch-japanischen Beziehungen ist das Lager Bando‚Äď, in dem deutsche Kriegsgefangene nach dem Fall von Tsingtau untergebracht wurden (1917‚Äď1920), von wesentlicher Bedeutung. Das Entgegenkommen der japanischen Lagerleitung erm√∂glichte ein reges kulturelles Leben im Lager.‚Äú [..]

Aus der Scholz-Sammlung stammt die vielleicht einzige erhaltene Ansichtskarte, die mit der Lagerpostmarke zu 2 Sen und Lagerpoststempel bef√∂rdert wurde: mit Gl√ľckw√ľnschen datiert vom 15. September 1918 an den Lagerpost-Gr√ľnder Christoph Meyer in Baracke 6 von seinen Freunden Wilhelm K√∂berlein und Hans Holtkamp. Das Foto zeigt den Lagereingang mit Wachtposten und der Hauptstra√üe zwischen den Baracken (G√§rtner).

Beitrag aus der DBZ 16/2018

Sie finden den kompletten Beitrag von Michael Burzan in der¬†aktuellen Ausgabe¬†der Deutschen Briefmarken-Zeitung¬†16/2018. Was Sie sonst noch erwartet, sehen Sie im¬†Inhaltsverzeichnis¬†der aktuellen Ausgabe.¬†Abonnenten¬†erhielten das Heft bereits etwas im Voraus und konnten wie √ľblich schon einige Tage fr√ľher im Heft lesen ‚Äď und sparen au√üerdem Geld gegen√ľber dem Kauf im Einzelhandel.

Text: Michael Burzan / Titelbild: Matsue Toyohisa – Lagerkommandant von Lager Bando – www.tsingtau.info

Authored by: Stefan Liebig

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