Saarland: Ende nach 260 Jahren

Saarland Dauerserie 1952 15 Franc Industrie-Landschaft

1952 stand der Bergbau an der Saar noch in voller Bl√ľte.

Von der √Ėffentlichkeit fast unbemerkt, geht im Saarland eine Epoche zu Ende. Mit dem heutigen Tag wird nach rund 260 Jahren offiziell der Steinkohlebergbau eingestellt.Die letzte Schicht fuhr bereits gestern ein. Eigentlich sollte wie in Ibbenb√ľren erst 2018 Schluss mit dem Abbau der Steinkohle sein. Nach mehreren schweren Grubenbeben entschied die Regierung jedoch, vorzeitig auf den Bergbau¬† zu verzichten.
Die reichen Vorkommen pr√§gten nicht nur die Industriegeschichte der Region. Ihnen verdankt das Saarland letzten Endes auch seine politische Existenz. Bis zum Ende des Ersten Weltkrieges geh√∂rte der Landstrich gro√üenteils zum preu√üischen Regierungsbezirk Trier. Einige Teile z√§hlten zudem historisch zur bayerischen Pfalz Die Franzosen stellten dann die ‚ÄěSaarfrage‚Äú. Man geht wohl nicht fehl in der Annahme, dass dabei auch der Gedanke an Revanche eine Rolle spielte, hatte Deutschland doch rund 50 Jahre zuvor das Elsass und Lothringen annektiert.
Nunmehr versuchten die Franzosen, das Saargebiet zumindest aus dem Deutschen Reich zu l√∂sen, wenn nicht gar, Frankreich einzugliedern. Bis zur Saarabstimmung 1935 unterstand das Saargebeit daher dem V√∂lkerbund. Seinerzeit entschieden sich die B√ľrger mit √ľberwiegender Mehrheit f√ľr die ‚ÄěHeimkehr ins Reich‚Äú und damit f√ľr die Aufgabe der bis dahin bestehenden Demokratie. Mit der zum 1. M√§rz 1935 erfolgenden R√ľckgliederung gelangte das Saargebiet aber nicht zu Preu√üen und Bayern zur√ľck, sondern blieb eigenst√§ndig. Erstmals sprach man vom ‚ÄěSaarland‚Äú. Mit den eigenst√§ndigen Bundesl√§ndern kann man die Sch√∂pfung der NS-Herrscher aber nicht gleichsetzen.
Nach dem Ende des Zweiten Weltkrieges unternahm Frankreich einen neuerlichen Anlauf, das Saargebiet unter Kontrolle zu bringen. Vom 16. Februar 1946 an unterstand es nicht mehr dem Alliierten Kontrollrat. Zwar verzichteten die Franzosen darauf, das Saargebiet zu annektieren, richteten aber Ende 1946 eine Zollgrenze zur Franz√∂sischen Zone Deutschlands ein, derweil sie die Zollgrenze zu Framnkreich aufhoben. Zum 15. November 1947 mussten die Saarl√§nder mit Franz√∂sischen Franc bezahlen. Mit dem 15. Dezember 1947 trat dann die Verfassung des eigenst√§ndigen Saarlandes in Kraft, das sp√§ter auch internationalen Organisationen wie dem Europarat beitrat. Ab Juli 1948 waren die Saarl√§nder nicht mehr deutsche Staatsb√ľrger, sondern ‚ÄěSarrois‚Äú.
Da die B√ľrger Widerstand gegen die franz√∂sische Politik leisteten, kam es in den f√ľnfziger Jahren zu Verhandlungen mit Deutschland. Die Regierungen unter Pierre Mend√®s-France und Konrad Adenauer handelten das am 23. Oktober 1954 unterzeichnete Saarstatut aus, mit dem das Saarland einem Kommissar der Westeurop√§ischen Union unterstellt worden w√§re. Die wirtschaftliche Anbindung an Frankreich sollte bleiben. Zugeleich wollte man das Saarland wirtschaftlich enger mit Deutschland verflechten, als das bis dahin der Fall war.
Allerdings hatten die Politiker die Rechnung ohne das Volk gemacht. Am 23. Oktober 1954 votierten 67,7 Prozent der Saarl√§nder gegen das Saarstatut. Formal stimmten sie damit zwar nicht f√ľr den Beitritt zur Bundesrepubklik Deutschland. Die Regierungen verstanden aber auch so. Im Luxemburger Vertrag vom 27. Oktober 1956 vereinbarten beide Seiten die schrittweise R√ľckkehr des Saarlandes nach Deutschland. Zum 1. Januar 1957 trat es formal als Bundesland bei. Wirtschaftlich blieb es aber f√ľr gut zweieinhalb Jahren noch Frankreich verbunden. Erst zum 6. Juli 1959 l√∂ste die Deutsche Mark den Franz√∂sischen Franc als Zahlungsmittel ab.
Zwischenzeitlich hatte sich durch die Gr√ľndung der Europ√§ischen Gemeinschaft f√ľr Kohle und Stahl, die sogenannte ‚ÄěMontanunion‚Äú, auch der historische Konflikt um die Rohstoffvorkommen entsch√§rft. Seit 1952 arbeiteten Belgien, Deutschland, Frankreich, Italien, Luxemburg und die Niederlande ‚Äď die Kernstaaten der heutigen Europ√§ischen Union ‚Äď im Bereich der Montanindustrie eng zusammen und erhoben keine Z√∂lle mehr. Dank des Freihandels spielte es keine allzu gro√üe Rolle mehr, in welchem Staat Kohlegruben und Eisenh√ľtten arbeiteten.


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Authored by: Torsten Berndt

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