Frauen ins Ministeramt

Briefmarke Helene Weber aus Block 50 Jahre Frauenwahlrecht 1969

Karl-Hans Walter entwarf, Hans-Joachim Fuchs stach das Porträt Helene Webers.

Unser Grundgesetz hat viele V√§ter. Die Zahl der M√ľtter l√§sst sich an einer Hand ablesen: Friederike Nadig (SPD), Elisabeth Selbert (SPD), Helene Weber (CDU) und Helene Wessel (Zentrum) geh√∂rten dem Parlamentarischen Rat an. Selbert und Nadig schrieben sich mit ihrem Engagement f√ľr die Gleichberechtigung in die Geschichtsb√ľcher ein. Sie setzten durch, dass die Verfassung eindeutig M√§nner und Frauen als gleichberechtigt auswies, ihnen also nicht nur, wie zu Weimarer Zeiten, gleiche staatsb√ľrgerliche Rechte und Pflichten zustanden. Mehr im Hintergrund wirkten Weber und Wessel, die beide w√§hrend der Beratungen als Schriftf√ľhrerinnen amtierten.
W√§hrend Wessel nach dem Zweiten Weltkrieg dem Zentrum treu blieb und nach dessen Scheitern √ľber die Gesamtdeutsche Volkspartei ‚ÄĒ ihre bekanntesten Mitglieder waren Gustav Heinemann, Johannes Rau und Erhard Eppler ‚ÄĒ zur SPD fand, schloss sich Weber der CDU an. An den K√§mpfen um die Ausrichtung der konfessions√ľbergreifenden Partei beteiligte sie sich bestenfalls am Rande; seinerzeit vertrat vor allem die CDU der Britischen Zone, in der Weber lebte, eher sozialistische Positionen. Webers Hauptaugenmerk galt der F√∂rderung von Frauen in der Politik. 1948 z√§hlte sie denn auch zu den Mitbegr√ľnderinnen der Frauenarbeitsgemeinschaft der CDU/CSU, der heutigen Frauenunion. In der Bundesrepublik versuchte sie beharrlich, Konrad Adenauer zur Besetzung wenigstens eines Ministeriums mit einer Frau zu bewegen. Immerhin durfte sie es noch erleben, dass Adenauer 1961 Elisabeth Schwarzhaupt in das Amt des Bundesministers f√ľr Gesundheit berief, des Ministers wohlgemerkt ‚ÄĒ Ministerinnen gab es erst sp√§ter. In Webers Heimatland hatte Christine Teusch bereits 1947 das Kultusministerium √ľbernommen.
Bis zu ihrem Ableben am 25. Juli 1962 vertrat Weber Aachen im Bundestag. Ab 1950 geh√∂rte sie auch der beratenden Versammlung des Europarates an. Au√üerhalb der Politik engagierte sie sich im Katholischen Deutschen Frauenbund, sa√ü dem Verein katholischer Sozialbeamtinnen Deutschlands vor und f√ľhrte den Bundesverband katholischer F√ľrsorgerinnen Deutschlands. Nach dem Tod Elly Heuss-Knapps √ľbernahm sie zudem den Vorsitz des M√ľttergenesungswerks. Zu Lebzeiten erfuhr sie verschiedene Ehrungen, unter anderem die Verleihung der Ehrendoktorw√ľrde der Universit√§t M√ľnster, 1930. Die Deutsche Bundespost portr√§tierte sie f√ľr den Block ‚Äě50 Jahre Frauenwahlrecht‚Äú von 1969. Der Einf√ľhrung des Frauenwahlrechts, 1919, hatte Weber ihr erstes Mandat verdankt. Sie sa√ü in der Nationalversammlung von 1919, war zwischen 1921 und 1924 Mitglied des preu√üischen Landtages und ab 1924 Reichstagsabgeordnete. 1933 z√§hlte sie zur Minderheit im Zentrum, die Hitlers Erm√§chtigungsgesetz ablehnte, beugte sich aber dem Fraktionszwang und stimmte im Plenum zu.


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Authored by: Torsten Berndt

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