Zuckende Froschschenkel

Luigi Galvani Briefmarke Italien 1991

Neben dem Porträt Galvanis platzierte der Grafiker 1991 den Versuchstisch.

Unter Galvanisieren oder Galvanotechnik versteht man heute die elektrochemische Beschichtung von Gegenst√§nden mit einem Metall. Allgemein wohl am bekanntesten ist die Verchromung von Stahl, damit dieser gl√§nzt. Vor allem aber dient die Galvanisierung dem Schutz eines Gegenstandes, beispielsweise vor Korrosion, aber auch durch H√§rtung. Woher stammt aber die Bezeichnung ‚ÄěGalvanisieren‚Äú?
Nun, Luigi Galvani, der heute vor 275 geboren wurde, d√ľrfte eher mit Staunen registrieren, dass sein Name bis heute der Fachwelt bestens und dem Publikum ann√§hernd vertraut ist. Nach den Studien der Theologie und der Medizin nahm der Bologneser, der seiner Heimatstadt ein Leben lang treu blieb, 1762 den Ruf auf eine Professur f√ľr Medizin an. Sein wissenschaftliches Interesse galt der Anatomie. Neben intensiven Beobachtungen unternahm er daher auch Tierversuche. Am 6. November 1780 stellte er dabei √úberraschendes fest.
Auf dem Tisch lagen Froschschenkel. Ber√ľhrte er diese mit Eisen- und Kupferst√§ben, die miteinander in Verbindung standen, zuckten die Muskeln der Froschschenkel. Galvani hatte die sp√§ter nach ihm benannten Galvanischen Elemente entdeckt, allerdings ohne seine Beobachtung wissenschaftlich erkl√§ren zu k√∂nnen. Das Wissen um den Stromkreis fehlte ihm ebenso wie die Erkenntnis um die Bedeutung eines Elektrolytes, in dem Falle der Fl√ľssigkeit in den Froschschenkeln. Dass das Ph√§nomen mit der Elektrizit√§t zu tun hatte, erkannte Galvani aber.

Italien Briefmarke Luigi Galvani 1934

1934 portr√§tierte die Post Galvani nach einem Gem√§lde Alessandro Guadagninis zum Internationalen Kongress f√ľr Elektro- und biologische Strahlenkunde.

In weiteren Experimenten verband er die Froschschenkel mit einer Messerspitze, die in der N√§he einer Hochspannungsmaschine stand. Sprang ein Funke √ľber, zuckten die Froschschenkel. Nunmehr begann Galvani, der Benjamin Franklins Arbeiten zu Blitzen und zum Schutz vor Blitzen kannte, f√ľr den n√§chsten Versuch. Auf dem Dach eines Hauses brachte er einen Draht an, dessen anderes Ende im Garten mit Froschschenkeln verbunden war. Ein zweiter Draht f√ľhrte vom Froschschenkel in einen Brunnen. Fuhr w√§hrend eines Gewitters ein Blitz hinab, zuckte der Froschschenkel. Damit hatte Galvani einen weiteren Beweis f√ľr die These erbracht, dass bei Gewittern eine elektrische Spannung zwischen Wolken und Erde besteht, die in Blitzen sichtbar wird.
Die genaue Deutung der Beobachtungen Galvanis legte in den neunziger Jahren Alessandro Volta vor, dem es später auch gelang, Galvanische Zellen zu bauen. Galvani war 1785 auf den Lehrstuhl der praktischen Anatomie berufen worden. In den bis Bologna ausstrahlenden Wirren der Französischen Revolution verlor er zeitweise sein Amt. Am 4. Dezember 1798 starb Luigi Galvani, der mit seinen Froschschenkel-Experimenten einen wichtigen Schritt zur Weiterentwicklung der Elektrizitätslehre getan hatte. Von Galvanischen Zellen sprechen heute indessen nur noch Fachleute. Der umgangssprachliche Begriff lautet Batterie. Allerdings wird er nicht immer physikalisch eindeutig verwendet.

Authored by: Torsten Berndt

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