Exzentrische Diva

Sarah Bernhardt auf franz√∂sischer BriefmarkeVerdiente sie den Ruhm, den sie erlang? √úber diese Frage scheiden sich die Geister. Die franz√∂sische Schauspielerin Sarah Bernhardt (geboren am 22. Oktober 1844 als Marie Henriette Rosine Bernardt), gestorben heute vor 90 Jahren, geh√∂rte in jedem Fall zu den ber√ľhmtesten Darstellerinnen ihrer Zeit, des 19. und fr√ľhen 20. Jahrhunderts. Die gro√üe Faszination, die sie hervorrief, ist sicherlich auch ihrem divengleichen Auftreten geschuldet und nicht zuletzt ihrem Hang zum Extremen. Auch ihre zahlreichen Liebhaber boten der Klatschpresse reichlich Stoff. Welche von den zahlreichen Geschichten, die sich um sie ranken, nun der Wahrheit entspricht, ist nicht mit Sicherheit zu sagen. Ob sie tats√§chlich regelm√§√üig in einem Sarg schlief und dort auch ihre Rollen studierte, wei√ü der Himmel. Die Fotos zumindest, die sie davon machen lie√ü, verkauften sich. Ihre Wohnung soll einen Zoo aus heimischen und exotischen Tieren beherbergt haben, die sie auch auf Reisen begleiteten.

Sarah Bernhardt auf Briefmarke von MonacoDer Duc de Morny, ein Halbbruder Napoleons III. und der Liebhaber ihrer Mutter, erm√∂glichte letztlich den Aufstieg der Bernhardt. Er finanzierte ihre Schauspiel-Ausbildung an der renommierten Com√©die-Fran√ßaise in Paris. 1868 hatte sie ersten gro√üen Erfolg am Od√©on in einer Rolle in ‚ÄěKean‚Äú von Alexander Dumas dem √Ąlteren. Nach einer Theaterpause w√§hrend des Deutsch-Franz√∂sischen Kriegs kehrte sie an die Com√©die-Fran√ßaise zur√ľck, wo sie nun ein Erfolg nach dem n√§chsten erwartete. Sie spielte sowohl in klassischen Dramen (oft auch Hosenrollen) als auch in modernen Gesellschaftsst√ľcken. Als ihre Paraderollen galten die Ph√§dra in der gleichnamigen Trag√∂die von Jean Racine und die Kameliendame, eine Figur, die ihr Alexander Dumas der J√ľngere auf den Leib geschrieben haben schien. 1911 spielte sie die Kameliendame auch in einem Stummfilm unter der Regie von Louis Mercanton.

Briefmarke mit Sarah-Bernhardt-Plakat von Alfons MuchaVor allem die Amerikaner liebten ihre Bernhardt, und sie dankte es ihnen mit ausgedehnten Tourneen in √úbersee. Ein tragischer Unfall ereignete sich 1905 in Rio de Janeiro, wo sie in einer Auff√ľhrung von Victorien Sardous ‚ÄěLa Tosca‚Äú spielte. Bei einem Sprung von einer Mauer auf der B√ľhne wurde ihr rechtes Knie so stark verletzt, dass zehn Jahre sp√§ter das Bein amputiert werden musste. Fortan spielte sie im Sitzen.

Die Franzosen liebten ihre gro√üe Diva, die sie auch ‚Äěla voix d’or‚Äú, die goldene Stimme, nannten. 1914 wurde sie in die franz√∂sische Ehrenlegion aufgenommen. Gleicherma√üen wurde sie von kritischen Stimmen begleitet. George Bernhard Shaw sagte √ľber Sarah Bernhardt: ‚ÄěIch w√ľnsche ihr jeden erdenklichen Erfolg, werde sie aber ganz sicher nie als Theaterk√ľnstlerin ersten Ranges behandeln, es sei denn, sie zahlte mich angemessen daf√ľr.‚Äú Die K√ľnstlerin starb am 26. M√§rz 1923 in Paris im Alter von 78 Jahren.

Authored by: Tanja Uhde

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