Richtiger Mann zur richtigen, falschen Zeit

Gerald Ford

Er stand f√ľr Anstand und Aufrichtigkeit: Gerald Ford.

Gerald Rudolph Ford Jr. kam auf ungew√∂hnlichem Weg in sein Amt: Zun√§chst war er 1973 Vizepr√§sident der USA geworden, da Richard Nixon kurzfristig einen Ersatz f√ľr den wegen Korruptionsvorw√ľrfen geschassten Spiro Agnew ben√∂tigte. Dann wurde Ford keine zw√∂lf Monate sp√§ter am 8. August 1974 Pr√§sident der Vereinigten Staaten von Amerika, die nun dringend ein Staatsoberhaupt brauchten. Denn nach der Watergate-Aff√§re war auch Nixon zur√ľckgetreten. Mit zweieinhalb Jahren war die Amtszeit des 38. Pr√§sidenten Ford daneben auch ungew√∂hnlich kurz.

Nixon_Briefmarke

Der skandalöse Vorgänger Richard Nixon.

Ford hatte Amerika nicht durch die profilbildende Ochsentour eines Pr√§sidentschaftswahlkampfes f√ľr sich gewinnen m√ľssen. Der in Michigan aufgewachsene Jurist hatte sich vielmehr seit Jahrzehnten mit gro√üer Konstanz als Abgeordneter und Oppositionsf√ľhrer der Republikaner behauptet und verdient gemacht. Aber nach dem skandal√∂sen Ende Nixons verk√∂rperte Ford nun Unbescholtenheit und Bescheidenheit. Dies in solchem Ausma√ü, dass er der weltweiten Blamage und dem inneramerikanischen Streitfall Nixon kurz nach seinem Amtsantritt durch einen Amnestie-Erlass ein Ende setzen wollte, obwohl dies seine Sympathien in der Bev√∂lkerung gef√§hrdete. Die war bez√ľglich der Vertrauensw√ľrdigkeit ihrer Politiker n√§mlich sehr sensibilisiert, auch wenn Ford bei seinem Amtsantritt beteuert hatte, dass der gemeinsame ‚Äělange nationale Alptraum‚Äú nun vor√ľber sei. Auch der immer deutlicher gewordene Alptraum des Vietnamkrieges hatte l√§ngst Spuren hinterlassen und das politische Klima im Land aufgew√ľhlt.

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Briefmarken-Block aus Gambia.

Zumindest damals nahm Fords Pr√§sidentschaft an seiner Entscheidung im Fall Nixon vermutlich Schaden. Und auch seine Kurswechsel in Steuer- und Energiepolitik boten den im Kongress erstarkenden Demokraten Gelegenheit, die Regierungsf√§higkeit des ungew√§hlten Pr√§sidenten in √∂konomisch schweren Zeiten anzuzweifeln und zu erschweren. Ford war kein Kalter Krieger. Auf sein Betreiben kam es 1975 zur Unterzeichnung der ‚ÄěSchlussakte von Helsinki‚Äú, einer internationalen Absichtserkl√§rung zur friedlichen Beilegung von Konflikten und der allgemeinen G√ľltigkeit der Menschenrechte. Weniger gem√§√üigten Republikanern, wie Ronald Reagan, gingen seine entspannungsorientierten au√üenpolitischen Bestrebungen jedoch zu weit. Reagan war es auch, der Ford 1976 im republikanischen Vorwahlkampf attackierte und fast bezwang. Letztlich verlor Ford dann knapp gegen seinen demokratischen Herausforderer Jimmy Carter. Der demokratische Sieg basierte zu einem guten Teil auf der turbulenten Amtszeit von Fords republikanischem Vorg√§nger. Nichtsdestotrotz dankte Carter dem scheidenden Pr√§sidenten in seiner Antrittsrede f√ľr seine Leistungen in der Einigung und Beruhigung der Nation.
F√ľr jene Rolle des anst√§ndigen Mannes, der eine in ihrem politischen Grundvertrauen ersch√ľtterte Nation zur√ľck zur Zuversicht f√ľhren wollte, blieb ‚ÄěJerry‚Äú Ford ein gesch√§tzter Pr√§sident. Allzu viel ausrichten konnte er daneben aber nicht. Seine politische Autobiographie nannte er 1979 ‚ÄěA Time to Heal‚Äú. Das komplizierte Amt in Zeiten der inneren Krise w√§re Ford erspart geblieben, wenn er seine vielversprechende Karriere im American Football weiter forciert h√§tte. Am 14. Juli j√§hrt sich sein Geburtstag zum hundertsten Mal. ¬† ¬† ¬† ¬† ¬† ¬† ¬† ¬† ¬† ¬† ¬† ¬† ¬† ¬† ¬† ¬† ¬† ¬† ¬† ¬† ¬† ¬† ¬† ¬† ¬† ¬† ¬† ¬† ¬† ¬† ¬† ¬† ¬† ¬† ¬† ¬† ¬† ¬† ¬† ¬† ¬†¬† Marius Prill

Postkarte Gerald Ford

Authored by: Marius Prill

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