Verzicht auf Suggestion von Wirklichkeit

Kunst im Stichtiefdruck: Noch zu Lebzeiten erfuhr Georges Braque die erste philatelistische WĂŒrdigung, als 1961 sein Bild „Der Bote“ auf einer Sondermarke erschien, MiNr. 1372.

Kunst im Stichtiefdruck: Noch zu Lebzeiten erfuhr Georges Braque die erste philatelistische WĂŒrdigung, als 1961 sein Bild „Der Bote“ auf einer Sondermarke erschien, MiNr. 1372.

Gemeinsam mit Pablo Picasso begrĂŒndete Georges Braque den „Kubismus“, einen kĂŒnstlerischen Ansatz, der die Malerei zu Beginn des 20. Jahrhunderts revolutionierte und in die „Klassische Moderne“ fĂŒhrte.
Der 1882 geborene Braque wuchs im französischen Le Havre auf. Wie sein Vater und Großvater machte er zunĂ€chst eine Ausbildung zum HĂ€user- und Dekorationsmaler. Er interessierte sich aber auch fĂŒr Kunst, fĂŒr die Malerei. In Le Havre konnte er Unterricht an der École des Beaux-Arts nehmen und seine Studien dann an der Pariser AcadĂ©mie Humbert fortsetzen.
Ein frĂŒher Einfluss Braques war der farbintensiv-explosive „Fauvismus“ von KĂŒnstlern wie Henri Matisse und AndrĂ© Derain. Eine stilistische Weiterentwicklung bewirkten die bereits reflexiveren, strukturierteren Bilder Paul CĂ©zannes. „Der Hafen von LÂŽEstaque“ lautete der Titel eines der GemĂ€lde Braques, die im nahe Marseille gelegenen Fischerdorf LÂŽEstaque entstanden, dem Ort, in dem zuvor CĂ©zanne gearbeitet hatte. In diesen ersten Jahren des neuen Jahrhunderts stellte Braque auch bereits in Paris aus.
1907 lernte er dann Pablo Picasso kennen. In Paris besuchten sich die beiden in ihren Ateliers und diskutierten ĂŒber ihre Arbeit. „Kubismus“, abgeleitet vom lateinischen „cubus“ fĂŒr „WĂŒrfel“, war der Name, den man ab 1909 fĂŒr den Stil verwendete, den Picasso und Braque in den nĂ€chsten Jahren entwickeln sollten. Braque berichtete von einem „tĂ€glichen Austausch“ mit dem Kollegen und Freund Picasso. Im Gegensatz zur Kunst ihres gemeinsamen und hochgeschĂ€tzten Vorbildes CĂ©zanne war es ein nicht mehr farb-, sondern formorientierter Stil. Der Begriff kam vom Kunstkritiker Louis Vauxcelles, der in den Werken Braques die Herausstellung geometrischer, kubischer Formen beobachtete. Anders als die impressionistische Kunst der unmittelbar vorangegangenen Jahrzehnte schienen die Werke Braques und Picassos analytisch, zerlegend und zusammenfĂŒgend. Nicht wiedergebend, sondern skeptisch und kritisch gegenĂŒber der Wahrnehmung, intellektuell statt sinnlich war ihre Kunst. AusdrĂŒcklich betonte Braque die formgebende Bedeutung des erkennenden Geistes. Auf die Suggestion von Wirklichkeit durch Perspektivierung, eine Methode der regelrechten „illusionistischen“ optischen TĂ€uschung, wollte er demgegenĂŒber verzichten. Vielmehr sollte PerspektivitĂ€t offen gelegt und in einer Malerei ohne Perspektive ĂŒberwunden werden. Um eine versinnlichende FarbintensitĂ€t zu verhindern, nutzten Braque und Picasso eher „karge“ Farben wie Grau, Ocker und Braun.

„Obstschale und Karten“ sehen wir auf dem 2012 im kleinen Format reproduzierten Bild, MiNr. 5339.

„Obstschale und Karten“ sehen wir auf dem 2012 im kleinen Format reproduzierten Bild, MiNr. 5339.

Etwas zugĂ€nglicher und „greifbarer“ als der frĂŒhe, „analytische Kubismus“, dem Braques Bilder „Weibliche Gestalt“ oder „Mann mit Geige“ zuzuordnen sind, war schon der „synthetische Kubismus“. In dessen Kontext trat mit Juan Gris ein neuer KĂŒnstler an die Seite der beiden „Ur-Kubisten“ Braque und Picasso. Nicht nur wurden die Werke nach 1912 wieder „farbiger“, neben in Bilder eingefĂŒgten Buchstaben wendete Braque fĂŒr ÖlgemĂ€lde wie „Die ObstschĂŒssel“ oder „Stillleben auf dem Tisch“ auch die Collage-Technik des „Papier collĂ©â€œ (deutsch „geklebtes Papier“) an. Durch das EinfĂŒgen „echter“ Materialien konnte der Kubismus dabei eine dingartige Wirklichkeit in das Kunstwerk integrieren, ohne andererseits seinen reflexiven, bis zur Form reichenden Durchdringungsanspruch durch die Behauptung einer wiedergebenden RealitĂ€t schwĂ€chen zu mĂŒssen.
Nachdem Braque im Ersten Weltkrieg schwer verwundet worden war, kehrte er 1917 nach Paris zurĂŒck. Seine Arbeit verĂ€nderte sich, bewegte sich weg vom Stil der intensiven Jahre, in denen er mit Pablo Picasso den Kubismus begrĂŒndet hatte. Der kĂŒnstlerische Austausch der beiden fand keine Wiederbelebung. Neben Stillleben wandte sich Braque in den dreißiger Jahren auch der Bildhauerei zu. Auch fertigte er nun Lithographien und Radierungen an. Seit 1925 war er mit Marcelle LaprĂ© verheiratet.
George Braque starb am 31. August 1963 in Paris.

Zum 50. Todestag Georges Braques legt Frankreich einen Gedenkblock auf.

Zum 50. Todestag Georges Braques legt Frankreich einen Gedenkblock auf.

Authored by: Marius Prill

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