Die humane Fratze des Krieges – Die erste Genfer Konvention

100 Jahre Genfer Konvention auf finnischer Briefmarke von 1964

Zum 100. Jahrestag der Unterzeichnung erschien 1964 diese finnische Briefmarke, MiNr. 591.

√Ėsterreich war alles andere als angetan, dass das K√∂nigreich Sardinien die italienischen Freiheitsk√§mpfer in den damaligen √∂sterreichischen Provinzen Lombardei und Venetien unterst√ľtzte. So kam es zum Sardinischen Krieg, bei dem auch Napoleon III. als Verb√ľndeter von Sardinien mitmischte. √Ėsterreich unterlag am 24. Juni 1859 bei der Schlacht von Solferino, ein kleiner Ort in der Lombardei, und mit dieser Niederlage war der Weg f√ľr die Einigung Italiens geebnet.

Zu jener Zeit war auch ein Gesch√§ftsmann aus Genf in dem italienischen Ort zugegen, der Zeuge der erschreckenden Zust√§nde unter den Verwundeten nach dieser Schlacht wurde. Die Eindr√ľcke war so nachhaltig, dass unser Gesch√§ftsreisender dar√ľber ein Buch mit dem Titel ‚Äě Erinnerungen an Solferino‚Äú schrieb. 1862 ver√∂ffentlichte Henry Dunant, so sein Name, das Buch auf eigene Kosten. Neben der Schilderung seiner Erlebnisse enthielt das Buch auch Vorschl√§ge zur Gr√ľndung von freiwilligen Hilfsgesellschaften sowie zum Schutz und zur Versorgung von Verwundeten und Kranken im Krieg. Angetrieben von seinen Ideen gr√ľndete er daraufhin im Februar 1863 des Internationale Komitee der Hilfsgesellschaften f√ľr die Verwundetenpflege, das seit 1876 den Namen Internationales Komitee vom Roten Kreuz tr√§gt. Doch damit nicht genug.

Henri Dunant auf Briefmarke aus der Schweiz von 1928Ebenfalls auf die Ideen des von der Grausamkeit des Krieges ersch√ľtterten Henry Dunant geht die Erste Genfer Konvention zur√ľck. Am 22. August 1864 wurde diese auf einer internationalen diplomatischen Konferenz in Genf von zun√§chst 12 Staaten unterzeichnet: Baden, Belgien, D√§nemark, Frankreich, Hessen, Italien, die Niederlande, Portugal, Preu√üen, die Schweiz, Spanien und W√ľrttemberg. Obwohl auch an der Konferenz anwesend, unterzeichneten die U.S.A, Russland und das Vereinigte K√∂nigreich zun√§chst nicht.

Innerhalb k√ľrzester Zeit folgten allerdings viele andere Staaten, die sich zu dem Schriftwerk bekannten und ihrer Unterschrift auch die Ratifizierung folgen lie√üen. Insgesamt wurde jenes erste Dokument von 57 Staaten unterzeichnet, davon 36 innerhalb der ersten 25 Jahre bis 1889.

Die Genfer Konvention regelt den Krieg, wenn man so will. Doch warum sich die Konvention so rasch ausbreitete und warum so viele Staaten diese unterzeichneten, bleibt r√§tselhaft. So wird angenommen, die politischen und milit√§rischen Eliten sahen eine Zunahme von kriegerischen Auseinandersetzungen f√ľr die Zukunft als unvermeidbar. Das Recht auf Krieg, ‚Äěius ad bellum‚Äú, war ein allgemein akzeptiertes legitimes Mittel zur L√∂sung von zwischenstaatlichen Konflikten. Vielleicht wollte man mit den humanit√§ren Ideen eines Henry Dunant und der daraus entstandenen ersten Genfer Konvention die eigene Kriegslust mit einem humaneren Gewand verkleiden und somit den wahrscheinlich bald folgenden n√§chsten Krieg weniger grausam erscheinen lassen.

Die Unterzeichnung dieser ersten Genfer Konvention war Grundstein f√ľr das internationale V√∂lkerrecht, und es folgten zahlreichen Erweiterungen der Konvention. So gut der Gedanke gemeint ist, die Umsetzung der Regulierungen f√ľr den Ernstfall scheint nicht immer bei den handelnden Akteuren durchgedrungen zu sein. Es gibt schlicht keinen milit√§rischen Konflikt seither, der keine eklatanten Verletzungen der Genfer Konvention mit sich bringt, sei es durch Hinrichtungen der Zivilbev√∂lkerung, Folter von Gefangenen oder gar V√∂lkermord. Der h√§sslichen Fratze des Krieges ein humaneres Gesicht geben zu wollen ist wohl ein vergebliches, wenn nicht sogar ein l√§cherliches Unterfangen. Nicht umsonst gibt es wohl das bekannte Sprichwort: ‚ÄěIn der Liebe und im Krieg ist alles erlaubt…‚Äú Besser man l√§sst ihn einfach sein, den Krieg. Dann klappt es auch mit dem Humanismus.

Authored by: Boris M. Hillmann

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