Jean Renoir – Filme zwischen den Fronten

Jean Renoir auf Briefmarke, MiNr. 563Heute vor 120 Jahren erblickte Jean Renoir in Montmartre bei Paris das Licht der Welt. Der zweite Sohn des ber√ľhmten impressionistischen Malers Pierre-Auguste Renoir sollte sp√§ter in seinem Schaffen als Filmmacher selbst zu Ruhm kommen.

Aufgewachsen war der junge Jean im warmen S√ľden Frankreichs und wurde oftmals in den Bildern seines Vaters verewigt. Aber nicht nur er und die anderen Mitglieder der Familie standen Model f√ľr den Vater, zahlreiche junge Frauen gaben sich die T√ľrklinke in die Hand, um sich als Model ein wenig dazuzuverdienen. Entsprechend war der Bub schon recht fr√ľh mit Nacktheit vertraut und wunderte sich w√§hrend seiner Schulzeit ab 1901, warum die anderen Jungs immer so ein Theater machten, wenn es um die Kurven eines weiblichen K√∂rpers ging.

Seine Gouvernante Gabrielle Renard war es schließlich, die ihn die Melodramatik lieben lehrte. Gleichwohl zog Jean mit Beginn des Ersten Weltkrieges in die französische Armee ein und diente als Kavallerie-Offizier und Kampfpilot. Verwundet verlor er beinahe ein Bein, welches ihm amputiert werden sollte, doch die Mutter intervenierte. Zeitlebens blieb ihm dennoch ein Hinken, verbunden mit stetem Schmerz.

Nach der gro√üen Urkatastrophe des 20. Jahrhunderts verdingte sich Jean Renoir als Keramikk√ľnstler. Seine Leidenschaft galt aber Autos und dem Kino. Besonders die cineastischen Werke von Charlie Chaplin und David Wark Griffith hinterlie√üen bei ihm einen nachhaltigen Eindruck.
Noch bevor er die Leidenschaft f√ľr den Film in ein professionelles Engagement √ľberf√ľhrte, lernte er 1917 das 17-j√§hrige Model Andree Heuchling kennen. Die lebhafte, rothaarige Sch√∂nheit war das letzte Model seines Vaters, der im Dezember 1919 verstarb. Einen Monat nach dessen Tod war Jean mit Andree verheiratet und ein Jahr darauf gebar sie den gemeinsamen Sohn Alain.

Es war dann 1924 als Jean sich im Alter von 30 Jahren dazu entschloss, ins Filmbusiness einzusteigen und seine h√ľbsche Frau Andree unter dem K√ľnstlernamen Catherine Hessling zu einem Star zu machen. Im selben Jahr spielte Andree die Hauptrolle in dem Film ‚ÄěLa Fille De L‚ÄôEau‚Äú, zwei Jahre sp√§ter in ‚ÄěNana‚Äú. Bis 1928 drehte er mit seiner Frau insgesamt 6 Filme.

Jean Renoir - Le Grande Illusion auf BriefmarkeNoch in seiner Zeit in Europa entstand 1937 seine wohl beste Arbeit: ‚ÄěLa Grande Illusion‚Äú. Die Geschichte handelt von der Lagerkriegsgefangenschaft zweier Franzosen nach dem Ersten Weltkrieg in Deutschland. Der Film besticht nicht nur wegen der schauspielerischen Leistung der Protagonisten, auch die mehrdimensionalen Perspektive des Films, sowohl auf den deutschen Feind, als auch auf die franz√∂sische Bourgeoisie, unterscheidet diese Arbeit von anderen Anti-Kriegsfilmen. Im Zusammenhang von Mehrdimensionalit√§t sei hier nur der hochgelobte Film ‚ÄěDer Soldat James Ryan‚Äú genannt, 1998 gedreht von Steven Spielberg mit Tom Hanks in der Hauptrolle. Das interessante bei Renoirs Film war zudem, dass sowohl die franz√∂sische als auch die deutsche Zensur mit dem Film √ľberfordert schien. Joseph Goebbels verbot den Film und prangerte ihn als franz√∂sische Propaganda an. Die Franzosen fanden ihn viel zu deutschfreundlich und gew√§hrten nur eine stark zensierte Version. Am Vorabend des Zweiten Weltkrieges waren Filme mit einer Botschaft vom friedlichen Zusammenleben aller Klassen und sozialen Schichten jedweder Nation offensichtlich nicht erw√ľnscht.

Im Zweiten Weltkrieg diente Jean Renoir beim Filmservice der franz√∂sischen Armee, floh dann aber mit Beginn der Besetzung durch die Deutschen 1940 in die Vereinigten Staaten. In Hollywood angekommen, arbeitete er weiterhin als Regisseur, Drehbuchautor und Schauspieler. Auch in seiner amerikanischen Schaffensperiode blieb Renoir ein erfolgreicher Filmemacher. So erhielt er 1946 f√ľr den Film ‚ÄěThe Southern‚Äú eine Regie-Oscar-Nominierung, ging jedoch leer aus.
Insgesamt wirkte Jean Renoir an 37 Filmen mit, die Gro√üteils zum Poetischen Realismus gez√§hlt werden, jenem Genre, welches besonders in den 30er Jahren sehr popul√§r war. F√ľr sein Lebenswerk wurde er 1975 schlie√ülich mit dem Oscar geehrt.

Im Alter von 84 Jahren verstarb Renoir in Los Angeles, USA. Sein Leichnam wurde nach Frankreich √ľberf√ľhrt, wo er neben seiner Familie auf dem Friedhof von Essyoes bestattet wurde.

Authored by: Boris M. Hillmann

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