Der verheimlichte Drehbuchautor

 

‚ÄěEs gibt nichts Gutes ‚Äď au√üer man tut es‚Äú.

Briefmarke zum 100. Geburtstag von Erich K√§stner, MiNr. 2035, 1999Das bekannte Zitat stammt aus der Feder von Erich K√§stner, dem am 21. Juli 1974 verstorbenem Schriftsteller, der insbesondere f√ľr seine Kinderb√ľcher ‚ÄěEmil und die Detektive‚Äú, ‚ÄěDas doppelte Lottchen‚Äú, ‚ÄěP√ľnktchen und Anton‚Äú und ‚ÄěDas fliegende Klassenzimmer‚Äú popul√§r wurde. Zumindest bei den Kindern, die wir alle auch einmal waren. Die Kinderromane, bereits ab den 1930er-Jahren ver√∂ffentlicht, sind auch heute noch auf zahlreichen Nachttischschr√§nkchen in Kinderzimmern auf der ganzen Welt zu finden.

K√§stners literarisches Portfolio bietet aber auch f√ľr Erwachsene guten Lesestoff, angefangen von Lyrik √ľber Theaterst√ľcke bis hin zu eigent√ľmlicher Prosa. Weniger bekannt sind seine Arbeiten als Drehbuchautor. Zum Verfassen von Drehb√ľchern kam K√§stner aufgrund einer, seiner Ansicht nach, entt√§uschenden filmischen Umsetzung seines Kinderromans ‚ÄěEmil und die Detektive‚Äú von Regisseur Gerhardt Lamprecht aus dem Jahr 1931. Der Film war zu jener Zeit zwar ein gro√üer Erfolg, aber Erich K√§stner war nicht sonderlich gl√ľcklich damit. So begann er f√ľr die Babelsberger Filmstudios fortan Drehb√ľcher zu schreiben. Der f√ľr den Film ausgerichtete Schreibstil eines Drehbuches schlug sich auch in seinen folgenden Romanen zum Teil nieder. Sein ebenfalls noch 1931 erschienener Roman ‚ÄěFabian ‚Äď Die Geschichte eine Moralisten‚Äú zeigt deutlich den cineastischen Einfluss: schnelle Schnitte und Montagen dienen dem Autor als Stilmittel, um dem Leser die Geschichte im wahrsten Sinne des Worte vor Augen zu f√ľhren.


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K√§stner landete mit seinem satirischen Prosawerk (z.B. Fabian von 1931) mit der Machtergreifung der Nationalsozialisten 1933 auf dem Index und wurde sp√§ter auch mit einem Berufsverbot belegt, durfte aber aufgrund der Erfolge seiner √úbersetzungen zumindest im Ausland weiterhin publizieren (z.B. Drei M√§nner im Schnee von 1934), nicht zuletzt um dem devisenarmen Land Einnahmen zu verschaffen. Trotz seiner Verfemung durch das Regime konnte er zus√§tzlich aufgrund einer Ausnahmegenehmigung von Joseph Goebbels unter dem Pseudonym ‚ÄěBerthold B√ľrger‚Äú das Drehbuch zu ‚ÄěM√ľnchhausen‚Äú, dem prestigetr√§chtigen Ufa-Jubil√§umsfilm schreiben. K√§stner schien dem ‚ÄěReichsminister f√ľr Volksaufkl√§rung und Propaganda‚Äú der geeignetste Autor zu sein.

Mit dieser Sondergenehmigung, und unter der Pr√§misse eines Pseudonyms oder gar ohne jegliche Erw√§hnung seiner Person, war K√§stner noch an weiteren Produktionen der deutschen Filmindustrie als Drehbuchautor beteiligt. Ob er dies freiwillig oder aus schierer Not tat, l√§sst sich r√ľckblickend schwer sagen. In einem Brief an seine Mutter schreibt er von der Arbeit an dem Heinz-R√ľhmann-Film ‚ÄěIch vertraue Dir meine Frau an‚Äú, der ab 1943 in den Kinos zu sehen war: ‚ÄěMacht mir gar keinen Spa√ü, diese Arbeit. Ich f√ľrchte aber, dass ich nicht drum herumkomme‚Äú.



Auch nach dem Krieg war K√§stner als Autor von Drehb√ľchern noch aktiv. 1956 legte er das Drehbuch zu dem deutschen Spielfilm ‚ÄěSalzburger Geschichten‚Äú von Kurt Hofmann vor. Der Film beruht auf dem ebenfalls von K√§stner publizierten Roman ‚ÄěDer kleine Grenzverkehr‚Äú, ein Buch mit autobiographischen Z√ľgen, das 1938 unter dem Titel ‚ÄěGeorg und die Zwischenf√§lle‚Äú erschien. Bei der ersten Verfilmung dieses Romans von Hans Deppe im Jahr 1943 war K√§stner allerdings nicht beteiligt.


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Authored by: Boris M. Hillmann

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