Der Ritt auf der Kanonenkugel

Der Ritt auf der Kanonenkugel

Am 11. Mai des Jahres 1720 wurde Georg Otto von M√ľnchhausen ein Sohn geboren. M√ľnchhausen? Ja genau, beim Spr√∂√üling des Adeligen aus dem heute nieders√§chsischen Bodenwerder ‚Äď mit vollem Namen hie√ü er Hieronymus Carl Friedrich von M√ľnchhausen ‚Äď handelt sich um die Gestalt, die man auch als den ‚ÄěL√ľgenbaron‚Äú kennt. Jenen legend√§ren ‚ÄěBaron M√ľnchhausen‚Äú, einen hochimaginativen Erfinder √ľberaus abenteuerlicher Geschichten, deren Glaubw√ľrdigkeit von offensichtlich zweifelhafter Art und deren Unterhaltungswert unbestreitbar gro√ü ist. Der Sch√∂pfer fantastischer Narrative soll seine L√ľgenschichten w√§hrend geselliger Runden und vor gespannt lauschenden H√∂rerschaften erz√§hlt haben. Er selbst schrieb sie allerdings nicht auf.

Einmal, behauptete der L√ľgenbaron zum Beispiel, sei er auf einer Kanonenkugel durch die Luft geflogen, um aus der H√∂he ein feindliches Heer auszukundschaften. Bei einer anderen Gelegenheit wollte er √ľber eine ungew√∂hnlich hoch gewachsene Bohnenpflanze noch h√∂her gelangt, n√§mlich zum Mond geklettert sein.¬†Ob ihm seine Zuh√∂rer glaubten? Wer wei√ü, bestimmt aber staunten sie angesichts der Fantasie und der schier keine Grenzen kennenden, unbescheiden immer noch eins draufsetzenden Behauptungen, die ihnen der gewitzt redende Baron auftischte. Hieronymus Carl Friedrich von M√ľnchhausen machte auf jeden Fall eine ganz reale milit√§rische Karriere, nachdem er im Knabenalter an den herzoglichen Hof in Braunschweig gekommen war. Und er reiste dabei wirklich, nicht nur in selbst ersponnenen M√§rchen durchaus weit, n√§mlich nach Russland. Im Alter von 32 Jahren kehrte der Offizier von M√ľnchhausen aber in heimische Gefilde zur√ľck, um bis zu seinem Tod 1797 ein Gut im gem√ľtlichen Bodenwerder zu bewohnen.

 

Hemmungloses Fabulieren

Die Figur des so brillant l√ľgenden Baron M√ľnchhausens und ihre weltweite Bekannt-und Beliebtheit gehen indes vor allem darauf zur√ľck, dass mehrere Literaten und √úbersetzer sich der realen Person Hieronymus Carl Friedrich von M√ľnchhausens und seiner tats√§chlichen Vorliebe f√ľr das ausgiebige bis hemmungslose Fabulieren recht fr√ľh und im Laufe der Zeit andauernd annahmen. Einer der ersten darunter war Rudolf Erich Raspe. Ihm ist bez√ľglich der M√ľnchhausen-Figur vielleicht besonders viel zu verdanken. Brachte er sie und die literarischen Stoffe vom ereignisreichen Leben des Barons doch auch ins Ausland. Im Jahr 1785, der echte von M√ľnchhausen war noch am Leben, ver√∂ffentlichte Raspe in England eine Sammlung von Geschichten, die dem freim√ľtigen und virtuosen Erz√§hler aus Bodenwerder bereits eine gute √ľberregionale Reputation als ebensolcher eingebracht hatten.

Es folgte Georg August B√ľrger, der Raspes englischsprachige Publikation ins Deutsche √ľbersetzte und noch erweiterte. Im 20. Jahrhundert kamen dann Regisseure und Schauspieler dazu, bedienten sich der l√§ngst europaweit √ľbersetzten Stories und gaben dem Baron M√ľnchhausen und seinen Abenteuern ein neues, nunmehr filmisches Antlitz. Ende der 80er-Jahre produzierte beispielsweise das ehemalige Mitglied der englischen Humoristengruppe Monty Python, Terry Gilliam, einen auf globaler Kinoebene angelegten Streifen namens ‚ÄěThe Adventures of Baron Munchhausen‚Äú. Und nat√ľrlich ist der L√ľgenbaron auch auf Briefmarken der Deutschen Bundespost sowie aus Liechtenstein, Lettland und der Tschechoslowakei vertreten. Speziell in Bodenwerder pflegt man nat√ľrlich noch heute die touristisch genutzte und museal betriebene Erinnerung an den ber√ľhmten ehemaligen Bewohner des St√§dtchens. Dessen literarische √úberh√∂hung strahlte schon vor √ľber 200 Jahren in die weite Welt aus, und der Name M√ľnchhausen wurde mit der Zeit auch ein alltagssprachliches Synonym f√ľr das verd√§chtige Erz√§hlen von L√ľgenm√§rchen und Prahlen mit einzigartig aufregenden Erlebnissen √ľberhaupt.


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Authored by: Marius Prill

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