Dem Teufel verschrieben?

Carl Michael Bellman auf Briefmarke aus Schweden von 2014Carl Michael Bellman, Komponist und Lieddichter, auch Autor von Gedichten, B√ľhnenst√ľcken und Prosa, wurde am 4. Februar des Jahres 1740 in Stockholm geboren. Er kann als Volks- und Nationaldichter betrachtet werden, der auch 275 Jahre sp√§ter noch im Grunde jedem Schweden ein Begriff ist. Ein ‚ÄěRokoko-Liedermacher‚Äú wird er genannt. Seine St√ľcke nach Melodien zum Beispiel von Mozart oder Haydn sang er oft selbst und spielte dazu Saiteninstrumente. Darunter gerne das ‚ÄěCithrinchen‚Äú. ‚ÄěFredmanns Episteln‚Äú und ‚ÄěFredmanns Ges√§nge‚Äú ‚Äď zu Beginn der 1790er-Jahre ver√∂ffentlicht, aber schon lange zuvor geschrieben und vielleicht die bedeutendsten Werke Carl Michael Bellmans ‚Äď behandeln den dem Alkohol und sinnlichen Freuden zugeneigten, unsteten Stockholmer Uhrmacher Jean Fredmann. Einer, der sich des Nachts in Kneipen sowie in Gesellschaft lasterhafter Frauen aufh√§lt und sich mit finanziellen N√∂ten herumschl√§gt.
Carl Michael Bellman auf Briefmarke aus Schweden 2004

Dem K√ľnstler Bellman waren diese Figur und solche Szenerien nicht fremd: Er, Sohn einer wohlhabenden und etablierten Familie, ging seinen musischen Talenten schon fr√ľh und seitdem best√§ndig nach. Doch verfolgte Bellman weniger materielle und gesellschaftliche Sicherheit. Vielmehr machte er immer wieder Schulden, verdiente mit unterschiedlichen, eigentlich gar nicht unlukrativen T√§tigkeiten Geld, statt eine f√ľr ihn zug√§ngliche Beamten- oder Universit√§tskarriere anzustreben. Auch erhielt Bellman Unterst√ľtzung aus der royalen B√∂rse des ihm zugetanen Gustav III., dem er die Weise ‚ÄěGustavs Wohl‚Äú geschrieben hatte. Nur starb der k√∂nigliche M√§zen 1792 nach einem Attentat, und der mittlerweile verheiratete Familienvater Bellman, der sich an dessen Hof eingerichtet hatte, geriet erneut in finanzielle Schwierigkeiten.

Carl Michael Bellmann auf Briefmarken-Zusammendruck von 1995Seine oft satirisch auf die Gesellschaft blickenden Liedtexte erregten teilweise Ansto√ü bei der Kirche, die seine unsittlichen, vorlauten Machwerke aus dem Verkehr gezogen wissen wollte. Einmal musste der Dichter in finanzieller Bedr√§ngnis nach Norwegen fliehen und bei anderen Gelegenheiten wanderte er deswegen ins Gef√§ngnis. Und √§hnlich dem lebenslustigen Charakter des Kleinb√ľrgers Fredman war das Trinken auch eine der Lieblingsbesch√§ftigungen des Verfassers von ‚ÄěJergen Puckel verschreibt sich dem Teufel‚Äú.

Carl Michael Bellman auf Briefmarke aus Schweden von 1940¬†Dass Bellmans Werke bei allen Bev√∂lkerungsgruppen Schwedens so popul√§r wurden und blieben, k√∂nnte freilich auch genau damit zutun haben: Die Stoffe des Barden sind nicht elit√§r und k√ľnstlich, sondern gespeist aus Erfahrung sowie nah am und voller Verst√§ndnis f√ľr das Leben der Menschen. Das humorvolle, ironische und mitunter derbe Oeuvre des prototypischen Liedermachers stand auf und an der Seite der Leute, die lebten, liebten, lachten und litten. Hatte auch Carl Michael Bellman sich dem Teufel verschrieben? Das wohl kaum. Doch hatte er sich im Lauf seines der Musik und Dichtung gewidmeten Lebens in verschiedenen Sph√§ren ‚Äď zwischen dem h√∂chsten Adel und, wie er es gerne sang, dem ‚ÄěRinnstein‚Äú ‚Äď bewegt, als er 1795 an Tuberkulose und immer noch ohne viele Kronen in der Tasche starb.

Authored by: Marius Prill

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