Biersteuer auf Briefmarken

Biersteuer auf Briefmarken

Millionen deutscher Briefmarkensammler werden in den kommenden Wochen einen Brief des Finanzamtes erhalten. Darin: eine Nachforderung an Steuern f√ľr l√§ngst erschienene Briefmarken. Hintergrund ist ein Urteil des in Carson City, Nevada, ans√§ssigen Internationalen Gerichtshofes f√ľr Besteuerungsangelegenheiten, das der Erste Pr√§sident und Vorsitzende des Ministerrates der Autonomen Republik Grenadinchen von Grenada erwirkt hat. Die aus weltweit zw√∂lf Steuerparadiesen stammenden Richter legten darin am 11. November 2016 fest, dass ‚Äěindirekte Verbrauchssteuern auch auf Gegenst√§nde, deren Anwendung mit den besteuerten Gegenst√§nden in einem indirektem, Aufmerksamkeit heischendem oder √§hnlich gelagertem, positivem Zusammenhang stehen, erhoben werden m√ľssen‚Äú. Als Stichtag f√ľr die r√ľckwirkende Besteuerung steht der 29. Februar 1980 im Urteil.

50 Cent Steuer pro Briefmarke

Nach der f√ľr Juristen erstaunlich schnell erfolgten schriftlichen Ausfertigung des Urteils konstituierte sich noch im abgelaufenen Jahr im?Bundesministerium der Finanzen die abteilungs- und referats√ľbergreifende ‚ÄěArbeitsgruppe Verbrauchssteuerurteil‚Äú, der 52 Beamte angeh√∂ren. In 21 Anh√∂rungen befragten sie 87 Professoren f√ľr Steuerrecht aus 62 Universit√§ten weltweit und kamen unter anderem mehrheitlich zu dem Schluss, dass das Urteil auch f√ľr Briefmarken und M√ľnzen gilt, die ‚Äěmit Verbrauchssteuern belegte Konsumg√ľter thematisieren‚Äú.

Anzeige

Die bekannteste Verbrauchssteuer bleibt au√üen vor. Noch nie kam in Deutschland eine Briefmarke heraus, die den Konsum von Tabakwaren positiv dargestellt hat. Portr√§ts von Rauchern auf Briefmarken fallen nicht unter das Urteil, da nur ein ‚Äěhergeleiteter Zusammenhang‚Äú bestehe. Aus demselben Grund brauchen Sammler nicht zu bef√ľrchten, f√ľr Briefmarken mit der Abbildung von Automobilen zur Kasse gebeten zu werden ‚Äď Mineral√∂lsteuer f√§llt darauf nicht an. Anders schaut dies mit den Briefmarken aus, die dem Bier gewidmet waren. F√ľr sie m√ľssen nunmehr pro Briefmarke 50 Cent Biersteuer ‚Äď ein spezielles Gesetz zur Branntweinsteuer ‚Äď abgef√ľhrt werden. Briefmarken zum Thema Wein werden nicht besteuert, da die Weinsteuer in Deutschland auf den Betrag Null festgelegt wurde. Schaumweine und Zwischenerzeugnisse wurden bislang philatelistisch nicht gew√ľrdigt. Wegen der R√ľckwirkung des Urteils sind zudem auf die Sondermarke zum 125. Gr√ľndungstag des Zuckerinstituts, MiNr. 1599, 50 Cent Zuckersteuer zu berappen, da die Zuckersteuer bis zum 31. Dezember 1992 erhoben wurde.

Schwaneberger erhöht Katalog-Notierungen

Die Steuer wird zun√§chst einmalig auf den Besitz der entsprechenden Briefmarken erhoben. Sp√§ter m√ľssen dann die Verk√§ufer jeweils 50 Cent an den Fiskus abf√ľhren. Ausdr√ľcklich festgelegt ist, dass ‚Äědie Abgabe von Briefmarken im Zuge des sogenannten philatelistischen Tauschverkehrs‚Äú als Verkauf gilt. Der Schwaneberger Verlag wird die Michel-Notierungen der betroffenen Ausgaben um die Steuer erh√∂hen.
Zur Verwaltung der fortan erhobenen Steuern richtete das Bundeszentralamt f√ľr Steuern eine Au√üenstelle ein, die in der Johannes-Franz-von-Miquel-Promenade 1 in 01417 Bad Steuringen sitzt. Dort werden zur Zeit die ben√∂tigen Steuerformulare von Diplom-Steuerformulardesignern entworfen. Der Pressesprecher der Beh√∂rde, Franz von Tax, nannte gegen√ľber dem BRIEFMARKEN?SPIEGEL den 1. April als Datum, an dem die Papiere in das Internet eingestellt werden. Die Adresse lautet https://steuerformulare.anwendungen.bad-steuringen.bundeszentralamt-fuer-steuern.bund.de. Die Formulare sind mit blauem Kugelschreiber auszuf√ľllen und per Briefpost nach Bad Steuringen zu senden.


Anzeige
Jetzt bestellen MICHEL
Deutschland 2022/2023

ISBN: ISBN: 978-3-95402-4-001
Preis: 79,00 ‚ā¨
Versandkostenfreie Lieferung innerhalb Deutschlands.

Jetzt bestellen


Authored by: Torsten Berndt

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert