Interview: „Hingehen, wo Leute sind“

Interview: „Hingehen, wo Leute sind“

Wilfried Lerchstein ist Vorsitzender der Briefmarkenfreunde Netphen im Siegerland. Einmal jährlich im April organisieren die Netphener mit vier weiteren Vereinen die Südwestfalenbörse in Siegen. 

Herr Lerchstein, wie war das vergangene Jahr für Ihren Verein?
Lerchstein: Wir sind zufrieden. Nach Corona liefen die Veranstaltungen langsam wieder an, auch wenn wir weniger Besucher als vor Corona hatten. Dieses Jahr hoffen wir natürlich wieder auf mehr, auch Nichtphilatelisten…
… die Sie gezielt ansprechen?
Lerchstein: Natürlich zieht auf den Veranstaltungen auch unser Verbandsprüfer, der Sammlungen beurteilt, das ist ganz wichtig. Aber im Vorfeld machen wir Öffentlichkeitsarbeit, Werbung eben. Wir merken, immer, wenn ein Artikel erschienen ist, am besten mit Bild, kommen hinterher Anrufe. Allerdings dauert es etwas, die Begeisterung ist nicht sofort da. Aber wenn man Erfolge vorweisen kann, zum Beispiel, weil plötzlich auf einem Rockfestival ganz viele Leute Karten mit dem passenden Stempel verschicken wollen, werden die Medien aufmerksam und fragen nach. Man wird zum Interview eingeladen und man kommt leichter in Kontakt, muss nicht immer wieder bei Null anfangen. Irgendwann merkt man: es läuft leichter, das Briefmarkensammeln wird wahrgenommen.
Spielt die Fachpresse da auch eine Rolle oder doch eher die Regionalmedien?
Lerchstein: Ein Zuviel an Pressearbeit gibt es nicht! Als Autor bringen Fachpresse-Artikel Renommee, und man kann auf sie verweisen. Außerdem mache ich mit den Vereinspressemitteilungen die Bestellmöglichlkeiten des Belegprogramms bekannt und erweitere so mein Netzwerk. Aber natürlich steckt da eine Menge Arbeit drin. Nicht jeder Verein, zumal mit immer älteren Mitgliedern, kann das leisten.
Was könnten Vereine denn noch tun?
Lerchstein: Kontakt aufnehmen mit anderen Vereinen und Institutionen außerhalb der Philatelie, und gemeinsame Veranstaltungen ausrichten. Die Briefmarkenfreunde müssen dahin gehen, wo viele Menschen sind, in Kunstmuseen, zu Jubiläumsveranstaltungen, Gemeindefeste. Karten, Stempel und Marken Individuell auflegen. Viele kommen dann erst auf die Idee, etwas zu verschicken. Kontakte zu Kommunen und Gemeinden zu pflegen, ist da auch hilfreich. Mein Weg geht viel über Marken Individuell. Jüngst habe ich mich mit einem Fotokünstler zusammen getan, der seine Werke aus ganz vielen Einzelfotos zusammensetzt. Damit habe ich meine Weihnachtspost frankiert.
Da werden sicher einige einwenden, dass dies dem Verein keine Mitglieder bringt.
Lerchstein: Wir haben durchaus schon Mitglieder auf die Art gewonnen! Aber als Verein bin ich erstmal Anlaufstelle für Beratung und in eigener Sache, so zu den regelmäßigen Tauschtreffen. Das muss ich so akzeptieren. Und dann brauche ich als Verein Argumente. Wir haben, wie wohl die meisten Vereine, Kataloge und Literatur zur Einsicht, beispielsweise alle Michel-Europa-Bände. Die stehen bei uns im Heimatmuseum, wo wir uns auch treffen. Zur Jahreshauptversammlung gibt es für Mitglieder immer einen freien Imbiss. Interessierten bieten wir eine einjährige Schnuppermitgliedschaft an.

Was ist mit Jugendarbeit?
Lerchstein: Die haben wir immer wieder gemacht, meist als Ferienprogramm. Da muss man aber realistisch sein, viele kommen da nicht. Heute ist man als junger Mensch ein echter Aussenseiter, wenn man sich für Briefmarken interessiert. Am besten sind Schul-AGs, wenn sie von einem aktiven Lehrer unterstützt werden, der selbst Sammler ist. Alle im Verein müssen mitziehen, das ist oft gar nicht so einfach umzusetzen, auch wenn man zunächst von außen Kontakt zur Schule aufnehmen will.
Wie sehen Sie die weitere Entwicklung?
Lerchstein: Interessierte und Einsteiger werden von uns selbstverständlich mit Material und Broschüren versorgt. Die Flut von Neuausgaben und die wachsende Kartonphilatelie fördern nicht gerade das werthaltige Sammeln. Und es gibt eben auch nicht das eine Thema, das alle anspricht, dafür ist die Sammelei zu vielfältig.
Für uns als Verein bleiben persönliche Treffen überaus wichtig, das hat die Zeit nach Corona deutlich gezeigt. Unsere Bedingungen als Verein in Netphen sind gut, da wir unsere Halle hier vor Ort einmal jährlich preisreduziert mieten können. Möglich macht das die Sparkasse als Sponsor und die Unterstützung, welche die Kommune den Kulturvereinen, zu denen auch wir gehören, zukommen lässt. Und natürlich freue ich mich schon auf unsere nächste Südwestfalenbörse im April!


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Authored by: Birgit Freudenthal

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