In memoriam: Walther Rathenau

Briefmarke Berlin 1953 Michel-Nummer 93 Walther Rathenau

Alfred Goldammer entwarf, Leon Schnell stach das Porträt Walther Rathenaus, erschienen 1953 in Berlin.

‚ÄěKnallt ab den Walther Rathenau, die gottverdammte Judensau!‚Äú Was die Rechtsradikalen deutlich postulierten, sagten Nationalkonservative, beispielsweise Politiker der Deutschnationalen Volkspartei (DNVP), durch die Blume. Walther Rathenau war ihnen gleich vierfach verhasst: als f√ľhrender Repr√§sentant der Weimarer Republik, als erfolgreicher Unternehmer, als Freigeist und als Jude. Schon im Kaiserreich sah er sich deswegen heftigen Angriffen ausgesetzt. Zwar dachte er durchaus national und machte die AEG, deren Aufsichtsrat er seit 1912 vorstand, zu einem der f√ľhrenden R√ľstungsproduzenten. Auch publizierte er in rechtskonservativen Zeitschriften wie ‚ÄěDer Volkserzieher‚Äú und unterst√ľtzte, allerdings zur√ľckhaltend, jene Kreise, die v√∂lkerrechtswidrige Ma√ünahmen gegen die Zivilbev√∂kerung in den besetzten L√§ndern, unter anderem Deportationen, vorschlugen. 1918 sprach er sich sogar gegen den Waffenstillstand aus und forderte die Fortf√ľhrung des Krieges.

Großes Geschick in Verhandlungen

Zahlreiche Schriften lassen aber eine oppositionelle Haltung gegen√ľber dem Wilhelmismus erkennen. Bei Kriegsausbruch stellte er sofort fest, dass das Deutsche Reich wirtschaftlich keineswegs darauf vorbereitet war. Zudem engagierte er sich f√ľr eine st√§rkere Einbindung des liberalen B√ľrgertums in die Politik. Das alles trug ihm die Feindschaft des Adels und der ostelbischen Gro√üagrarier ein, die in ihm ohnehin nur ‚Äěden Juden‚Äú sahen.¬† Das Bewusstsein, zur Elite zu geh√∂ren und zugleich Mensch zweiter Klasse zu sein, hatte ihn seit Jugendtagen gepr√§gt.
Ebenso scharfsichtig, wie er 1914 die mangelhafte Vorbereitung auf den Krieg analysiert hatte, erkannte er nach der Novemberrevolution, dass Deutschland eine Verst√§ndigung mit den Siegerm√§chten brauchte. In den Verhandlungen legte er gro√ües Geschick an den Tag, profitierte dabei nat√ľrlich auch von seinem internationalen Ansehen. Unter anderem gelang ihm, im Wiesbadener Abkommen Frankreich dazu zu bewegen, Sachlieferungen zu akzeptieren. Damit entlastete er das deutsche Devisenkonto und trug dazu bei, die Belastungen aus dem Versailler Vertrag zu verringern. Den Feinden der Republik galt er dennoch als ‚ÄěErf√ľllungspolitiker‚Äú.
Heute vor 90 Jahren wurde Walther Rathenau in Berlin-Grunewald ermordet. T√§ter waren Mitglieder der ‚ÄěOrganisation Consul‚Äú, aus deren Reihen auch die M√∂rder Matthias Erzbergers kamen. Reichskanzler Joseph Wirth (Zentrum) erkannte aber die wahren Verantwortlichen und rief im Reichstag, an die Fraktion der DNVP gewandt: ‚ÄěDa steht der Feind ‚Äď und dar√ľber ist kein Zweifel: Dieser Feind steht rechts!‚Äú Elf Jahre sp√§ter enth√ľllte Adolf Hitler einen¬†Gedenkstein f√ľr die M√∂rder Rathenaus. Er √ľberdauerte das Dritte Reich und die DDR. Erst 2000 wurde er entfernt.


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Authored by: Torsten Berndt

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