Das kostbarste Gut

Briefmarke der DDR von 1961 zu Ehren der Geschwister Scholl.

Briefmarke der DDR von 1961 zu Ehren der Geschwister Scholl.

‚ÄěSo ein herrlicher Tag, und ich soll gehen. Aber was liegt an unserem Leben, wenn wir es damit schaffen, Tausende von Menschen aufzur√ľtteln und wachzur√ľtteln.‚Äú
(Sophie Scholl am Tag ihrer Hinrichtung, 22. Februar 1943.)

Hans Scholl war 24 Jahre alt, seine Schwester Sophie 21, als sie zum Tode verurteilt wurden. Vor 70 Jahren wurden die Geschwister hingerichtet. Sie verloren ihr Leben, weil sie ihre Stimme gegen ein Unrechtsregime erhoben haben, stets im Wissen, in Todesgefahr zu sein. Heute geh√∂ren sie zu den bekanntesten Widerstandsk√§mpfern gegen den Nationalsozialismus. Gleicherma√üen bekannt ist die ‚ÄěWei√üe Rose‚Äú, die M√ľnchener Widerstandsgruppe, der die Scholls angeh√∂rten. Die √ľberwiegend aus Studenten bestehende Gruppe w√§hlte den passiven Widerstand. Von 1942 an verfasste die Wei√üe Rose insgesamt sechs Flugbl√§tter. Die ersten vier gingen per Post an die Bildungselite in und um M√ľnchen, an Schriftsteller, Professoren und Studienkollegen.

 

Bereits in den ersten zwei S√§tzen des ersten Flugblattes erfassten die Mitglieder der Wei√üen Rose die Tragweite der Situation im damaligen Deutschland: ‚ÄěNichts ist eines Kulturvolkes unw√ľrdiger, als sich ohne Widerstand von einer verantwortungslosen und dunklen Trieben ergebenen Herrscherclique ‚Äöregieren‚Äė zu lassen. Ist es nicht so, da√ü sich jeder ehrliche Deutsche heute seiner Regierung sch√§mt, und wer von uns ahnt das Ausma√ü der Schmach, die √ľber uns und unsere Kinder kommen wird, wenn einst der Schleier von unseren Augen gefallen ist und die grauenvollsten und jegliches Ma√ü unendlich √ľberschreitenden Verbrechen ans Tageslicht treten?‚Äú

Im Bund-Block zum 20. Jahrestag des Attentats auf Adolf Hitler, der 1964 erschien, war auch diese Briefmarke von Sophie Scholl enthalten.

Im Bund-Block zum 20. Jahrestag des Attentats auf Adolf Hitler, der 1964 erschien, war auch diese Briefmarke von Sophie Scholl enthalten.

Nach den ersten vier Flugbl√§ttern fasste die Wei√üe Rose 1943 den Entschluss, ihre Schriften einer breiteren √Ėffentlichkeit zug√§nglich zu machen. Flugblatt Nummer 5 tr√§gt den Titel ‚ÄěAufruf an alle Deutsche!‚Äú. Tausende Kopien verteilte die Gruppe √ľber Nacht in M√ľnchen. Das sechste Flugblatt, das von Professor Kurt Huber verfasst worden war, erreichte eine noch gr√∂√üere Verbreitung: Helmuth von Moltke brachte es von Skandinavien bis nach England. Britische Flugzeuge warfen hunderttausende Exemplare des Blattes √ľber Deutschland ab. √úberschrieben war es mit ‚ÄěEin deutsches Flugblatt ‚Äď Manifest der M√ľnchner Studenten‚Äú.

Zu lesen war dort unter anderem: ‚ÄěIm Namen der ganzen deutschen Jugend fordern wir vom Staat Adolf Hitlers die pers√∂nliche Freiheit, das kostbarste Gut der Deutschen zur√ľck, um das er uns in der erb√§rmlichsten Weise betrogen hat.‚Äú Zugleich forderten sie zum Widerstand auf, um diese Freiheit zur√ľckzuerlangen und an einer friedvollen Zukunft zu bauen: ‚ÄěDer deutsche Name bleibt f√ľr immer gesch√§ndet, wenn nicht die deutsche Jugend endlich aufsteht, r√§cht und s√ľhnt zugleich, ihre Peiniger zerschmettert und ein neues geistiges Europa aufrichtet.‚Äú

Die ‚ÄěWei√üe Rose‚Äú wurde zum Symbol f√ľr Mut, Frieden und Freiheit. Diese Bund-Marke von 1983 war der Widerstandsbewegung gegen den Nationalsozialismus gewidmet.

Die ‚ÄěWei√üe Rose‚Äú wurde zum Symbol f√ľr Mut, Frieden und Freiheit. Diese Bund-Marke von 1983 war der Widerstandsbewegung gegen den Nationalsozialismus gewidmet.

Doch das sechste Blatt sollte der Wei√üen Rose zugleich zum Verh√§ngnis werden. Als Hans und Sophie Scholl es am 18. Februar 1943 in der M√ľnchener Ludwig-Maximilians-Universit√§t auslegten und vom zweiten Stock aus in den Lichthof warfen, wurden sie vom Hausmeister entdeckt, der sie festhielt, bis die Gestapo eintraf.
Hans und Sophie Scholl und auch Christoph Probst, dessen Flugblattentwurf die Geschwister bei ihrer Verhaftung bei sich trugen, wurden am 21. Februar zum Tode verurteilt und einen Tag sp√§ter hingerichtet. Auch Kurt Huber, Willi Graf und Alexander Schmorell wurden im April 1943 zum Tode verurteilt. Andere Helfer und Mitwisser erhielten Freiheitsstrafen zwischen sechs Monaten und zehn Jahren. Ihr Mut und ihr Einsatz f√ľr Freiheit und Menschlichkeit in unmenschlichen Zeiten sind bis heute unvergessen.


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Authored by: Tanja Uhde

There are 2 comments for this article
  1. Anton Mitlmeier at 6:42

    Wo kann ich denn die aktuelle Briefmarke von Sophie Scholl kaufen?

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