Hardboiled fiction

Hut und Fernsprecher ‚Äď die Post von San Marino erinnerte an Raymond Chandler und  Philip Marlowe gleicherma√üen, MiNr. 2394.

Hut und Fernsprecher ‚Äď die Post von San Marino erinnerte an Raymond Chandler und Philip Marlowe gleicherma√üen, MiNr. 2394 (Abb. Schwaneberger Verlag).

TV-Ermittler der Gegenwart arbeiten oft im Team. Professionell und schnell, und falls sie weniger effizient kommunizierend auftreten, dann erscheinen sie gleich als neurotische Exzentriker mit Inselbegabung. Seit den drei√üiger Jahren des vergangenen Jahrhunderts war Philip Marlowe der ‚ÄěHardboiled Detective‚Äú aus anderem Schrot und Korn. Ein einzelg√§ngerischer Held, der in der Hand kein navigierendes Smartphone, sondern Zigarette, Bourbon und gelegentlich blonde Frauen hielt. Geschaffen hatte die Figur Raymond Chandler, geboren vor 125 Jahren, am 23. Juli 1888.
Nach der Trennung von ihrem Mann war Chandlers irische Mutter mit ihrem Sohn von Chicago nach Gro√übritannien gegangen. Die Schule besuchte der Junge in London, um anschlie√üend Frankreich und Deutschland zu bereisen. Wieder in England arbeitete er in der Verwaltung f√ľr die Marine, dann als Journalist, und, zur√ľck in Amerika, als Buchmacher in Los Angeles. 1924 heiratete Chandler die 18 Jahre √§ltere Stiefmutter eines Kameraden, den er w√§hrend des Ersten Weltkrieges in der Armee kennengelernt hatte, und gelangte in eine lukrative F√ľhrungsposition bei einer √Ėlgesellschaft.
Dann, 1932, mit 44 Jahren, wurde er gefeuert.
Chandler war nicht zur Arbeit erschienen, trank viel, sprach von Selbstmord. Wie schon zu fr√ľheren Zeiten dachte er an das Schreiben.
Als junger Reporter in England hatte er bereits Gedichte ver√∂ffentlicht, dem Schreiben aber aus finanziellen Erw√§gungen den R√ľcken gekehrt. Jetzt nahm Chandler die ‚ÄěPulp Fiction‚Äú, wie sie in der Kurzgeschichten-Zeitschrift ‚ÄěBlack Mask‚Äú erschien, zum Ausgangspunkt f√ľr eine weitere Karriere als Autor. In ‚ÄěBlack Mask‚Äú und ‚ÄěDime Detective‚Äú konnte Chandler schnell zahlreiche Kriminalgeschichten ver√∂ffentlichen, bevor 1939 mit ‚ÄěThe Big Sleep‚Äú (deutsch ‚ÄěDer gro√üe Schlaf‚Äú) sein erster von sieben Romanen √ľber den Privatdetektiv Philip Marlowe erschien.
Wie in dessen gleichnamiger Verfilmung mit Humphrey Bogart (‚ÄěTote schlafen fest‚Äú) aus dem Jahr 1946 war die Atmosph√§re in den Werken Chandlers ‚Äěnoir‚Äú. Sein Protagonist bewegte sich entlang seiner einsamen Ermittlungen durch eine gro√üst√§dtische, un√ľbersichtliche Welt aus allgegenw√§rtiger Kriminalit√§t und dem Laster, dabei ein harter, aber mitf√ľhlender Held. Zusammen mit Dashiell Hammets Sam Spade begr√ľndete Chandlers Marlowe den Typ des modernen, amerikanischen Privatdetektivs, der inmitten einer realistisch dargestellten und gewaltt√§tigen Welt agierte, statt sich von einer sterilen Denkerstube aus zu des R√§tsels L√∂sung zu kombinieren. Seine Vorstellungen zu einer derartigen Kriminalliteratur der Gegenwart, die sich vor allem von klassischen Detektivgeschichten britischer Pr√§gung absetzen musste, formulierte Chandler 1944 in seinem ber√ľhmten Essay ‚ÄěThe Simple Art Of Murder‚Äú (‚ÄěDie simple Kunst des Mordes‚Äú).
In den vierziger Jahren arbeitete Chandler dann selbst an mehreren Drehb√ľchern. Wie das Buch f√ľr ‚ÄěThe Blue Dahlia‚Äú (‚ÄěDie blaue Dahlie‚Äú), 1946, war zwei Jahr zuvor auch das f√ľr ‚ÄěDouble Indemnity‚Äú (‚ÄěFrau ohne Gewissen‚Äú) ‚Äď der Film entstand in Zusammenarbeit mit Billy Wilder ‚Äď f√ľr den Oscar nominiert worden.
Die Arbeit an Letzterem stand schon wieder massiv unter dem Zeichen des Alkohols, dem Chandler zwischendurch hatte entsagen k√∂nnen. Das oberfl√§chliche Hollywood war nicht seine Welt, aber verglichen mit den bescheidenen drei√üiger Jahren der Kurzgeschichten brachte es Chandler enorme Einnahmen. K√∂rperlich und innerlich war er mit Beginn der f√ľnfziger Jahre jedoch ausgebrannt. Seine Frau Cissy war lungenkrank, Chandler selbst litt mittlerweile an einer schmerzhaften chronischen Hautkrankheit.
Sein vorletzter Roman ‚ÄěThe Long Goodbye‚Äú (‚ÄěDer lange Abschied‚Äú) im Jahr 1953 war das letzte gro√üe und gefeierte Aufb√§umen Raymond Chandlers. Cissy starb ein Jahr sp√§ter. Chandlers eigene Leiden, die Depressionen und der Alkoholismus, intensivierten sich danach bis zum Selbstmordversuch. Am 26. M√§rz 1959 starb er im kalifornischen La Jolla mit 71 Jahren an einer Lungenentz√ľndung. Marius Prill

Authored by: Marius Prill

There are 2 comments for this article
  1. CHRISTIAN LIESER at 10:30

    Raymond Chandler

  2. A.S. at 11:57

    das m√ľsste Raymond Chandler sein, der das Drehbuch schrieb.

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