Sankt Martin ritt durch Schnee und Wind

St. Martin auf Weihnacht-Briefmarke aus Deutschland von 2011Sollten heute Kinder bei Ihnen vor der Haust√ľr auftauchen und singend nach S√ľ√üigkeiten verlangen, hat dieser Wunsch eine doch etwas sinnigere Begr√ľndung, als beim letzten Mal. W√§hrend ‚ÄěHalloween‚Äú wohl vor einigen Jahrzehnten mehr oder weniger auf Initiative der S√ľ√üwarenindustrie in unseren Breiten Verbreitung fand, l√§sst sich das ‚ÄěMartinssingen‚Äú doch schon seit Jahrhunderten nachweisen. Heute, am 11. November, ist Martinstag, und dieser wird zur Erinnerung an den Heiligen St. Martin begangen. Dieser Heilige, Martin von Tours, lebte vor mehr als 1600 Jahren, im 4. Jahrhundert nach Christus. Geboren wurde er um das Jahr 316 herum in der r√∂mischen Provinz Pannonien, dem heutigen Ungarn, als Sohn eines r√∂mischen Offiziers. Mit 15 Jahren wurde er eingezogen und war ab 334 als Soldat der Kaiserlichen Garde in Amiens stationiert.

Briefmarke zum 1600. Todestag von St. Martin aus Frankreich 1997Und hier begab sich nun jene Geschichte, die das Andenken an ‚ÄěSt. Martin‚Äú wachh√§lt: Mitten im Winter begegnete Martin am Stadttor von Amiens einem armen, unbekleideten Mann, der die Vorbeigehenden bat, sich seiner zu erbarmen. Da aber niemand der anderen Menschen sich anschickte, dem Bettler zu helfen, schritt Martin zur Tat: Da er nichts anderes als seine Waffen und seinen Mantel bei sich trug, griff er zum Schwert, teilte seinen Mantel in zwei H√§lften, und gab die eine H√§lfte dem Armen. In der folgendem Nacht soll ihm Jesus Christus im Traum erschienen sein, der mit dieser anderen H√§lfte des Mantels bekleidet war.

Martin, der sich in der Folge vergeblich um seine Entlassung aus dem Milit√§rdienst bem√ľhte, wurde im Jahr 351 getauft und im Jahr 356 nach Ableistung seiner Dienstzeit aus dem r√∂mischen Heer verabschiedet. Danach lebte er einige Jahre als Einsiedler auf einer kleinen Insel an der Riviera, wurde aber durch seine guten Taten bald in der ganzen Gegend bekannt. Als im Jahr 372 ein neuer Bischof f√ľr die Stadt Tours gesucht wurde, soll er schlie√ülich ‚Äěauf Dr√§ngen des Volkes‚Äú das Amt erhalten haben. Angeblich gegen seinen Willen: So berichtet eine Legende, dass er sich in einem Stall versteckt habe, um der Wahl zum Bischof zu entgehen,¬† er aber durch schnatternde G√§nse verraten worden sei. Aus dieser Geschichte d√ľrfte der Brauch des Martinsgansessens entstanden sein.

Das Martinssingen auf Wohlt√§tigkeitsbriefmarke aus den NiederlandenAls Bischof wirkte Martin, bescheiden und hilfsbereit, bis zum Jahr 397, in dem er am 8. November auf einer Missionsreise starb. Am 11. November wurde er unter gro√üer Anteilnahme der Bev√∂lkerung in Tours beigesetzt. Dieser Tag wurde schon bald in der ganzen Kirche als hoher Festtag begangen. K√∂nig Chlodwig I. (466 ‚Äď 511) erhob Martin schlie√ülich zum Nationalheiligen und zum Schutzherrn der fr√§nkischen K√∂nige. Sein Mantel galt als Reichskleinod, wurde seit 679 am K√∂nigspalast in Paris aufbewahrt und auf allen fr√§nkischen Feldz√ľgen mitgef√ľhrt. Mit der Ausdehnung des fr√§nkischen Reiches breitete sich der Martinstag dann auch bis in unsere Breiten aus. Aufs Pferd wurde der Heilige allerdings wohl erst von sp√§teren Generationen gesetzt.

Authored by: Udo Angerstein

There are 2 comments for this article
  1. Walter Köcher at 16:23

    Sehr sch√∂n, Herr Angerstein –

    besonders die Passage √ľber die Bescheidenheit des Bischofs Martin (Limburg liegt bei uns gleich nebenan). Aber im 1. Absatz muss es doch hei√üen: im 4. Jahrhundert nach Christus.

    Kann passieren, beste Gr√ľ√üe Walter K√∂cher

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