Der Meister des Belcanto

Gioachino Rossini auf Briefmarke aus Italien von 1942Neben zahlreichen Werken aus dem Bereich der „Komischen Oper“ – 39 waren es insgesamt – schrieb Gioachino Rossini auch „ernste“ Musik, u.a. auch Messen und viele KlavierstĂŒcke. WeltberĂŒhmt ist er jedoch vor allem als Komponist von „Il barbiere de Seviglia“ („Der Barbier von Sevilla“) und „La Cenerentola“ („Aschenputtel “) geworden. Rossinis Opern des „Belcanto“ werden bis heute ĂŒberall auf der Welt gespielt. Der Todestag des im italienischen Pesaro geborenen Komponisten ist der 13. November 1868. Rossinis Eltern waren Musiker. FrĂŒhe musikalische Regungen ihres Sohnes wurden mit Interesse beobachtet. Um sich spĂ€ter im großen Stil auf eine Gesangslaufbahn in knabenhaften stimmlichen Registern konzentrieren zu können, wĂ€re Gioachino Rossini – so heißt es – im dementsprechenden Alter beinahe kastriert worden. Er blieb jedoch unversehrt. Und studierte in Bologna nicht nur Gesang, sondern auch Komposition.

Opern schrieb er schon ganz zu Anfang. Und wenngleich Rossini dabei auch diverse „ernste“ komponierte, war es die Komische Oper, die italienische „Opera buffa“, die er zur Perfektion brachte. Diese berĂŒcksichtigte einfache, nicht-privilegierte und alltĂ€glich-realistische Lebenswelten und beinhaltete dabei unter RĂŒckgriff auf unterhaltsame – und dabei auch volkstĂŒmliche – Elemente sowie auf Persiflage und Karikatur auch gesellschaftskritische Aspekte. Rossini arbeitete mit dem Belcanto, dem „Schönen Gesang“. Der seit dem 17. Jahrhundert ausgiebig gepflegte legatoreiche, elegant-virtuose und ausschmĂŒckende Stil des Operngesangs wurde – zumindest bis in das frĂŒhe 19. Jahrhundert – oft auch von Kastraten gesungen. Die italienischen Opern der ersten HĂ€lfte des 19. Jahrhunderts und dabei ganz besonders Rossinis Arbeiten werden auch als Opern des Belcanto bezeichnet.

Gioachino Rossini auf Briefmarke aus Bulgarien von 1992Mit 23 Jahren ĂŒbernahm Rossini 1815 die Leitung der neapolitanischen OpernhĂ€user. In den Jahren zuvor hatte er teilweise mehrere Opern pro Jahr geschrieben und in Venedig, Mailand und Bologna zur AuffĂŒhrung bringen können. „Der Barbier von Sevilla“ wurde 1816 – mit mĂ€ĂŸigem Erfolg– in Rom uraufgefĂŒhrt. Entstanden war die Oper nach der Vorlage des TheaterstĂŒckes „Le Barbier de Seville ou la prĂ©caution inutile“ („Der Barbier von Sevilla oder Die nutzlose Vorsicht“) von Pierre Augustin Caron de Beaumarchais. Das Libretto stammte von Cesare Sterbini. In zwei Akten wird eine ereignisreiche und bunte Geschichte erzĂ€hlt: Mit der trickreichen Hilfe des Barbiers Figaro und dabei allerlei gewitzten Maskeraden und Maßnahmen versucht der Graf Almaviva, das MĂ€dchen Rosina fĂŒr sich zu gewinnen. Im Unterschied zum Ă€ltlichen Dr. Bartolo, der das Gleiche im Sinn hat, hat er es dabei aber nicht auf deren Vermögen abgesehen.

Gioachino Rossini auf Briefmarke aus San Marino von 1992In den 20er-Jahren ging Rossini im Zeichen der Operndirektion auch nach Paris, und in Frankreich wurde er außerdem fĂŒr musikalische Dienste in königlichem Auftrag verpflichtet. LĂ€ngst war Rossini international – auch in London und Wien – aktiv und in höchstem Maß anerkannt. Und reich war er – und er blieb es zeitlebens – auch.

In den mittleren und spĂ€teren Jahren seines Lebens war Rossini kĂŒnstlerisch zwar stets aktiv. Aber im Zuge langjĂ€hriger Krankheit hatte sich seine GemĂŒtslage mit Beginn der 30er-Jahre teilweise ernsthaft verdĂŒstert. Neue Opern schrieb er ĂŒberhaupt nicht mehr. „Guillaume Tell“ („Wilhelm Tell“) war 1829 die letzte gewesen.

Gioachino Rossini auf Briefmarke aus Italien von 1968Die scherzhafte Betrachtung der Dinge, die man neben seiner Vorliebe fĂŒr gutes Essen, von ihm kannte, war aber nicht verschwunden. Sie zeigte sich nunmehr auch als Galgenhumor, mit dem Rossini seine gesundheitlichen Probleme kommentierte. Der Musik, die er zuletzt schrieb, den „PĂ©chĂ©s de Vielleisse“ („AlterssĂŒnden“), gab er – komisch gemeinte – Titel wie „Etude asthmatique“ („Asthmatische EtĂŒde“). Bei der 1863 vollendeten Messe „Petite messe de solenelle“ („Kleine feierliche Messe“) handelt es sich aber in der Tat um ein „feierliches“ geistliches Werk. Dass Rossini sie „klein“ nannte, bringt die Ironie zum Ausdruck, die der Meister der Komischen Oper und des Belcanto sich fĂŒnf Jahre vor seinem Tod bewahrt hatte.
Der Komponist starb in Paris. Dort hatte er mit seiner zweiten Ehefrau – einer Französin, die erste war eine italienische SĂ€ngerin gewesen – gelebt. Nachdem er zunĂ€chst auf dem Friedhof „PĂšre Lachaise“ bestattet worden war, brachte man den Leichnam Gioachino Rossinis schließlich nach Florenz.

Authored by: Marius Prill

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert