Die Mobilisierung des Unbewussten

Die Mobilisierung des Unbewussten

Rene-Magritte-Briefmarke1993Der Maler Ren√© Magritte gilt als einer der ber√ľhmtesten Vertreter surrealistischer Kunst. Er kam am 21. November 1898 im belgischen Lessines zur Welt. Anfang der 20er-Jahre verdiente Magritte Geld mit dekorativen und illustrativen Arbeiten, die f√ľr nicht-k√ľnstlerische Zwecke, z.B. in Werbeanzeigen, verwendet wurden. Schon bevor er mit 18 Jahren nach Br√ľssel gekommen war, um dort an der Kunsthochschule zu studieren, hatte er Georgette Berger kennengelernt. 1922 heirateten die beiden. Magrittes Kunst, zun√§chst impressionistisch und realistisch ausgerichtet, war zwischenzeitlich formalistischer, abstrakter, also kubistisch geworden. Bei einer Neuorientierung, die wieder weg von der Abstraktion f√ľhrte, beeinflusste ihn ungef√§hr zu dieser Zeit auch ein Gem√§lde von Giorgio de Chirico.

Rene-Magritte-Magie-Briefmarke1998Was man in De Chiricos ‚ÄěLied der Liebe‚Äú von 1914 erkennen konnte, war ein Kombinieren der Dinge, bei dem √úbliches durcheinander gebracht wird. Und nebeneinander stehende Elemente, die in allt√§glicher, gew√∂hnlicher Erwartung und Erfahrung nicht, vor allem aber in anderer Weise zueinander passen, ein Aufeinander-Treffen und dabei Irritieren und Erweitern von Wahrnehmung kennzeichneten bald auch die Bilder Magrittes. Als die zweite H√§lfte des Jahrzehnts begann, wurde er dabei zu einer Schl√ľsselfigur surrealistischer Kunst in Belgien. Au√üer ihm gab es diesbez√ľglich z. B. noch den Schriftsteller und Fotografen Paul Noug√©, den Magritte √∂fter bei der Titelsuche f√ľr seine Arbeiten heranzog, oder E. L. T. Mesens, der Magrittes Gem√§lde sp√§ter als Kunsth√§ndler und Museumsleiter nach Gro√übritannien brachte und damit zu seinem weiteren Erfolg beitrug. Der Galerist Paul-Gustave van Hecke stellte seine Werke in Br√ľssel aus, und dies verschaffte Magritte auch eine best√§ndigere finanzielle Grundlage, um sich mehr auf die k√ľnstlerische Arbeit konzentrieren zu k√∂nnen.

Rene-Magritte-Schloss-Briefmarke1998In Frankreich, in Paris, gab es auch eine surrealistische Szene. Magritte zog kurz vor seinem drei√üigsten Geburtstag dorthin und blieb drei Jahre. Nicht zuletzt arbeitete der Schriftsteller und Theoretiker des Surrealismus Andr√© Breton in der franz√∂sischen Hauptstadt. W√§hrend man hier im Besonderen versuchte, herk√∂mmliche Wirklichkeit durch Mobilisierung und Freilegung eines Unbewussten zu √ľberwinden und dabei eine traumartige, symbolhafte k√ľnstlerische Sprache fand, erreichte Magrittes Malerei eine Befremdung des scheinbar Selbstverst√§ndlichen mit konkreteren, naturalistischeren Mitteln. Dabei machten seine Bilder, z.B. ‚ÄěLa trahison des images‚Äú (‚ÄěDer Verrat der Bilder‚Äú) von 1929, auch eine immer notwendige Unterscheidung von Objekten und deren Darstellung deutlich. Ziemlich deutlich sogar: In erw√§hntem Gem√§lde steht unter der Abbildung einer Pfeife ‚ÄěDies ist keine Pfeife.‚Äú Der Umstand, dass ihnen Ideen innewohnen, an denen sich der Rezipient sto√üen kann, kommt in Magrittes Werken eindeutig zum Ausdruck.

Rene-Magritte-Briefmarke2000Seine erste Einzelausstellung in Paris hatte er allerdings erst 1947. Die 30er-Jahre verbrachte Magritte wieder in Belgien, wo die von van Hecke betriebene Gallerie La Centaure geschlossen wurde und er zusammen mit seinem Bruder Paul eine Agentur er√∂ffnete, die abermals auf k√ľnstlerische Produktion f√ľr Zwecke der Werbung ausgerichtet war. Magritte nahm an Gruppenausstellungen teil und unterhielt dabei Kontakte zu anderen Surrealisten. Nicht zuletzt stellte er in New York und in der London Gallery aus.

W√§hrend des Zweiten Weltkrieges nahm Magrittes Kunst eine von ihm selbst explizit ‚Äď und mit ironischem Rekurs auf impressionistische Elemente ‚Äď als Reaktion auf die katastrophale Gesamtsituation verstandene Wendung zur Thematisierung von Sch√∂nheit, Farbigkeit und Helligkeit.

Rene-Magritte-Retour-Briefmarke1998Bevor Ren√© Magritte im Sommer 1967 an Bauchspeicheldr√ľsenkrebs starb, hatte nach dem Krieg nicht nur seine k√ľnstlerische Produktivit√§t angehalten und ‚Äď auch durch einen effektiven Kontakt nach Amerika √ľber den New Yorker Galeristen Alexandre Iolas ‚Äď seine Ber√ľhmtheit zugenommen. Es hatte sich auch ein Anschlie√üen an wesentliche Aspekte seiner Arbeit in aktuellen und j√ľngeren k√ľnstlerischen Richtungen gezeigt, namentlich in der ‚ÄěKonzeptkunst‚Äú, die hinter Kunstwerken stehende Ideen und Gedanken betonte, und der dezidiert nicht-abstrakten, auf Allt√§gliches zur√ľckgreifenden ‚ÄěPop Art‚Äú.

Authored by: Marius Prill

There is 1 comment for this article
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