Die diplomatische Isolation aufgebrochen

Die diplomatische Isolation aufgebrochen

Vor genau 130 Jahren wurde der sp√§tere Politiker und Journalist Theodor Heuss geboren. Bereits im Alter von 21 Jahren leitete er die Zeitschrift ‚ÄěHilfe‚Äú, nachdem er sich dem Kreis um Friedrich Naumann angeschlossen hatte. Neben seinen journalistischen T√§tigkeiten engagierte er sich bereits in jungen Jahren politisch. 1910 trat er der Fortschrittlichen Volkspartei bei, einem Zusammenschluss der Freisinnigen Vereinigung und anderer linksliberaler Parteien. Als acht Jahre sp√§ter die Novemberrevolution ausbrach, wurde Heuss Mitglied der Deutschen Demokratischen Partei. Anschlie√üend war er in der deutschen Hauptstadt als Dozent f√ľr Politik t√§tig. Nach einer Konferenz liberaler Parteien, die in Athen stattfand, reiste der Politiker durch Griechenland. Er publizierte verschiedene Artikel √ľber die Landschaft, die Situation t√ľrkischst√§mmiger Fl√ľchtlinge, die Moderne im Land sowie die Industrialisierung, Die Reise sollte sp√§ter eine Schl√ľsselrolle spielen, als es Heuss gelang, die diplomatische Isolation der Bundesrepublik nach dem Zweiten Weltkrieg zu brechen.

Theodor Heuss auf Briefmarke von 2009

Zum 125. Geburtstag von Theodor Heuss erschien 2009 diese Sondermarke, MiNr. 2714.

W√§hrend die Nationalsozialisten an der Macht waren, was seinen politischen Einfluss lahmlegte, bet√§tigte sich Heuss erneut publizistisch. Die B√ľcherverbrennung am 23. M√§rz 1933 betraf den Schriftsteller selbst, da auch drei seiner Werke den Flammen zum Opfer fielen, darunter das 1932 verfasste Buch ‚ÄěHitlers Weg‚Äú. In einem Artikel, der in der Vossischen Zeitung erschien, legte Heuss dar, dass er die B√ľcherverbrennungen in der Tradition des ersten Wartburgfestes betrachtete. Bez√ľglich der Judenverfolgungen zeigte sich Heuss auf janusk√∂pfige Art und Weise. Zum einen verhalf er einer j√ľdischen Familie zu emigrieren, zum anderen schrieb er in einem privaten Brief: ‚ÄěEinige der Leute, die auf der Liste stehen, sind ja menschlich keine schlechte Nachbarschaft, aber daneben findet sich auch das entwurzelte j√ľdische Literatentum, gegen das ich durch all die Jahre gek√§mpft habe.‚Äú 1936 √§nderte sich seine Einstellung bez√ľglich der Nationalsozialisten, als er ein Publikationsverbot erhielt und er sein Amt als Lehrer verlor. Durch Auftr√§ge in der Werbebranche gelang es seiner Frau, die Familie zu ern√§hren. Im Zuge eines Nivea-Werbespots war Heuss sogar als Gast im Fernsehen zu sehen.

Theodor Heuss auf Briefmarke von 1954

1954 erschien Theodor Heuss als Staatsoberhaupt erstmals auf einer Dauerserie, wogegen er sich zunächst verwahrt hatte. MiNr. 189 steht ungebraucht mit 200 Euro im Katalog.

1941 wurde der Publizist Mitarbeiter der liberalen Frankfurter Zeitung. Ein Jahr sp√§ter verbot die Regierung den deutschen Zeitungen, Texte des Journalisten zu ver√∂ffentlichen. Deshalb schrieb Heuss unter einem Pseudonym weiter. Unter eigenem Namen verfasste er Biografien √ľber Justus von Liebig und Anton Donn.¬†Nach dem Zweiten Weltkrieg trat er sein Amt als Kultusminister von W√ľrttemberg-Baden an. Als Vorsitzender der FDP wirkte er im Parlamentarischen Rat an der Ausarbeitung des Grundgesetzes mit. Auch seine Frau gestaltete die Politik W√ľrttemberg-Badens mit. Sie war von 1946 bis 1949 Mitglied des Landtages. Die Arbeit als Lehrkraft nahm Heuss ebenso wieder auf. In den beiden Nachkriegsjahren lehrte er als Dozent an der Technischen Hochschule Stuttgart Geschichte, bevor er 1948 sogar zum Honorarprofessor berufen wurde.

Seine politische Karriere gipfelte in den letzten beiden Jahren der 50er-Jahre. Nachdem er im M√§rz gemeinsam mit Wilhelm K√ľlz zum Vorsitzenden der Demokratischen Partei Deutschlands gew√§hlt worden war, trat er im Dezember das Amt als Vorsitzender der Freien Demokratischen Partei an. 1949 konnte sich Heuss gegen den zweiten Kandidaten f√ľr das Bundespr√§sidentenamt der Bundesrepublik, Kurt Schumacher, durchsetzen. Als erster Inhaber des h√∂chsten deutschen Staatsamtes gestaltete das Aufgabenfeld des Bundespr√§sidenten innerhalb seiner zehnj√§hrigen T√§tigkeit entscheidend aus. Bez√ľglich einer gewissen Angelegenheit jedoch konnte sich der sonst so erfolgreiche Politiker nicht durchsetzen. Heuss zufolge war es an der Zeit, eine neue Nationalhymne durchzusetzen. Aufgrund des Missbrauches seitens der Nationalsozialisten empfand der Pr√§sident die Hymne nicht l√§nger als angemessen. Adenauer machte Heuss jedoch einen Strich durch die Rechnung, indem er mithilfe seines alten Widersachers, des SPD-Oppositionsf√ľhrers Kurt Schumacher, die dritte Strophe des alten Liedes als deutsche Hymne aufrechterhalten konnte.

Theodor Heuss auf Briefmarke der Tuerkei 1957

Auch die T√ľrkei w√ľrdigte Theodor Heuss mit der Ausgabe von Briefmarken, hier eine Flugpostmarke von 1957, MiNr. 1517.

Heuss zeigte sich innerhalb seiner Amtszeit als Bundespr√§sident stets √ľberlegt und vorsorglich. Als er 1952 das Protektorat √ľber die Schutzgemeinschaft Deutscher Wald √ľbernahm, bewies er sein Verantwortungsbewusstsein gegen√ľber der Natur. Ihm gelang es au√üerdem, erneutes Vertrauen im Ausland gegen√ľber den Deutschen zu gewinnen. Insgesamt vermochte es Heuss als Politiker, Dichter und Philosoph, das Image der Bundesrepublik nach dem Zweiten Weltkrieg wiederherzustellen. Da Heuss stets bem√ľht war, innenpolitische Kontroversen auszugleichen sowie das Vertrauen der anderen europ√§ischen Staaten gegen√ľber den Deutschen wieder zu wecken, wurde ihm 1959 der Friedenspreis des deutschen Buchhandels verliehen.


Anzeige
Jetzt bestellen MICHEL
Deutschland-Spezial 2023 ‚Äď Band 2

978-3-95402-442-1
Preis: 98,00 ‚ā¨
Versandkostenfreie Lieferung innerhalb Deutschlands.

Jetzt bestellen


Authored by: Stefanie Dieckmann

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert