Europameister ’72

Europameister ’72

Das Sportjahr 1972 hatte mehrere Höhepunkte: Neben den Olympischen Winter- und Sommerspielen in Sapporo (siehe BMS 2/2022, S. 46) beziehungsweise München stand vor 50 Jahren auch die Fußball-Europameisterschaft auf dem Programm.

Letztgenannte Veranstaltung verlief für das Team der Bundesrepublik Deutschland (BRD) sehr erfreulich: Durch einen 3:0-Finalsieg über die Sowjetunion wurde das Team von Trainer Helmut Schön (1915 – 1996) Europameister. Obwohl die deutsche Bundespost keine Sondermarke herausgab, existieren unter philatelistischen Gesichtspunkten durchaus attraktive Belege, dank derer sich der Weg der Schön-Truppe von der Qualifikation bis zum Finale dokumentieren lässt.

Lang gepflegte Tradition

Seit ungefähr 1930 bis Anfang der 1980er-Jahre war es Tradition, dass Mannschaften des Deutschen Fußballbundes (DFB) Grußkarten von Länderspielen an Freunde, Bekannte und Gönner verschickten, auf denen der komplette Kader signierte. Das begann in der Ära des Reichstrainers Otto Nerz und wurde von dessen Nachfolgern Sepp Herberger und Helmut Schön weiter geflegt. Daher existieren auch von den Europameisterschaftsspielen 1972 derartige Karten.

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Nur knapp und mit viel Mühe gewann die Schön-Elf in Albanien.

Zähe Qualifikation

In der Qualifikation hatte die BRD neben der Türkei und Polen Albanien zugelost bekommen. Die hochfavorisierten Deutschen bekleckerten sich gerade gegen diesen Gegner nicht mit Ruhm. Durch ein Tor von „Bomber“ Gerd Müller gewann die DFB-Auswahl vor 27000 Zuschauern in Tirana knapp und glücklich mit 1:0 und überzeugte dabei ebenso wenig wie beim ersten Qualifikationsspiel einige Monate zuvor gegen die Türkei (1:1). Torschütze war hier ebenfalls Gerd Müller per Foulelfmeter. Wolfgang Overath (1. FC Köln) ist Absender der Grußkarte aus Tirana, in der die BRD folgende Spieler einsetzte: Maier – Vogts, Patzke (67. Bella), Schnellinger, Weber, Beckenbauer, Overath, Grabowski, Netzer, G. Müller, Heynckes.

Nach einem darauffolgenden 2:0-Auswärtssieg in Istanbul über die Türkei (Tore: Müller (2), Köppel) kam es im Karlsruher Wildparkstadion zum erneuten Kräftemessen mit Albanien. Die BRD, die ohne den gesperrten Torjäger Müller antreten musste, tat sich erneut schwer gegen einen defensiv stehenden Gegner. Am Ende stand ein glanzloser 2:0-Sieg. Einzig Günther Netzer (Borussia Mönchengladbach) und Jürgen Grabowski trafen. Wolfgang Overath verschickte auch aus Karlsruhe Karten. Coach Schön hatte folgendes Team aufgeboten: Maier – Schwarzenbeck, Vogts (90. Bleidick), Sieloff, Beckenbauer, Wimmer, Netzer, Grabowski, Overath (73. Held), Köppel, Heynckes.

Nach einem 3:1-Erfolg in Warschau und einem 0:0 in Hamburg jeweils gegen Polen stand fest, dass die Schön-Elf sich als Gruppenerster für die Endrunde qualifiziert hatte. Der DDR hingegen blieb ein Weiterkommen verwehrt, da sie die entscheidenden Spiele gegen die Niederlande und Jugoslawien verlor.

Viertelfinale

Im Viertelfinale, das ebenfalls mit Hin- und Rückspiel entschieden wurde, traf die BRD auf England. Das Hinspiel im Londoner Wembley-Stadion sollte zu einer Sternstunde des westdeutschen Fußballs werden und gilt als eines der attraktivsten der DFB-Historie. Obwohl die Stammspieler Berti Vogts, Wolfgang Weber und Wolfgang Overath fehlten, sollte der Mut von Helmut Schön belohnt werden. Denn der hatte die beiden bis dato international wenig erfahrenen Youngsters Uli Hoeneß und Paul Breitner (beide FC Bayern München) aufgeboten, die jeweils ein tolles Spiel ablieferten. Hoeneß, Netzer und Müller steuerten die drei Treffer zum 3:1-Endstand bei.

Helmut Schön als Kartenabsender grüßte einen langjährigen Bekannten.

Aufstellung: Maier – Höttges, Breitner, Beckenbauer, Schwarzenbeck, Wimmer, Hoeneß, Netzer, Grabowski, G. Müller, Held.

Zwei Wochen später fand Mitte Mai dann das Rückspiel in Berlin statt. Die BRD verwaltete den Hinspielsieg, am Ende gab es ein torloses Remis. Auch hier wurden Karten verschickt wie die vorliegende von Masseur Erich Deuser.

Aufstellung: Maier – Höttges, Breitner, Beckenbauer, Schwarzenbeck, Wimmer, Flohe, Netzer, Hoeneß (70. Heynckes), G. Müller, Held.

Endrunde in Belgien

Belgien war Gastgeberland der Endrunde, in der das „K.O.-System“ galt. Am 14. Juni war in Antwerpen Belgien der deutsche Halbfinalgegner. 59000 Zuschauer wurden Augenzeuge, wie Deutschland sich durch zwei Müller-Tore am Ende 2:1 durchsetzte. Acht der zwölf Akteure, die Bundestrainer Schön aufs Feld schickte, kamen entweder vom FC Bayern München oder von Borussia Mönchengladbach: Maier – Höttges, Breitner, Beckenbauer, Schwarzenbeck, Wimmer, Hoeneß (58. Grabowski), Netzer, Heynckes, G. Müller, Kremers.

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Zufrieden blickt der Präsident auf die Autogramme der Siegerelf.

Zweiter großer Titel

18 Jahre nach dem Gewinn des WM-Titels machte eine deutsche Nationalmannschaft im Finale im Brüsseler Heysel-Stadion ­ihren zweiten großen internationalen Erfolg perfekt. Zu Buche stand ein ungefährdeter 3:0-Erfolg über eine chancenlose UdSSR, die ihrerseits im Halb­finale vor gerade mal 1700 ­Ticketkäufern Ungarn ausgeschaltet hatte. Zweimal Müller und einmal Herbert „Hacki“ Wimmer sorgten für klare Verhältnisse.

Leider kann der Autor den Absender dieser Karte mit Poststempel vom Finaltag nicht identifizieren.

Sieger-Elf: Maier, Höttges, Breitner, Beckenbauer, Schwarzenbeck, Wimmer, Hoeneß, Netzer, Heynckes, G. Müller, E. Kremers.

Dietrich Mauersberg


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Authored by: BMS-Redaktion

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