Komponist vieler Kinderlieder

Polen Briefmarke Witold Lutoslawski

2008 ehrte die Polnische Post Witold Lutos?awski philatelistisch, MiNr. 4390.

Gerhard L√∂wenthals ‚ÄěZDF-Magazin‚Äú war stets umstritten. Viele st√∂rte seine als politisch einseitig gewertete Ausrichtung. Harte Worte fielen, sogar den Vergleich mit dem ‚ÄěSchwarzen Kanal‚Äú des DDR-Fernsehens musste sich L√∂wenthal gefallen lassen. Seine Positionen lagen zweifellos im Grenzbereich zwischen M√§√üigung und Radikalit√§t. Mit der gew√§hlten Titelmelodie dokumentierte er indessen, dass er durchaus √ľber den Tellerrand hinauszublicken vermochte.
Diese stammte keineswegs, wie zu erwarten gewesen w√§re, von einem Deutschen, sondern von einem Polen. L√∂wenthal entnahm sie dem ‚ÄěIntrada‚Äú genannten ersten Satz des Konzertes f√ľr Orchester, geschrieben zwischen 1950 und 1954 vom Witold Roman Lutos?awski, dessen 100. Geburtstages wir heute gedenken.
Lutos?awskis Weg in die Musik war eigentlich vorgezeichnet, erm√∂glichten ihm die Eltern doch schon in fr√ľher Kindheit privaten Klavier- und Violinunterricht. Nach der Matura studierte er denn auch am Warschauer Konservatorium, erlernte unter anderem das Handwerk des Komponisten bei Witold Maliszewski, einem Sch√ľler Nikolaj Rinskij-Korsakovs, und besuchte die Pianistenklasse Jerzy Lefelds. Parallel studierte er an den mathematisch-naturwissenschaftlichen Fakult√§ten.
1938 legte er sein erstes großes Werk vor, die Sinfonischen Variationen. Um seine Studien abzuschließen, wollte er nach Paris gehen. Nach dem deutschen Überfall auf Polen war daran aber nicht mehr zu denken. Immerhin gelang es Lutos?awski, aus der Kriegsgefangenschaft zu fliehen; in der Armee hatte er als Funker gedient. Als Kaffeehaus-Pianist konnte er seinen Lebensunterhalt in Warschau bestreiten. Dabei trat er oftmals gemeinsam mit Andrzej Panufnik im Duett auf. Die dabei gemachten Erfahrungen kamen ihm nach dem Kriegsende und der kommunistischen Machtergreifung zugute.
Das stalinistische Regime lehnte n√§mlich Lutos?awskis Erste Sinfonie als ‚Äěformalistisch‚Äú ab und verbot ihre Auff√ľhrung. Um als K√ľnstler existieren zu k√∂nnen, musste sich Lutos?awski der Gebrauchsmusik zuwenden. F√ľr den Rundfunk arbeitete er ebenso wie f√ľr Theater und Film. In Polen ist er zudem als Komponist vieler Kinderlieder bekannt.
Nach Stalins Tod lie√üen ihn die Machthaber dann gew√§hren. Besser als die Herrscher anderer Ostblockstaaten erkannten sie die Bedeutung kultureller Freir√§ume f√ľr die Entwicklung des Landes. Daher lie√üen sie Lutos?awski mit modernen Musikstilen experimentieren, die im Ostblock insgesamt verp√∂nt waren. Er avancierte zu einem Aush√§ngeschild zeitgen√∂ssischer polnischer Musik. Besonderes Interesse brachte er den Verbindungen zwischen Musik und Mathematik entgegen.
Im In- wie Ausland wurden seine Werke vielfach aufgef√ľhrt und eingespielt. 1962 hielt er Kompositionskurse in den USA ab ‚Äď in Polen herrschte stets mehr Reisefreiheit als in den anderen Ostblockstaaten, wenngleich die Verh√§ltnisse nat√ľrlich nicht mit denen im Westen vergleichbar waren. International wirkte er als Juror in Kompositionswettbewerben, unter anderem w√§hrend der Donaueschinger Musiktage. Als Komponist und Dirigent nahm er am ‚ÄěWarschauer Herbst‚Äú teil, einem der wichtigsten Kulturfestivals des Landes. Mehr als ein Dutzend Universit√§ten in Europa und Nordamerika verliehen ihm die Ehrendoktorw√ľrde. Allein den ersten Preis des Kompositionswettbewerbes der Unesco gewann er drei Mal.
Als Witold Lutos?awski am 7. Februar 1994 in seiner Heimatstadt Warschau verstarb, trauerte nicht nur Polen um einen großen Tonsetzer.

Authored by: Torsten Berndt

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