Von Ulbricht verurteilt

1968 w√ľrdigte die Deutsche Post der DDR Hanns Eisler zum 70. Geburtstag, MiNr. 1388.

1968 w√ľrdigte die Deutsche Post der DDR Hanns Eisler zum 70. Geburtstag, MiNr. 1388 (Abb. Schwaneberger Verlag).

Mit einem Kunstgriff besonderer Art wartete 1949 der Dichter Johannes Robert Becher auf. Er hatte den Auftrag erhalten, einen Text f√ľr die Nationalhymne der DDR zu verfassen, und schrieb Zeilen, die man durchaus zur Melodie des Kaiserquartetts von Joseph Haydn singen konnte, Basis der deutschen Nationalhymne. Ob dies auch seine Intention war, wei√ü man nicht. Den Auftrag, das Gedicht zu vertonen, erhielt ein √Ėsterreicher.
Johannes Eisler kam am 6. Juli 1898 zur Welt. Von klein auf f√∂rderten die Eltern seine musikalischen Interessen. Bereits mit etwa zehn Jahren legte er erste Kompositionen vor. Nach eigener Aussage basierten seine Kenntnisse auf der allgemeinen Musiklehre Herrmann Wolffs, die in Reclams Universalbibliothek erschienen war. Erhalten blieben die Werke nicht. Eislers erste auch heute noch bekannten Kompositionen stammen von 1917/18, unter anderem Lieder nach Christian Morgenstern und Rainer Maria Rilke. Auch die Urfassung des Oratoriums ‚ÄěGegen den Krieg‚Äú stammt aus jenen Tagen; sp√§ter arbeitete es Eisler nach den Regeln der Zw√∂lftontechnik um. Nach dem Krieg trat er als S√§nger auf, am Klavier begleitet von seiner Lebensgef√§hrtin Irma Friedmann. 1919 schlie√ülich schrieb er sich am Konservatorium ein, um die autodidaktisch erworbenen Kenntnisse zu vertiefen. Wenig sp√§ter wurde er Privatsch√ľler Arnold Sch√∂nbergs.
Sch√∂nberg pr√§gte den akademischen Komponisten Hanns Eisler ‚Äď seinen Vornamen hatte er leicht verk√ľrzt. Die reine Lehre, die er als elit√§r betrachtete, vertrat Eilser aber nie, sondern verband die musikalische Moderne mit Elementen der Wiener Klassik, der Romantik und anderer Stilrichtungen. Zweifellos legte aber auch Eisler Werke vor, die nicht immer den Regel des Wohlklangs folgten, folglich weniger Zuspruch im Publikum fanden, beispielsweise ‚Äě14 Arten, den Regen zu beschreiben‚Äú, Arnold Sch√∂nberg zum 80. Geburtstag gewidmet. In den f√ľnfziger Jahren musste sich Eisler seines akademischen Schaffens wegen des Vorwurfs des ‚ÄěFormalismus‚Äú erwehren ‚Äď zu DDR-Zeiten bedeutete dies real Auff√ľhrungsverbot. Walter Ulbricht h√∂chstpers√∂nlich verurteilte Eislers ‚ÄěFaustus‚Äú-Bearbeitung.
Seinen festen Platz in den Annalen des zweiten deutschen Staates erschrieb sich Eisler indessen mit dem Vertonen von Arbeiterliedern und Kampfliedern. Musikalisch waren viele von zweifelhafter Qualit√§t, doch gelang es Eisler fast immer, das textliche Niveau musikalisch deutlich zu √ľberbieten. Gro√üe Interpreten vermochten es, die T√∂ne √ľber die Worte zu schieben.
In die Weltliteratur schrieb sich Eisler dank seiner Zusammenarbeit mit Bertolt Brecht ein. Unz√§hlige Gedichte Brechts vertonte er, schrieb zudem Musiken zu Schauspielen wie ‚ÄěDie Mutter‚Äú ‚Äď nach Maksim Gorki ‚Äď, ‚ÄěSchweijk im zweiten Weltkrieg‚Äú und ‚ÄěHerr Puntila und sein Knecht Matti‚Äú.
Zeitlebens blieb Hanns Eisler österreichischer Staatsangehöriger. Er nahm weder die deutsche noch während der Exiljahre die US-amerikanische Staatsangehörigkeit an. Auch in der DDR behielt er stets seinen österreichischen Pass. Am 6. September 1962 verstarb er.

Authored by: Torsten Berndt

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