1930 Tonnen Gold

Die Kaiser Friedrich und Wilhelm II. sind auf den preu√üischen Goldm√ľnzen zu 20 Mark von 1888 und 1900 zu sehen (Abb. Berndt Fernow, Wikipedia).

Die Kaiser Friedrich und Wilhelm II. sind auf den preu√üischen Goldm√ľnzen zu 20 Mark von 1888 und 1900 zu sehen (Abb. Berndt Fernow, Wikipedia).

‚ÄěBis zum 1. Januar 1876 sind s√§mmtliche nicht auf Reichsw√§hrung lautenden Noten der Banken einzuziehen. Von diesem Termine an d√ľrfen nur solche Banknoten, welche auf Reichsw√§hrung in Betr√§gen von nicht weniger als 100 Mark lauten, in Umlauf bleiben oder ausgegeben werden ‚Ķ Das von den einzelnen Bundesl√§ndern ausgegebene Papiergeld ist sp√§testens bis zum 1. Januar 1876 einzuziehen und sp√§testens sechs Monate vor diesem Termin √∂ffentlich aufzurufen. Dagegen wird nach Ma√ügabe eines zu erlassenden Reichsgesetzes eine Ausgabe von Reichspapiergeld stattfinden.‚Äú
Gut Ding will Weile haben. Also lie√ü sich das Deutsche Reich Zeit. Erst zweieinhalb Jahre nach der Kaiserproklamation in Versailles setzte es die grunds√§tzlich schon 1871 beschlossene Schaffung einer W√§hrungsunion der Bundesl√§nder um. Am 9. Juli 1873 erlie√ü Kaiser Wilhelm das M√ľnzgesetz, das die Einzelheiten regelte. Bis die Mark √ľberall als einziges Zahlungsmittel galt, schrieb man sogar den 1. Januar 1876. Allerdings blieben in einigen Bundesl√§ndern √§ltere M√ľnzen g√ľltig, bayerische Heller-M√ľnzen beispielsweise bis zum 30. August 1924. Mit der gr√ľndlich missratenen Formulierung ‚Äědeutsches Gepr√§ge‚Äú verhalf die Reichsregierung schlie√ülich dem √∂sterreichischen Zwei-Taler-St√ľck zu fast 30 Jahren fortdauernder G√ľltigkeit, galt die Doppelmonarchie doch nach 1871 nicht mehr als deutsch. Als die M√ľnzen in Umlauf gekommen waren, hatte √Ėsterreich aber dem Deutschen Bunde angeh√∂rt, sodass durchaus ‚Äědeutsches Gepr√§ge‚Äú vorlag. Offiziell wurde der √Ėsterreich-Taler zum 1. Januar 1901 au√üer Kurs gesetzt.

Die Mark l√∂ste nicht nur die bis dahin bestehenden acht Landesw√§hrungen mit 119 verschiedenen M√ľnzsorten ab. Sie versprach auch eine besondere Stabilit√§t, schrieb das Gesetz doch klar die Qualit√§t der M√ľnzen fest: ‚Äě‚Ķ ausgepr√§gt werden Reichsgoldm√ľnzen zu f√ľnf Mark, von welchen aus einem Pfunde feinsten Goldes 279 St√ľck ausgebracht werden.‚Äú 1,9912 Gramm wogen die M√ľnzen. Das entsprach bei 900 Teilen Gold und 100 Teilen Kupfer einem Goldgewicht von 1,7921 Gramm. Doppelt so schwer fielen die 10-, viermal so schwer die 20-Mark-Goldm√ľnzen aus. Nach Berechnungen Kurt Jaegers wurden bis 1914/15 etwa 1930 Tonnen Gold zu M√ľnzen gepr√§gt.
Dies geschah in den Bundesl√§ndern. Das Reich hielt sich zur√ľck und brachte nur M√ľnzen bis zum Nennwert von einer Mark in Umlauf. Sie bestanden aus Silber, Bronze und einer Kupfer-Nickel-Legierung. Die Bundesl√§nder fertigten M√ľnzen mit einheitlicher Wertseite. Die R√ľckseite konnten sie eigenst√§ndig gestalten und portr√§tierten in der Regel den regierenden Monarchen im M√ľnzrund. Die seit jeher republikanisch verfassten Stadtstaaten Bremen, Hamburg und L√ľbeck zeigten stolz ihre Wappen. Einige Bundesl√§nder gaben zudem Silberm√ľnzen zu zwei, drei und f√ľnf Mark heraus. Ferner legten 1872/73 verschiedene Bundesl√§nder kupferne Pfennig-M√ľnzen auf.
Der Goldstandard der Mark blieb bis 1914 erhalten. Unmittelbar nach dem Mord von Sarajewo begannen die B√ľrger damit, Gold- und Silberm√ľnzen zu horten. Manche nahmen sogar mit Papiergeld vorlieb, um ihre Bankkonten r√§umen zu k√∂nnen. Auch bei Lebensmitteln kam es zu Hamsterk√§ufen. Am 13. Juli erkl√§rte das Reich dann den ‚ÄěZustand der unmittelbaren Kriegsgefahr‚Äú. Fortan tauschte die Reichsbank praktisch kein Papiergeld und keine Kupfer- und Bronzem√ľnzen mehr gegen Gold ein. Im normalen Zahlungsverkehr gelang es vielen B√ľrgern dennoch, an weitere Edelmetallm√ľnzen zu kommen. Vom 31. Juli 1914 an gab die Reichsbank endg√ľltig keine Goldm√ľnzen mehr ab. Am 4. August 1914 verk√ľndete die Reichsregierung schlie√ülich das neue M√ľnzgesetz, das den Goldstandard aufhob.
Vielfach wird die Einf√ľhrung der Papiermark als Auftakt zur Inflation gesehen, die dann 1923 in die Hochinflation m√ľndete. Dies ist aber nur insofern richtig, dass sich das Kaiserreich mit der Aufhebung des Goldstandards die M√∂glichkeit schuf, den Krieg √ľber die Notenpresse zu finanzieren. Bald √ľberschwemmten Unmengen Geldes das Land, denen kein entsprechendes Warenangebot gegen√ľberstand. Die Ausweitung der Geldmenge f√ľhrte zur Inflation, nicht die Aufhebung des Goldstandards an sich. Formal blieb die nach der Reichsgr√ľndung geschaffene Mark bis zum 30. November 1923 in Umlauf. Zahlreiche Goldm√ľnzen aus dem Kaiserreich galten sogar bis zum 15. August 1938 als Zahlungsmittel.


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Authored by: Torsten Berndt

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