Aktion Mensch: Das Wir gewinnt

50 Jahre Aktion Mensch Briefmarke

Barbara Dimanski entwarf die aktuelle Briefmarke zum Jubiläum, MiNr. 3072.

‚ÄěDie Kamera schwenkte √ľber Betten, zerstrampelte Decken, zerkn√ľllte Kopfkissen, √ľber Gesichter, gro√üe Augen, ungelenke Gestalten, ein schmales Fenster, rissige W√§nde. Das ist der Schlafsaal eines Heimes f√ľr behinderte Kinder. Hier stehen 18 Betten, eng nebeneinander, in drei langen Reihen. F√ľr 18 meist spastisch gel√§hmte Kinder im Alter zwischen acht und zw√∂lf Jahren. Das ist ihre Heimat. Ihr Kinderzimmer. Auf Millionen von Fernsehapparaten wurde es vorgestellt. Hat unsere Wohlstandsgesellschaft wirklich keinen besseren Platz f√ľr diese Kinder im Schatten des Lebens?‚Äú Diese Frage stellte sich der Fernsehjournalist Hans Mohl im Jahr 1964 und gab sie auch seinen Zuschauern weiter. Mohl (1928 ‚Äď 1998) war von Beginn an Moderator der Sendung Gesundheitsmagazin Praxis, die seit Januar 1964 im seit dem 1. April 1963 sendenden Zweiten Deutschen Fernsehen zu sehen war.

Dass Behinderte √ľberhaupt in den Fokus der √Ėffentlichkeit ger√ľckt waren, lag an der Contergan-Aff√§re: Ende der 50er-Jahre bis Anfang der 60er-Jahre wurde das den Arzneistoff Thalidomid enthaltende Beruhigungsmittel ‚ÄěContergan‚Äú gezielt als Beruhigungs- und Schlafmittel an Schwangere vertrieben. Es half gegen die verbreitete morgendliche √úbelkeit bei Schwangeren, war rezeptfrei und wurde, da angeblich ohne Nebenwirkungen, gezielt an Schwangere empfohlen. Erst als sich Ende der 50er-Jahre die Geburten von missgebildeten Kindern h√§uften, kam man auf die Idee, dass Contergan die Ursache sein k√∂nne. Ende 1961 best√§tigten Untersuchungen diesen Verdacht und der Hersteller nahm das Medikament nach einigem Z√∂gern schlie√ülich vom Markt. Bis dahin waren weltweit 5000 Neugeborene mit Missbildungen zur Welt gekommen, andere Quellen sprechen von weltweit 10 000 Gesch√§digten, die Anzahl der durch das Medikament verursachten Totgeburten ist unbekannt.

 

Sonderstempel zur Aktion Sorgenkind von 1967

Sonderstempel zur Aktion Sorgenkind von 1967.

Durch die Contergan-Aff√§re wurde die √Ėffentlichkeit allerdings auf behinderte Menschen aufmerksam und durch zahlreiche Berichte f√ľr das Thema sensibilisiert. So auch Hans Mohl. Er entschloss sich zu helfen und kam auf die Idee einer Fernsehlotterie zugunsten behinderter Menschen: Die ‚ÄěAktion Sorgenkind‚Äú war geboren. Das Praktische daran: Der beliebte Moderator Peter Frankenfeld hatte bereits das Konzept f√ľr eine Show mit angeschlossener Lotterie zugunsten wohlt√§tiger Projekte entwickelt und auch dem ZDF angeboten: ‚ÄěVergi√ümeinnicht‚Äú. Hintergrund war die Einf√ľhrung der neuen Postleitzahlen, deren praktische Umsetzung im Postalltag doch sehr zu w√ľnschen √ľbrig lie√ü: Die Bev√∂lkerung verga√ü in den meisten F√§llen, die neue vierstellige Zahl bei der Adresse anzugeben. Also wurde eine Werbekampagne gestartet: ‚ÄěVergi√ümeinnicht ‚Äď die Postleitzahlen‚Äú.

Wohlfahrtsbriefmarke von 1964Frankenfeld hatte nun folgende Idee: In seiner geplanten Sendung sollten R√§tsel gel√∂st werden, indem man auf einer Postkarte Wohlfahrtsbriefmarken in einer bestimmten Reihenfolge aufklebte und diese dann, nat√ľrlich auch noch zus√§tzlich ordnungsgem√§√ü frankiert, einsandte. Die Teilnahmegeb√ľhr w√§re also so √ľber den Kauf von Wohlfahrtsmarken errichtet worden. Seitens der Post bekam man angesichts einer Gewinnaussch√ľttung allerdings kalte F√ľ√üe und sah rechtliche Probleme entstehen. Da verfiel Frankenfeld auf die Idee, die Lotterieshow mit dem Werbekonzept f√ľr die neuen Postleitzahlen zu verbinden, wodurch die Gewinne √ľber den Werbeetat de Post finanziert werden konnten. Und so war dann auch der Name f√ľr die neue Show gefunden: ‚ÄěVergi√ümeinnicht‚Äú …

Mehr lesen Sie in der Titelgeschichte von Udo Angerstein in der DBZ 7/2014, die Sie aktuell im Bahnhofsbuchhandel bekommen. Abonnementen haben das Heft nat√ľrlich schon im Haus.


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Authored by: Udo Angerstein

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