Ganzsachen: Dokumente ihrer Zeit

Seine Vergangenheit totzuschweigen, ist kein guter Weg f√ľr jemanden, der sie verarbeiten will. Man muss sie lebendig bleiben oder werden lassen, um sie zu bew√§ltigen. Das gilt ganz besonders f√ľr die Jahre der NS-Diktatur in Deutschland, und zwar sowohl f√ľr ihre unr√ľhmlich dunkle Seite als auch f√ľr die durchaus faszinierenden technischen Weiterentwicklungen zum Beispiel auf dem Gebiet der Post-Transportmittel. Wer philatelistisch tiefer eindringt in jene Zeit und sie dokumentieren will, sieht sich vor eine Herausforderung gestellt, die ihre Ursachen hat in den kriegsbedingten Gebietsver√§nderungen mit all ihren postalischen, sozialen und juristischen Folgen, in den geschaffenen Zwangseinrichtungen einschlie√ülich der damit verbundenen Repressalien und Kommunikationsbeschr√§nkungen, in drei parallel nebeneinander existierenden Postdiensten ‚Äď Dienst-, Feld- und Reichspost ‚Äď ab 1939 und in den Ausf√ľhrungsvorschriften f√ľr eine Hamburger Stra√üenbahnpost, eine Kraftkurspost mit Posthilfsstellen, Rohrpost in Berlin, M√ľnchen und Wien, Katapult- und Schleuderflugpost, Luft- und Zeppelinpost sowie Schiffspost weltweit.

Ganzsache-Hindenburg

Die Hindenburg-Ganzsache wurde nach der Annektierung √Ėsterreichs
in Wien verwendet und am 7. Mai 1938 mit einer Zusatzfrankatur nach
Luzern gesandt. Bemerkenswert: Der unten abgeschlagene Stempel
15 Wien 101 weist den 7. Mai 1930 als Datum aus.

Territoriale Veränderungen

Nach der Annektierung √Ėsterreichs waren in der Zeit vom 4. April bis zum 31. Oktober 1938 (zweite und dritte Geb√ľhrenperiode) Mischfrankaturen zwischen deutschen und √∂sterreichischen Postwertzeichen zul√§ssig. In der zweiten Geb√ľhrenperiode vom 4. April bis 31. Juli 1938 galten sogar gemischte Geb√ľhren, weil zwar die Grundgeb√ľhren f√ľr Briefe und Postkarten nach dem deutschen Tarif, s√§mtliche anderen Geb√ľhren und vor allen anderen die Nebengeb√ľhren aber noch nach dem √∂sterreichischen Tarif berechnet wurden. Dabei sind zwei Tatsachen hervorzuheben, n√§mlich einerseits dass dadurch in einer Teilregion des Reichspostgebietes, der ‚ÄěOstmark‚Äú, die Postlagergeb√ľhr wieder bestand (10 √∂sterreichische Groschen), die im ‚ÄěAltreich‚Äú seit 1. Dezember 1923 abgeschafft gewesen war, und andererseits dass im ‚ÄěAnschluss‚Äú-Gebiet bei Einschreib- und Expresssendungen zwischen Inland und Ausland unterschieden worden war und in der zweiten Periode immer noch unterschieden wurde. Allerdings konnte nun statt mit √∂sterreichischen Wertzeichen auch mit reichsdeutschen in der Umrechnung 3 : 2 frankiert werden. W√§hrend f√ľr Eilzustellung im Inland 30 Groschen = 20 Reichspfennig (f√ľr Einschreiben 40 Groschen = 27 Reichspfennig) zu bezahlen waren, kostete Eilzustellung im Ausland 120 Groschen = 80 Reichspfennig (Auslands-Einschreiben 70 Groschen = 47 Reichspfennig).
Die abgebildete 15-Reichspfennig-Auslandskarte aus Wien-Josefstadt wurde am 7. Mai 1938 aufgeliefert, mit Leitvermerk (Instradierungs-Chiffre) ‚Äě101‚Äú √ľber den Westbahnhof abgeleitet und am folgenden Abend in Luzern vom Eilboten zugestellt. Die Zustellungsgeb√ľhr von 80 Reichspfennig setzt sich zusammen aus 1 Schilling = 67 Reichspfennig plus 1 Groschen = als 1 Reichspfennig in Einzelfrankatur anerkannt plus 12 Reichspfennig. H√§tte der Postbeamte beim Frankieren die √∂sterreichische Geb√ľhr von 120 Groschen im Hinterkopf gehabt, w√§re die 1-Groschen-Marke sogar √ľbrig gewesen, weil die verklebte 12-Reichspfennig-Marke 20 Groschen entsprach …

Den kompletten Artikel von Hanspeter Frech finden Sie in der aktuellen DBZ 15/2014, die Sie derzeit im Bahnhofsbuchhandel bekommen. Ein Abonnement ist nat√ľrlich auch eine L√∂sung…


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Authored by: Udo Angerstein

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