Jahrestag einer Legende: Lady Ella Fitzgerald

Jahrestag einer Legende: Lady Ella Fitzgerald

Harte Jahre

Ella Jane Fitzgerald kam am 25. April 1917 zur Welt. Und der erste Abschnitt ihres Lebens war nicht gerade leicht: Mit ihrer Mutter, dem Stiefvater und einer kleinen Schwester lebte sie, egal ob anfangs in Virginia oder sp√§ter New York, in reichlich bescheidenen Verh√§ltnissen. Vor allem aber starb ihre Mutter an den Folgen eines Autounfalls. Ella war erst 15 Jahre alt. Sie zog zu ihrer Tante. Und es legte sich ein Schatten √ľber ihr Leben. Hatte sie bis dahin immer Interesse am Lernen gehabt, ging sie jetzt immer √∂fter gar nicht zur Schule. Man brachte sie in Erziehungsanstalten, sie entwich. Obwohl noch lange keine 20 Jahre alt, musste sich das M√§dchen schon in jeder Hinsicht alleine durchschlagen.

‚ÄěSomething to live for‚Äú

Ella-Fitzgerald-Briefmarke-USA
Aber: Es gab es etwas Wunderbares. Es gab Musik, und zwar besonders Gospel und Jazz. Letzteren kannte Ella noch von den Platten ihrer Mutter, zum Beispiel von Billie Holiday und Connie Boswell. Und mit der Kirchenmusik der schwarzen Communities war sie bei den Gottesdiensten der ‚ÄěAfrican Methodist Episcopal Church‚Äú lebhaft in Ber√ľhrung gekommen. Es war dies vielleicht, was Ella Fitzgerald sp√§ter als ‚ÄěSomething to live for‚Äú besang.

Der Abend im Apollo

Vielleicht eher noch als das Singen, schien ihr allerdings zun√§chst das Tanzen eine attraktive Perspektive zu bieten. Es war im Winter 1934, als Ella an einer Talentshow im legend√§ren ‚ÄěApollo Theatre‚Äú teilnahm. Und eigentlich wollte sie eine Tanzperformance zeigen. Es ergab sich einfach, dass sie stattdessen zwei Songs sang. Ihre unmittelbaren Tanz-Vorg√§nger schienen ihr n√§mlich √ľberm√§chtig gut gewesen zu sein. Sowohl Publikum, Veranstalter als auch anwesende Musiker waren ziemlich angetan, von dem, was sie da √ľberraschenderweise zu h√∂ren bekamen. Der Abend im Apollo, er war der Moment, als Ella das Spotlight betrat. Und da f√ľhlte sie sich zuhause. F√ľhlte sich frei und wohl auf der B√ľhne.

Das gewisse Etwas

Ella-Fitzgerald-Briefmarke-FrankreichElla Fitzgerald, das M√§dchen von der Stra√üe, war oberfl√§chlich betrachtet keine besonders glamour√∂se Erscheinung. Sie musste es auch nicht sein. Nein, was wirklichen Eindruck hinterl√§sst, ist die schiere Macht ihrer Stimme und Musikalit√§t. Fitzgeralds Kunst ist nicht nur sch√∂n oder nett anzuh√∂ren. Da ist noch mehr: Sie hat Tiefe, erz√§hlt ihren H√∂rern von den Dingen und dem Leben. Ella Fitzgerald, das hatten die Zuh√∂rer im Apollo gesp√ľrt, hatte es, das besondere, gewisse Etwas. Noch in ihrer sp√§teren Karriere, so sagte es die gro√üe S√§ngerin, sch√∂pfte sie die Intensit√§t und Emotionalit√§t ihrer Performances dabei auch aus den Erfahrungen der fr√ľhen harten Jahre. Sie hatte nat√ľrlich auch noch etwas anderes: Ella Fitzgerald perfektionierte den sogenannten ‚ÄěScat‚Äú-Gesang, bei dem ihre Stimme den Bl√§sern einer Swing- oder Jazzband gleich Melodien und Soli improvisierte, ohne Worte zu singen.

Eine lange Karriere

Ella-Fitzgerald-Briefmarke-MaliDie raue Kindheit und die magischen Anf√§nge der 1930er-Jahre lagen lange hinter ihr, als ‚ÄěLady Ella‚Äú, wie sie von Fans manchmal genannt wird, 1996 auf eine bereits sechs Jahrzehnte w√§hrende Weltkarriere zur√ľckschauen konnte. Es war ihr letztes Jahr: Seit langem an Diabetes erkrankt, starb sie am 15. Juni in Kalifornien.
Kaum jemand, der im Musikbusiness so viel erreicht hat, wie Ella Fitzgerald: Knapp 70 aufgenommene Alben, Tourneen √ľberall auf dem Globus, Kollaborationen mit den gr√∂√üten Kollegen. Unter anderem arbeitete sie mit ihrem Mentor Chick Webb, mit Louis Armstrong, Benny Goodman, Dizzy Gillespie, Count Basie und Frank Sinatra zusammen. Daneben verbuchte die Grande Dame des Jazz nat√ľrlich auch enorme Plattenverk√§ufe und au√üerdem unz√§hlige Auszeichnungen. Darunter finden sich auch die ‚ÄěNational Medal Of Arts‚Äú und die ‚ÄěPresidential Medal Of Freedom‚Äú‚Ķ Ganz nett, sicher. Aber was die Musik ihr gegeben hatte, war noch viel wichtiger.

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Authored by: Marius Prill

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