Streit um Kompetenzen

1968 ehrten die Vereinigten Staaten Thomas Jefferson mit einer Dauermarke, MiNr. 940 (beide Abb. Schwaneberger Verlag).

1968 ehrten die Vereinigten Staaten Thomas Jefferson mit einer Dauermarke, MiNr. 940 (beide Abb. Schwaneberger Verlag).

Harte, nach deutschem Geschmack aggressive Wahlk√§mpfe erlebten die Vereinigten Staaten von Amerika immer wieder. Nicht erst die Pr√§sidentschaftskandidaten j√ľngerer Zeit setzten w√§hrend ihrer Kampagnen Mittel ein, die vielleicht nicht unbedingt dazu beitrugen, nach dem Wahltag aufeinanderzuzugehen und im Tagesgesch√§ft den Schulterschluss zu suchen. Schon kurz nach Etablierung des nordamerikanischen Bundesstaates kam es daher zu heftigen Auseinandersetzungen.
Als einer der h√§rtesten Wahlk√§mpfe in der Geschichte der Staaten gilt der von 1800. Die Demokratisch-Republikanische Partei ‚Äď aus ihr ging die heute noch bestehende Demokratische Partei hervor, derweil die Republikanische Partei erst 1854 auf das Parkett trat ‚Äď schickte Thomas Jefferson ins Rennen, die F√∂deralistische Partei den amtierenden Pr√§sidenten John Adams. Im Wahlkampf machten die Republikaner den F√∂deralisten den wohl schlimmsten Vorwurf, mit dem man seinerzeit einen politischen Gegner belegen konnte. Sie sagten Adams und den F√∂deralisten monarchistische Tendenzen nach. Die F√∂deralisten konterten eher zur√ľckhaltend, indem sie die Positionen der Republikaner f√ľr zu radikal erkl√§rten. Ausl√∂ser des Streits war eine Frage, die bis heute strittig ist und wohl auch in Zukunft zu Debatten f√ľhren wird: Wie weit reichen die Kompetenzen des Bundes?
Konkret ging der Streit um ein Gesetz, den ‚ÄěAlien and Sedition Act‚Äú. Dieser erlaubte es dem Pr√§sidenten, Ausl√§nder abzuschieben oder in Haft zu nehmen, wenn sie aus Feindstaaten kamen oder der Pr√§sident sie als feindlich ansah. Zudem galt es fortan als Verbrechen, ‚Äěfalsche, sch√§ndliche und b√∂sartige‚Äú Schriften gegen die Regierung und ihre Beamten zu ver√∂ffentlichen. Die Republikaner sahen die Freiheit bedroht. Jefferson verfasste eine Resolution, die das Parlament in Kentucky passierte. Darin vertrat der Pr√§sidentschaftskandidat die Auffassung, dass der Bund nur die in der Verfassung eindeutig definierten Felder bearbeiten d√ľrfe. Etwas gem√§√üigter dr√ľckte James Madison dasselbe aus, dessen Resolution in Virginia verabschiedet wurde. Die F√∂deralisten widersprachen unter anderem mit dem Hinweis, dass eine Verfassung nur die Grundlagen, aber keine Einzelheiten regeln k√∂nne.
Jefferson gewann die Wahl, hatte im Wahlm√§nnergremium aber ebenso viele Stimmen wie sein Kandidat f√ľr das Amt des Vizepr√§sidenten, Aaron Burr. Damals gab es keine getrennten Wahlg√§nge f√ľr beide √Ąmter. Stattdessen wurde der Kandidat mit den meisten Stimmen Pr√§sident, der Zweitplatzierte Vizepr√§sident. Somit war es sogar m√∂glich, dass Pr√§sident und Vizepr√§sident aus unterschiedlichen Parteien kamen. Da im Wahlm√§nnergremium ein Patt zwischen Jefferson und Burr herrschte, musste das Repr√§sentantenhaus entscheiden. Dort stimmten die F√∂deralisten f√ľr Burr, sodass Jefferson die n√∂tige Mehrheit verfehlte. Erst im 36. Wahlgang verzichteten einige Abgeordnete der F√∂deralisten auf die Stimmabgabe, und Jefferson konnte zum dritten Pr√§sidenten der Vereinigten Staaten gew√§hlt werden.
Mit der Wahl vollendete sich Jeffersons politische Karriere, die in den 70er-Jahren im Parlament von Virginia begonnen hatte. 1774 wurde er als Abgesandter des Landes im Kontinentalkongress in das Komitee gew√§hlt, das die Unabh√§ngigkeitserkl√§rung erarbeiten sollte. Jefferson erhielt den Auftrag, einen Entwurf zu fertigen. Dieser √ľberzeugte die Kollegen beinahe rundum. Nur wenige √Ąnderungen gehen auf John Adams, Benjamin Franklin und einzelne Politiker des Kongresses zur√ľck. Zu Recht steht Jefferson daher als Hauptautor der Unabh√§ngigkeitserkl√§rung in den B√ľchern.

1954 ehrten die Vereinigten Staaten Thomas Jefferson mit einer Dauermarke, MiNr. 6564 (Abb. Schwaneberger Verlag).

Bereits 1954 war eine Dauermarke mit Jeffersons Porträt erschienen, MiNr. 654.

Die kommenden Jahre wirkte er als Abgeordneter Virginias, aber auch als Diplomat. An die Botschaft in Paris entsandt, erlebte er die Anf√§nge der Franz√∂sischen Revolution mit. Allerdings kehrte er bereits im September 1789 in die Vereinigten Staaten zur√ľck, um unter Pr√§sident George Washington als Au√üenminister zu dienen. Obwohl mit einem zentralen Amt betraut, engagierte er sich schon seinerzeit stark f√ľr den F√∂deralismus, und geriet dabei mit Finanzminister Alexander Hamilton aneinander, denn Hamilton pl√§dierte f√ľr die Schaffung einer Zentralbank, die Jefferson ablehnte.
Hinzu kamen Meinungsverschiedenheiten zur Wirtschaftsf√∂rderung ‚Äď Hamiltons Interesse galt der Industrie, Jeffersons der Landwirtschaft ‚Äď und zur Au√üenpolitik, da Hamilton die Kontakte zu Gro√übritannien st√§rken wollte, w√§hrend Jefferson mehr nach Frankreich schaute. Da verwunderte es kaum, dass sich um die beiden Politiker die beiden ersten Parteien des Landes bildeten, Jeffersons Republikaner und Hamiltons F√∂deralisten. Erstmals kandidierte Jefferson 1796 f√ľr die Pr√§sidentschaft, wurde aber nur Vizepr√§sident unter dem Bewerber der F√∂deralisten, John Adams. Vier Jahre sp√§ter siegte dann Jefferson, der heute vor 270 Jahren das Licht der Welt erblickt hatte.

Authored by: Torsten Berndt

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