Marke der Woche: Systemrelevant

Bienen-Briefmarke aus Neuseeland„Mein Papa klettert gerade im Obstbaum herum, weil die Bienen weg sind!“ So sprach das kleine MĂ€dchen im Garten. „Die Bienen sind weg? Wieso denn das?“ entgegne ich. „Weil die HĂŒhner sie gefressen haben.“ Nun, vielleicht hat die Kleine sich geirrt. Möglicherweise macht auch der allzu kĂŒhle Sommer den Tieren zu schaffen. Aber das ist eigentlich auch egal. Vollkommen richtig hat die GrundschĂŒlerin bereits erkannt, dass das die kleinen Brummer eine sehr wichtige Rolle fĂŒr unser Ökosystem spielen. Die rund 750.000 Bienenvölker in Deutschland sorgen fĂŒr einen großen Teil der BestĂ€ubung unserer Acker- und Wildpflanzen. Ohne BestĂ€ubung aber tragen die Pflanzen keine FrĂŒchte und können auch keine Samen entwickeln. Albert Einsteins dĂŒstere Prognose darĂŒber, wie lange der Mensch noch ĂŒberlebt, nachdem die letzte Biene gestorben sei, wird zwar heute als nicht mehr tragfĂ€hig betrachtet, im Kern aber hatte der Physiker recht.

Die Folgen eines weitflĂ€chigen Bienensterbens sind fĂŒr den Menschen nicht absehbar. Die GefĂ€hrdung der fleißigen Tierchen durch Umweltgifte und eingeschleppte Krankheiten beschĂ€ftigt die Wissenschaftler Europas seit etlichen Jahren.

Alle Menschen sind bestechlich, sagt die Wespe zur BieneNun haben die BĂŒrger vermutlich schon seit einiger Zeit eine Abneigung gegen das Attribut „systemrelevant“ entwickelt. Zu inflationĂ€r wurde dieser Begriff auf parasitĂ€re Wirtschaftsorganismen angewandt. Wen wundert es also, wenn die deutsche Bundesministerin fĂŒr ErnĂ€hrung, Landwirtschaft und Verbraucherschutz, Ilse Aigner, sogar parteiintern auf GelĂ€chter stieß, als sie nun auch die Bienen als „systemrelevant“ bezeichnete. Aber in diesem Fall hatte sie leider den Nagel auf den Kopf getroffen. Schade, wenn die Wahrheit verlacht wird, wĂ€hrend dubiose Misswirtschaft mit feierlicher Mine an einen Tropf aus Steuergeldern gehĂ€ngt wird. Home sweet home im WortsinnFairerweise muss man der Dame aber taktisches GespĂŒr zugestehen, immerhin hat sie durch die ausgelöste Heiterkeit die Aufnahme des Bienenschutzes in ihr Parteiprogramm bewirkt. Jenseits politischer Lippenbekenntnisse wird die Aufgabe jedoch sehr viel schwieriger. Denn gerade die industrielle Landwirtschaft stellt mit ihren Monokulturen und dem ungehemmten Einsatz von Pestiziden die grĂ¶ĂŸte Gefahr fĂŒr die Bienenvölker dar. Es sind immer die geschwĂ€chten Lebewesen, die Epidemien zum Opfer fallen. Ein intaktes Ökosystem verliehe den Bienen deutlich mehr Widerstandskraft.

Plattenbau statt HonigwabenDer Mensch weiß bereits seit vielen tausend Jahren um den Wert des Honigs. Nicht nur fĂŒr den Gaumen, auch bei der Behandlung von Krankheiten und der Versorgung von Wunden wird die sĂŒĂŸe Masse seit jeher verwendet. Die alten Griechen sahen im Honig sogar ein Beruhigungsmittel fĂŒr Nervenkranke. Kein Wunder also, dass dieses Gold der Bienenstöcke Einzug in unseren Aphorismenschatz gehalten hat. Wir wollen die Vorstellung der „Marken der Woche“ – sie stammen aus Neuseeland und zeigen ab dem 3. Juli fĂŒnf schöne MotivSondermarken zum Thema Bienen und Imkerei – entsprechend mit einer kleinen Sammlung der schönsten BienensprĂŒche beschließen.

  • „Bevor du den Pfeil der Wahrheit abschießt, tauche die Spitze in Honig.“
  • „Kalter Juniregen bringt Wein und Honig keinen Segen.“
  • „Kommen die Bienen nicht heraus, ist’s mit schönem Wetter aus.“
  • „Je mehr Du die Bienen von Dir schlĂ€gst, desto wilder stechen sie.“
  • „Wer den Honig liebt, darf den Stachel nicht scheuen.“
  • „Die Geizigen sind den Bienen zu vergleichen; sie arbeiten, als ob sie ewig leben wĂŒrden.“

Guten AppetitZum Abschluss ein paar Verse von Heinz Erhardt:
Ein GĂ€nseblĂŒmchen liebte sehr ein zweites gegenĂŒber, drum riefÂŽs: „Ich schicke mit nem Gruß dir eine Biene rĂŒber!“ Da rief das andere: „Du weißt, ich liebe dich nicht minder, doch mit der Biene, das lass sein, sonst kriegen wir noch Kinder!“


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Authored by: Jan Sperhake

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