Tiefe Einblicke in fremde Welten

Tiefe Einblicke in fremde Welten

Briefmarke mit Georg Forster aus der DDR von 1979 (MiNr. 2410)Er war ein Kind der Aufkl√§rung, wie es im Buche steht. Johann Georg Adam Forster scheute weder die Gefahr noch das Ungewisse, um neues Wissen zu erlangen. Sicher, diese Einstellung wurde ihm mit in die Wiege gelegt: Sein Vater, der Naturforscher Johann Reinhold Forster, nahm ihn bereits im Alter von zehn Jahren, 1765, mit auf eine Studienreise zu den deutschen Kolonien an der Wolga. Ein Jahr sp√§ter siedelten Vater und Sohn, zuvor in Nassenhuben bei Danzig und St. Petersburg wohnhaft, nach London √ľber. Im immer noch zarten Alter von 17 Jahren stach Forster 1772 zu einer Weltumseglung in See.

Briefmarke der DDR von 1988 mit der nach Georg Forster benannten arktischen Forschungsstation (MiNr. 3160). Die Arbeit dort wurde 1993 eingestellt.

Briefmarke der DDR von 1988 mit der nach Georg Forster benannten arktischen Forschungsstation (MiNr. 3160). Die Arbeit dort wurde 1993 eingestellt.

Er begleitete seinen Vater, der eine Einladung des britischen Seefahrers und Entdeckers James Cook erhalten hatte, ihn zwecks der Erkundung von fremdl√§ndischer Flora und Fauna zu begleiten. Der junge Forster sollte eigentlich seinem Vater behilflich sein, Zeichnungen von der Pflanzen- und Tierwelt der S√ľdsee anzufertigen, jedoch tat er sich durch ganz andere Aktivit√§ten hervor. So entdeckte er sein Interesse f√ľr fremde Kulturen. Er lernte die Sprache vieler indigener Ethnien Polynesiens und studierte ihre soziale Ordnung, ihre Religion sowie Sitten und Gebr√§uche. Sein Einf√ľhlungsverm√∂gen und seine gr√∂√ütenteils vorurteilsfreie Einstellung erm√∂glichten ihn tiefe Einblicke in fremde Welten, die bis heute von wissenschaftlicher Bedeutung sind.

Briefmarke aus S√ľd-Georgien / Sandwich-Inseln von 1985 mit Georg Forster (MiNr. 140).Das gleiche gilt f√ľr die Ethnographica, die Forster w√§hrend der Seereise zusammentrug. Diese Objekte aus dem allt√§glichen oder religi√∂sen Leben der Menschen sind heute von unsch√§tzbarem Wert. Sie stammen allesamt aus vorkolonialer Zeit und blieben vollkommen unbeeinflusst von den sogenannten westlichen Kulturen. Diese Relikte einer vergangenen Zeit firmieren heute unter dem Namen ‚ÄěCook-Forster-Sammlung‚Äú und k√∂nnen in der Ethnologischen Sammlung der Universit√§t G√∂ttingen besichtigt werden. Das wohl bekannteste St√ľck ist eine aus Federn gefertigte Skulptur, die den hawaiianischen Kriegsgott Kuka‚Äôilimoku darstellt.

Nicht unerw√§hnt bleiben sollte eine weitere Reise Forsters, die er 1790, gemeinsam mit Alexander von Humboldt, antrat. Aus den gewonnenen Eindr√ľcken resultierte das dreib√§ndige Werk ‚ÄěAnsichten vom Niederrhein, von Brabant, Flandern, Holland, England und Frankreich im April, Mai und Juni 1790‚Äú, das auch Goethe ausdr√ľcklich lobte. Man ‚Äěw√ľnscht sich, mit einem so guten, so unterrichteten Beobachter zu reisen‚Äú, schrieb der Dichterf√ľrst an den Autor.

Es wundert wenig, dass jemand, der sich so offen f√ľr andere Kulturen zeigt und der Wissenschaft so eng verbunden ist, auch im Politischen ein aufkl√§rerisches Denken an den Tag legt. Forster junior stand in Kontakt mit den wichtigsten Vertretern der Aufkl√§rung in Deutschland. Er w√ľnschte sich Freiheit und setzte gro√üe St√ľcke auf die Franz√∂sische Revolution. Als die Franzosen im Jahr 1792 Mainz besetzten, z√§hlte er zu den Mitbegr√ľndern der nur kurz w√§hrenden Mainzer Republik. Sein Wirken f√ľr Ver√§nderung isolierte ihn schlie√ülich: Voller Hoffnung war er nach Paris gereist, um sich f√ľr die Angliederung der Mainzer Republik an Frankreich einzusetzen. Doch nach dem Abzug der Franz√∂sischen Revolutionsarmee aus Mainz war dieses Ansinnen sinnlos geworden, eine R√ľckkehr jedoch durch die Reichsacht verwehrt. Georg Forster starb am 10. Januar 1794 im Alter von nur 39 Jahren in Paris an einer Lungenentz√ľndung.

Authored by: Tanja Uhde

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert