Glaube, Recht und Expansion

Die B├╝ste Karls des Gro├čen auf Wohlfahrtsmarke von 1988

Die B├╝ste Karls des Gro├čen aus dem Aachener Domschatz auf einer Wohlfahrtsmarke von 1988, MiNr. 1384.

Eine gro├če Menschenmenge findet sich vor 1200 Jahren in der Aachener Pfalzkirche zusammen. Die Franken betrauern den Tod ihres Kaisers. Am 28. Januar 814 f├Ąllt Karl der Gro├če einer Krankheit, vermutlich einer Rippenfellentz├╝ndung, zum Opfer. Er hinterl├Ąsst seinen Nachfolgern ein Reich mit enormen Ausma├čen. Nach dem Tod seines Vaters Pippin des J├╝ngeren wird das fr├Ąnkische Reich unter Karl und dessen Bruder Karlmann aufgeteilt. Die Beziehung zwischen den Br├╝dern gestaltet sich schwierig. Karl n├Ąhert sich den Langobarden an, die zu dieser Zeit Druck auf Rom aus├╝ben. Der Bruder Karlmann unterst├╝tzt den Papst, weshalb sich Spannungen zwischen den Br├╝dern aufbauen. Der Tod des Bruders beendet 771 schlie├člich den Zwist. Als Alleinherrscher ├╝bernimmt Karl die Gebiete des Bruders. Dadurch erfolgt eine Ann├Ąherung an den Papst, der ihn dazu bewegt, gegen die Langobarden in den Krieg zu ziehen. Nach dem Sieg ├╝ber den Stamm l├Ąsst er sich zum langobardischen K├Ânig kr├Ânen.

Karl der Gro├če legt sein Augenmerk jedoch nicht ausschlie├člich auf Expansion. Die Wahrung des Rechts hat f├╝r ihn einen gro├čen Stellenwert. In Form sogenannter Kapitulare ÔÇô eine fr├Ąnkische Sitte, die Untertanen aufzufordern, das Recht einzuhalten ÔÇô, ermahnt er das Volk, sich an gesetzliche Richtlinien zu halten. Karl wacht streng ├╝ber die Einhaltung des Rechtes f├╝r und von jedermann. Er schickt Boten aus, die pr├╝fen sollen, ob ├╝berall in seinem Reich wahres Recht gesprochen wird. In Karls Reich herrscht keine strenge Ordnung. Die Rechte der Grafen sind nicht klar strukturiert, weshalb Beschwerden seitens der Herrscher auftreten. Ebenso die Gerichte unterliegen keiner straffen F├╝hrung, was ├╝berrascht, hatte die Rechtsprechung bei Karl doch einen solch ├╝beraus hohen Stellenwert. Die besonderen F├Ąlle beh├Ąlt der Herrscher sich selbst vor. Die Kl├Ąger m├╝ssen dazu oftmals an seinem Hof erscheinen, sodass er in der Lage ist, den Rechtsstreit selbst zu kl├Ąren.

Karl der Gro├če mit seinem Heer auf franz├Âsischer Briefmarke von 1963

An der Spitze seines Heeres durchquert Karl der Gro├če die Lande, so auch Andorra (MiNr. 180).

Neben der Einhaltung des Rechts sind die Untertanen verpflichtet, stets f├╝r das Reich in den Krieg zu ziehen. Dies stellt sich als schwere B├╝rde dar, da w├Ąhrend der Herrschaft Karls in den Sommermonaten stets ein Feldzug, teilweise sogar zwei oder drei, im Gange sind. Die meisten kriegerischen Auseinandersetzungen ereignen sich mit den Sachsen. Die Ursachen der K├Ąmpfe sind religi├Âser Natur. Karl will die Sachsen dazu bewegen, sich dem christlichen Glauben zu verschreiben. Ab dem Jahr 772 finden j├Ąhrliche K├Ąmpfe zwischen den Franken und den Sachsen statt. Nach sechsj├Ąhriger Auseinandersetzung beginnt Karl der Gro├če auf radikale Weise durchzugreifen. Er l├Ąsst in Verden an der Aller 4500 s├Ąchsische Edle h├Ąngen und befiehlt, dass jeder Sachse, der sich von nun an dem christlichen Glauben verweigert, hingerichtet werden soll. Karl sieht sich in der Pflicht, das Christentum zu festigen und zu verbreiten.

Nachdem Karl das s├Ąchsische Gebiet unterworfen hatte, gelingt ihm dies auch mit dem K├Ânigreich Bayern. Zum Ausgang des achten Jahrhunderts erlangt Karl eine solch gro├če Macht, dass man dar├╝ber nachsinnt, ihm den Kaisertitel zu verleihen. Im Jahre 800 kr├Ânt ihn Papst Leo III. schlie├člich zum Kaiser von Gottes Gnaden. Karls Reich erlangt Anfang des neunten Jahrhunderts die gr├Â├čte Entfaltung. Keinem Herrscher nach ihm gelingt es, ├╝ber eine so hohe Anzahl von St├Ąmmen und L├Ąndern zu herrschen.

Karl der Gro├če auf kroatischem Briefmarken-Block von 2001

Bronzestatue Karls des Gro├čen und die Ausdehnung seines Reichs auf kroatischem Briefmarkenblock von 2001, MiNr. 564.

Die Frage ist, ob Karl am Ende seiner Herrschaft seine Ziele tats├Ąchlich erreicht hatte oder ob er, wie viele Herrscher vor ihm, anstrebte, die Herrschaft ├╝ber die gesamte ihm bekannte Welt zu ├╝bernehmen. Die Inschrift auf seinem Grabstein erkl├Ąrt, dass er das Reich der Franken auf edle Weise erweitert habe. Historiker stellten fest, dass er neben seiner Expansionspolitik auch andere Ziele anstrebte. Ihm war neben der Erweiterung seines Herrschaftsgebietes sehr daran gelegen, seinen Untertanen Sicherheit zu bieten und sein Reich auszugestalten. Karl der Gro├če war somit ein Herrscher, der sowohl au├čen- als auch innenpolitisch Engagement zeigte. Er expandierte nicht nur, er versuchte seinen Untertanen ebenso durch entsprechende Rechtsprechung Sicherheit zu bieten.

Authored by: Stefanie Dieckmann

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