Die starke Frau an Martin Luthers Seite

Die starke Frau an Martin Luthers Seite

‚ÄěIch wollte meine K√§the nicht um ganz Frankreich und Venedig mehr hergeben, darum weil Gott sie mir geschenkt und mich ihr gegeben hat‚Äú. So beschrieb Martin Luther in einer seiner Tischreden, die der Pfarrer w√§hrend des Mahls mit Verwandten, Freunden und Interessierten f√ľhrte, die enge Beziehung zu seiner Frau Katharina. Katharina von Bora wurde heute vor 515 Jahren in Lippendorf bei Leipzig als Tochter eines verarmten, mei√ünischen Adligen geboren. Bereits als f√ľnfj√§hriges M√§dchen brachte der Vater sie in das heute in Niedersachsen gelegene Benediktinerinnenkloster Breda. Die Mutter war bereits verstorben, deshalb wurde Katharina in die Obhut der Nonnen gegeben, damit der alleinerziehende Vater die Probleme der Erziehung, Verheiratung und Mitgift umgehen konnte. Vier Jahre sp√§ter wurde das Kind zu den Zisterziensern nach Nimbschen geschickt. Zu diesem Zeitpunkt war ihr bereits eine Bildung zuteil geworden, die kaum ein M√§dchen ihres Alters genie√üen konnte. Sie war des Lesens und Schreibens m√§chtig und kannte einige liturgische Werke.

Martin Luther auf Briefmarke von 1983

Zum 500. Geburtstag von Martin Luther entwarf Elisabeth von Janota-Bzowski diese Sondermarke von 1983, MiNr. 1193.

Die Abschiebung junger T√∂chter in die Kl√∂ster betrachteten einige Christenmenschen als eine gro√üe Not. Auch der Reformator Martin Luther erkannte das Schicksal der M√§dchen. ‚ÄěOhne Unterla√ü beten, Rosenkranzringlein ziehn, alle Heiligen um F√ľrbitten anrufen, fasten, beichten, um nichts als gute Werke sich gr√§men, gezwungen und gedrungen sein bei Tag und Nacht, als k√∂nne man den himmlischen Vater damit bezahlen‚Äú. Lutherische Schriften, wie ‚ÄěVon der Freiheit eines Christenmenschen‚Äú, gelangten schlie√ülich auch in die H√§nde der Nonnen, die s√ľdlich der s√§chsischen Stadt Grimma lebten. So wurde auch Katharina von Bora ihrer gewahr. Die Pamphlete Luthers erweckten den Mut in ihr, dem strengen kl√∂sterlichen Leben zu entrinnen. Gemeinsam mit einigen Mitschwestern plante sie, trotz des Wissens um die enorme Strafe, die sie erwartete, wenn ihr Plan scheiterte, die Flucht aus den kirchlichen Mauern. Denn Florentina von Oberweimar musste w√§hrend des Gottesdienstes mit dem Bauch auf dem Steinboden liegen, damit ihre Glaubensschwestern √ľber sie hin√ľbersteigen konnten, nachdem die Nonne auf der Flucht aus ihrem Kloster gefasst worden war. Dar√ľber hinaus musste sie Schl√§ge und Einkerkerungen √ľber sich ergehen lassen.

Luther-Eisleben-Wittenberg-Briefmarke-2009Doch Katharina schreckten diese Aussichten nicht ab. Ihr und den anderen Nonnen gelang es, Luther einen Brief zukommen zu lassen. Daraufhin schickte der Reformator seinen Komplizen Ratsherr Leonard Koppe aus Torgau, der Fisch- und Bierlieferant f√ľr das Kloster Nimbschen war, die Nonnen aus dem Kloster zu befreien. Nonnen oder M√∂nchen zur Flucht zu verhelfen, wurde mit dem Tode bestraft. Dennoch brachte Koppe die Nonnen Ostern 1523 aus dem Kloster, indem er die Ordensschwestern in Heringstonnen auf seinem Planwagen nach Torgau brachte. Als die zw√∂lf Jungfrauen schlie√ülich in Wittenberg bei Luther ankamen, musste der Reformator einen Weg finden, sie unterzubringen. Alle ehemaligen Nonnen sollten verm√§hlt werden. Katharina sollte zun√§chst einen Freund des Reformators ehelichen. Der N√ľrnberger Patriziersohn Hieronymus Baumg√§rtner und Katharina fanden Gefallen aneinander. Da der Verehrer jedoch auf eine Mitgift angewiesen war, kam diese Verbindung nicht zu Stande. Einen weiteren Anw√§rter, Kaspar Glatz, lehnte Katharina ab. Es musste eine andere L√∂sung gefunden werden. Luther hatte eigentlich nie die Absicht, eine Ehe einzugehen. Doch als Katharina Avancen machte, den Reformator ehelichen zu wollen, stimmte er einer Verbindung zu.

Das Lutherhaus in Wittenberg auf Briefmarke der DDR von 1967

Das Wohnhaus der Familie Luther in Wittenberg auf Briefmarke der DDR von 1967, MiNr. 1318.

Luther und Katharina, die als selbstbewusst und organisatorisch galt, bauten gemeinsam einen Haushalt im alten Augustinerkloster in Wittenberg auf, der als Vorbild des evangelischen Pfarrhauses galt. Die Ehe zwischen Luther und von Bora, die mit sechs Kindern gesegnet wurde, war √ľber Jahrhunderte hinweg ein Symbol der Revolution und des Umbruchs, denn erstmals entstand eine Pfarrfamilie. Der Pfarrer lebte nicht l√§nger z√∂libat√§r, er f√ľhrte nun ein b√ľrgerliches Leben mit Frau und Kindern. Das evangelische Pfarrhaus wurde zum wichtigen konfessionellen Unterscheidungszeichen gegen√ľber der katholischen Kirche.
Seine Frau war Luther eine gro√üe Unterst√ľtzung. Sie sorgte durch Bierbrauerei und Viehzucht f√ľr das leibliche Wohl der Familie und der G√§ste. Dar√ľber hinaus k√ľmmerte sich die Gattin des Reformators um die Beherbergung von Studenten, die viele Ausspr√ľche Luthers festhielten. W√§hrend des W√ľtens von Epidemien richtete Katharina au√üerdem ein Hospiz ein und war damit den Einwohnern Wittenbergs eine gro√üe Hilfe.

Katharina von Bora auf Briefmarke von 1999

1999 erschien Lucas Cranachs d. √Ą. Portr√§t Katharina von Boras auf einer Sondermarke, MiNr. 2029.

Nach dem Tod Martin Luthers 1546 f√ľhrte die Witwe zun√§chst ein bescheidenes Leben in Wittenberg. Aus Angst vor Ansteckung floh sie 1552 schlie√ülich mit den vier Kindern, die bis dahin √ľberlebt hatten, vor einer pestartigen Epidemie nach Torgau. Vor den Toren der s√§chsischen Stadt ereignete sich ein Sturz, bei dem sie sich den Beckenknochen brach. Am 20. Dezember 1552 starb sie an den Folgen ihres Unfalls. Sie wurde in der Wittenberger Stadtkirche beigesetzt.


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Authored by: Stefanie Dieckmann

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