Impfung gegen Pocken

Impfung gegen Pocken

M√ľnzen und Medaillen aus dem Bereich ‚ÄěMedicina in Nummis‚Äú sind ein ebenso umfangreiches wie interessantes Sammelgebiet, √ľber das es eine reichhaltige Literatur gibt. Es umfasst ber√ľhmte √Ąrzte und ihre Entdeckungen und den Kampf gegen schwer in der Bev√∂lkerung grassierende Epidemien, aber auch Entdeckungen und Erfindungen sowie den Bau von Krankenh√§usern und Forschungseinrichtungen. In das Gebiet geh√∂ren auch die vielen meist silbernen Medaillen und Amulette aus der fr√ľhen Neuzeit, mit denen man sich vor Krankheiten aller Art und Anfeindungen des Teufels zu sch√ľtzen suchte. Wer mit dem Thema beginnen m√∂chte, kann es gleich mit Gedenkm√ľnzen und Medaillen der DDR und der Bundesrepublik zur Erinnerung an gro√üe Mediziner tun und sich in anderen Zeiten und L√§ndern nach passendem Material umtun. Viele St√ľcke sind preiswert zu haben und werden in reichem Ma√üe vom Handel und auf Messen angeboten.

Der Berliner Mediziner Robert Koch und weitere Kollegen wurden im fr√ľhen 19. Jahrhundert auf eindrucksvolle Weise durch Medaillen geehrt.
Der Berliner Mediziner Robert Koch und weitere Kollegen wurden im fr√ľhen 19. Jahrhundert auf eindrucksvolle Weise durch Medaillen geehrt.

Globale Epidemien

Nach manchen Rarit√§ten muss man geduldig fahnden, so etwa nach Medaillen, mit denen √Ąrzte und Patienten nach dem Jahr 1800 ausgezeichnet wurden, die sich, umstritten und gew√∂hnungsbed√ľrftig in der damaligen Zeit, gegen die Pocken impfen lie√üen. Die Blattern, wie man auch sagte, waren lange Zeit eine wahre Gei√üel der Menschheit und gelten seit 1980 als ausgerottet. Doch sind neue Ausbr√ľche der Pocken und anderer gef√§hrlicher Krankheiten an irgendeinem Ort auf unserem Globus jederzeit m√∂glich.
Die Sterblichkeit unter Pockenkranken war immens, und niemand wusste, was man gegen die Seuche unternehmen konnte. Diejenigen, die die Infektion √ľberstanden hatten, waren durch schreckliche Narben gezeichnet, aber sie erkrankten nicht noch einmal an den Pocken. Das machte vor √ľber 200 Jahren Mediziner stutzig. Denn wer sie einmal √ľberstanden hatte, besa√ü ewigen Schutz gegen eine neue Erkrankung. In ihrer Not griffen die √Ąrzte zu der Methode, gesunde Patienten mit dem Inhalt von Pockenbl√§schen von Kranken zu infizieren, was auf der einen Seite zu Erfolgen f√ľhrte, auf der anderen Seite aber zu neuen Krankheits- und Todesf√§llen.

Mit diesen M√ľnzen zur Erinnerung an Robert Koch, Albert Schweitzer und Max von Petten¬≠kofer k√∂nnte man eine Sammlung zum Thema ‚ÄěMedicina in Nummis‚Äú er√∂ffnen (Fotos: Caspar).
Mit diesen M√ľnzen zur Erinnerung an Robert Koch, Albert Schweitzer und Max von Petten¬≠kofer k√∂nnte man eine Sammlung zum Thema ‚ÄěMedicina in Nummis‚Äú er√∂ffnen (Fotos: Caspar).

Impfung gegen Pocken

Ende des 18. Jahrhunderts besch√§ftigte sich der englische Landarzt Edward Jenner mit einer ungew√∂hnlichen Behandlungsmethode. Ihm war aufgefallen, dass nach einer Infektion mit den wesentlich harmloseren Kuhpocken bei Menschen keine Erkrankungen der f√ľr sie lebensgef√§hrlichen Pocken mehr auftraten. Deshalb versuchte er, seine Patienten durch ‚ÄěVaccination‚Äú (abgeleitet vom lateinischen Wort ‚Äěvacca‚Äú f√ľr Kuh) zu immunisieren. Er √ľbertrug den Pustelinhalt einer an den Kuhpocken erkrankten Magd auf einen Jungen, der aber nicht erkrankte. Nach weiteren Versuchen ging Jenner an die √Ėffentlichkeit und warb f√ľr seine Methode. Die Reaktion in der √Ėffentlichkeit reichte von begeisterter Zustimmung bis emp√∂rter Ablehnung. Da auch andere √Ąrzte in Selbstversuchen sahen, dass die Jennersche Methode zum Erfolg f√ľhrte, drehte sich die Stimmung.
Aus Angst vor verheerenden Seuchen entschlossen sich verschiedene Regierungen zu Schutzimpfungen. Wer sich auf diesem Gebiet besonders engagierte und beteiligte, wurde mit Pr√§mienmedaillen ‚ÄěZum Andenken an erhaltenen und mitgeteilten Schutz‚Äú ausgezeichnet, wie es auf einer Berliner Medaille von 1811 hei√üt. Edward Jenner zu Ehren wurden ebenfalls Medaillen gepr√§gt. Eine besonders sch√∂ne Verdienstmedaille stammt von Abraham Abramson und kombiniert den Kopf von K√∂nig Friedrich Wilhelm III. mit der in bergiger Landschaft auf einem Stier reitenden Europa. Die Schale mit einer Schlange, die Arm und Hand umwindet, war ein beliebtes Symbol der Medizin. Weitere Medaillen schildern, wie ein Genius gegen die Hydra der Pockenkrankheit k√§mpft oder Frauen ein Kind durch Schutzimpfung vor dem sicheren Tod retten.
Bald wurde es in Preu√üen und anderen L√§ndern teuer, √Ąrzte und Patienten durch silberne Medaillen f√ľr die Kuhpockenimpfung zu begeistern und ihnen damit zu danken. So ging man nach und nach zur preiswerten Zertifikation durch Urkunden √ľber. Wer als Sammler diese Medaillen sowie amtliche Bescheinigungen zusammen¬≠bringt, darf sich als besonderen Gl√ľckspilz betrachten.

Text: Helmut Caspar
Bildunterschrift Titelbild: Die preu√üische Medaille aus der Zeit Friedrich Wilhelms III. belohnte Menschen, die sich besonders f√ľr die Kuhpockenimpfung einsetzten.

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