Gebührenverrechnung auf Formularen

Gebührenverrechnung auf Formularen

Ausweiskarten, Postsparkarten, Arbeiter-Urlaubskarten, Ersatz-Rentenausweise –auf allen diesen Formularen konnten in früheren Jahrzehnten anfallende Gebühren bequemerweise mit Briefmarken abgegolten werden, bestätigt per Stempel. Diese „Fiskalphilatelie“ stellt ein unglaublich vielfältiges Sammelgebiet dar, das Werner Salzmann bereits 2013 in seinem ersten Werk umfassend mit einer Fülle von Belegen beschrieb.

Aspekte der Social Philately

Jetzt, in der aktualisierten Fassung plus zweitem Band, beleuchtet er weitere Felder dieses Gebietes, das nicht von Portostufen, Laufwegen oder Motiven gekennzeichnet ist. Vielmehr zeigt die Fiskalphilatelie Aspekte der Social Philately – wenn es um Ausweise oder beispielsweise um Urlaubskarten geht. Außerdem, und das ist eher das Kennzeichen dieses Sondergebietes der Philatelie, lässt sich so die Vielzahl der postinternen Gebühren für Serviceleistungen dokumentieren. Dass die Post mehr tat (und tut), als Karten, Päckchen und Pakete von A nach B zu befördern, ist zwar bekannt, rückt aber eher selten in den Fokus der Philatelie oder auch der Philatelisten. Das ist schade, denn auch klassische, thematische und postgeschichtlich orientierte Exponate können durchaus von fiskalphilatelistischem Material verschiedenster Couleur profitieren, die Sammlungen der „Open Philately“ natürlich sowieso.

1150 Seiten auf einem Stick

Hans-Werner Salzmann hat aus der Fülle des Materials die Konsequenz gezogen, kein gedrucktes Werk mehr vorzulegen, sondern zwei Bände mit insgesamt über 1150 Seiten auf einem Stick zu veröffentlichen. Dies erlaubt die bequeme Suche im Gesamtdokument; zum Beispiel nach Belegarten, Orten, Namen oder was einen sonst interessiert. Dank Vergrößerungsfunktion lassen sich auch Feinheiten der durchweg farbig abgebildeten Belege gut betrachten, wenngleich die verwendete Auflösung hier Grenzen setzt. Lesen muss oder sollte man das Werk daher auf einem guten elektronischen Gerät, sei es Tablet mit vernünftigem Bildschirm oder PC. Ergänzt wird der Belege-Teil durch aktualisierte Gebührentabellen als Grundlage und Nachschlage-Arbeitsmittel. Der Untertitel „wozu deutsche Briefmarken noch verwendet wurden“ ist eigentlich nicht ganz korrekt, denn Salzmann verzeichnet auch Notgeld aus Europa oder Kapselgeld aus USA und Kanada.

Wie der Autor überhaupt zu „seinem“ Gebiet kam, beschreibt er kurz in der Einleitung. Keine Rechtfertigung – derer bedarf das Thema nicht – eher eine nachvollziehbare und sympathische Erzählung von Sammler zu Sammler. Das gut handhabbare und ausführliche Verzeichnis „Gebührenrechnung auf Formularen“ gehört in die Bibliothek eines jeden, der über den philatelistischen Tellerrand hinaussehen will.

Gebührenverrechnung auf Formularen – wozu deutsche Briefmarken noch verwendet wurden. Von Hans-Werner Salzmann. Bd. I: Brief- und Paketdienst. 577 S.; Bd. II: Telegraphen-, Geld- und Zeitungsdienst. 575 S. Digitale Version auf USB-Stick, erschienen im Selbstverlag Hans-Werner Salzmann, Essen-Bergerhausen 2023. Preis: 45 Euro incl. Inlandsporto+Versand. Bezug: H.-W. Salzmann, Saalestr. 13, 45136 Essen. E-Mail: hws-nrw@t-online.de.

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Authored by: Birgit Freudenthal

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