Vater, Mutter, Kind

Deutschland 2012 Umweltschutz Abfall ist Rohstoff

Seit der Einf√ľhrung des Einwegpfandes kehren deutlich mehr Dosen als zuvor in den Wertstoffkreislauf zur√ľck.

‚ÄěIch war eine Dose‚Äú. Wer erinnert sich nicht an diese Aussage, die vor geraumer Zeit f√ľr die Wiederverwertung von Rohstoffen warb. Global betrachtet, zeitigte die Kampagne in Deutschland beachtliche Erfolge. In anderen Bereichen ging es mit dem Bewusstsein f√ľr die Umwelt aber abw√§rts, zum Beispiel bei Getr√§nkeflaschen. In den neunziger Jahren sank die Mehrwegquote stetig.
Seit genau zehn Jahren m√ľssen die Konsumenten daher auch f√ľr Einwegflaschen und Getr√§nkedosen ein Pfand entrichten. Nach der R√ľckgabe im Gesch√§ft gibt es das Geld zur√ľck. Eng verbunden ist die Regelung, f√§lschlich als ‚ÄěDosenpfand‚Äú bezeichnet, mit dem Namen J√ľrgen Trittins, des damaligen Bundesministers f√ľr Umwelt. Der Politiker der Gr√ľnen setzte jedoch nur um, was andere lange vor ihm angeordnet hatten.
Die Verpackungsverordnung stammt n√§mlich von 1991, als der Bundesumweltminister Klaus T√∂pfer hie√ü. Er legte fest, dass ein Pflichtpfand f√ľr Einwegverpackungen eingef√ľhrt werde, wenn die Mehrwegquote unter 72 Prozent falle. Der Vater des Einwegpfandes hei√üt also nicht Trittin, sondern T√∂pfer und ist Christdemokrat.
1998 war es dann soweit. Die Bundesregierung stellte fest, dass die Mehrwegquote im abgelaufenen Jahr die Marke von 72 Prozent unterschritten habe, und setzte den vorgeschriebenen Mechanismus zur Einf√ľhrung des Einwegpfandes in Bewegung. Zust√§ndig war daf√ľr die damalige Bundesumweltministerin Angela Dorothea Merkel, bekanntlich eine Christdemokratin. Da sie zudem bei einer ebenfalls 1998 vorgenommenen √úberarbeitung der Verpackungsverordnung die Quote best√§tigte, kann man sie mit Fug und Recht als Mutter des Einwegpfandes bezeichnen.

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In einer bemerkenswerten Fr√ľhform schwarz-gr√ľner Zusammenarbeit verpflichtete Trittin, das erste Kind des Einwegpfandes, schlie√ülich zum 1. Januar 2003 den Handel, auch Einwegflaschen und -dosen zur√ľckzunehmen. Schnell zeigten sich die positiven Folgen der Gemeinschaftsarbeit T√∂pfers, Merkels und Trittins. Lagen zuvor in Parks und W√§ldern √ľberall Plastikflaschen und Blechdosen herum, nahmen die B√ľrger ihren M√ľll fortan mit nach Hause, um ihn gegen Bares einzutauschen. Das klassische Mehrwegsystem mit Glasflaschen wiederzubeleben, gelang aber nicht. Die Konsumenten bevorzugten die leichteren Plastikflaschen, die sich gew√∂hnlich nicht erneut bef√ľllen lassen. Immerhin kehren dank der sortenreinen Sammlung Kunststoffe und Metalle wieder in den Wertstoff-Kreislauf zur√ľck. Die Aussage ‚ÄěIch war eine Dose‚Äú gilt weiterhin, wenn auch mit etwas anderer Bedeutung.


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Authored by: Torsten Berndt

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