Es Mutter durch die Blume sagen

M√ľtterlein, M√ľtterlein
Du warst mehr als Gold und Geld
Man kann beinah‘ sagen, ohne dich
W√§r ich heut‘ nicht auf der Welt (Georg Kreisler)

Die Mutter als Helfer der Menschheit auf Briefmarke der Bundespost von 1958Floristen sind findige Gesch√§ftsleute. Schon bevor sie auf den Gedanken kamen, den Gedenktag eines christlichen M√§rtyrers als Anlass zum Blumen kaufen umzuwidmen, hatten sie sich den Muttertag vorgenommen. Heute vor 90 Jahren, am 13. Mai 1923, war es soweit: Der Verband Deutscher Blumengesch√§ftsinhaber begann, Plakate mit dem Slogan ‚ÄěEhret die Mutter‚Äú in die Schaufenster zu h√§ngen und den zweiten Sonntag im Mai als ‚ÄěMuttertag‚Äú zu etablieren, den man am besten feiert, in dem man der Mutter Blumen schenkt. Ab 1926 versuchte dann die ‚ÄěArbeitsgemeinschaft f√ľr Volksgesundung‚Äú, den Muttertag als offiziellen Feiertag festzulegen. Dieser Idee war aber erst 1933 Erfolg beschieden, denn kaum waren die Nationalsozialisten an der Macht, wurde der Muttertag auch gleich als ‚ÄěEhrentag der deutschen Mutter‚Äú zum gesetzlichen Feiertag gemacht. Passte den Nationalsozialisten ja auch gut in den Kram, schlie√ülich sollte die arische Mutter nicht arbeiten gehen, sondern m√∂glichst viele Kinder geb√§ren, denn die ben√∂tigte man ja als Kanonenfutter f√ľr sp√§ter.

Briefmarke aus √Ėsterreich zum Muttertag 1968Am Muttertag 1934 (mittlerweile hattte man den dritten Maisonntag als Ehrentag auserkoren) wurde dann der ‚ÄěReichsm√ľtterdienst‚Äú gegr√ľndet, der die deutschen Frauen auf die Mutterschaft vorbereiten sollte. Um die Geb√§rfreudigkeit der deutschen M√ľtter noch weiter anzukurbeln, wurde dann am Muttertag 1939 zum ersten Mal das ‚ÄěMutterkreuz‚Äú verliehen, die dritte Stufe gab es ab vier Kindern, die zweite ab sechs und die dritte Stufe, das Mutterkreuz in Gold, gab es ab acht Kindern, vorausgesetzt nat√ľrlich, dass die Eltern auch ‚Äědeutschbl√ľtig‚Äú und ‚Äěerbgesund‚Äú waren.¬†Nach dem Krieg schaffte die DDR den Muttertag ab, feierte stattdessen den internationalen Frauentag, in Westdeutschland dagegen konnten sich die Floristen erfolgreich durchsetzen und wieder den zweiten Maisonntag etablieren.

Briefmarke aus den USA zum Muttertag 1934 Urspr√ľnglich stammte die Idee des Muttertags aus den USA: Dort hatte eine junge Methodistin im Jahr 1907 ihrer verstorbenen Mutter gedenken wollen, Blumen an andere M√ľtter verteilt und dann eine Bewegung gestartet, um einen offiziellen Muttertag als Feiertag zu schaffen, was bereits im Jahr 1914 von Erfolg gekr√∂nt war. Aufgrund der sp√§teren Kommerzialisierung soll sie sp√§ter allerdings wieder f√ľr die Abschaffung des Muttertags pl√§diert haben. Heute hat sich der Muttertag weltweit etabliert. Allerdings muss man eigentlich keine Blumen kaufen, man k√∂nnte ja auch welche pfl√ľcken. Und ganz gro√üe Schlawiner machen in der Nacht zum Muttertag sowieso noch einen Abstecher √ľber den Friedhof: Dort gibt es schlie√ülich auch Blumen …


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Authored by: Udo Angerstein

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