Ein Pionier der modernen Welt

Leo Baekeland  auf belgischer Briefmarke von 1955Was w√§re die moderne Welt ohne Fotoapparate und Telefone? Der Erfinder und Chemiker Leo Baekeland leistete mit zwei Neuentwicklungen wichtige Pionierarbeit auf diesen Gebieten. Heute w√§re sein 150. Geburtstag. Leo Henricus Arthur Baekeland wurde am 14. November 1863 in Gent geboren. Er nahm ein Studium der Chemie auf. Dieses schloss er schon im Alter von 21 Jahren mit der Promotion ab. Sofort nach dem Studium wurde er zum Assistenzprofessor ernannt und heiratete die Tochter des Institutsleiters. Auf seiner Hochzeitsreise nach New York lernte er Richard Anthony kennen, den Besitzer einer Firma, die Kameras und Fotografie-Bedarf produzierte. Schon vor dieser Begegnung hatte Baekeland √ľber Fotografie geforscht, die beiden zogen schnell eine Zusammenarbeit in Erw√§gung und Baekeland siedelte in die USA √ľber. 1897 wurde er amerikanischer Staatsb√ľrger, 1917 bekam er eine Sonderprofessur an der Columbia Universit√§t in New York. Aus der Zusammenarbeit mit Anthony ging das ‚ÄěVelox‚Äú-Fotopapier hervor. Es diente der schnellen Entwicklung von Fotografien, die mit Kunstlicht aufgenommen worden waren. Dies war ein¬† Meilenstein in der Entwicklung zur modernen Fotografie. Das Patent f√ľr das Velox-Fotopapier verkaufte er an Eastman Kodak f√ľr eine Million Dollar. Dieses Geld nutzte Baekeland zum Aufbau eines eigenen Privatlabors.

Nicht nur f√ľr die Fotografie leistete er Gro√üartiges, sondern es kam noch zu einer weiteren wichtigen Erfindung, als er sich der Produktion von Kunstharzen zuwandte. Seine Vision war ein harter, aber dennoch formbarer Kunststoff. Zu diesem Zeitpunkt war bereits bekannt, dass viele Harze Polymere waren, Aneinanderkettungen von vielen gleichartigen Molek√ľlen. Die Reaktion von Phenol und Formaldehyd war zu dem Zeitpunkt bereits bekannt, ein entscheidender Kunstgriff gelang Baekeland, indem er eine Vorrichtung entwickelte, mit der es m√∂glich war, Temperatur und Druck w√§hrend dieser chemischen Reaktion zu kontrollieren. Nachdem das Verfahren 1907 patentiert wurde, setze die Erfolgsgeschichte des Bakelits ein.

Telefon-Bakelit-BriefmarkeBakelit war die Grundlage f√ľr viele weitere Erfindungen oder deren serielle Produktion. Vor allem beim Bau von Elektroger√§ten kam der neu entwickelte Kunststoff zum Einsatz, etwa f√ľr Lichtschalter, Telefone und Radioapparate. Der Vorteil von Bakelit war, dass es nicht entz√ľndlich und formbar war. Ebenfalls positiv war, dass Bakelit sehr preiswert hergestellt werden konnte. Auch wenn Bakelit eine gro√üe Nachfrage erlebte, verlief die pers√∂nliche Geschichte des Erfinders weniger gl√ľcklich: Im Alter wurde Baekeland mehr und mehr exzentrisch, lebte zur√ľckgezogen und weigerte sich andere Speisen zu sich zu nehmen, als Essen, das direkt aus der Dose kam. Hinzu kamen Patentstreitigkeiten und famili√§re Unstimmigkeiten. Ebenso ereilte ihn die Obsession, einen √ľberdimensionalen Wintergarten f√ľr seinen Zweitwohnsitz in Florida zu entwerfen. Er starb 1944 an den Folgen eines Schlaganfalls in einem Sanatorium in einem Vorort New Yorks.
Bemerkenswert waren allerdings die Leistungen Baekelands. Als er 1944 starb, wurden 175 000 Tonnen Bakelit hergestellt, damit wurden 15 000 verschiedene Produkte hergestellt. Zahlreiche Preise und Auszeichnungen haben sein Werk gew√ľrdigt. 55 Produkte wurden auf seinen Namen patentiert.

Authored by: mgloger

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